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StartseiteEine WeltMilchbauern und Verbraucher vereint gegen Dumpingpreise04.06.2016

AustralienMilchbauern und Verbraucher vereint gegen Dumpingpreise

Australien ist einer der größten Milchproduzenten der Welt und wichtigster Versorger Asiens - bis jetzt. Denn niedrige Preise bedrohen die Existenz der etwa 6.000 Farmer. Doch während in Deutschland der Staat Milliardenhilfen zuschießt, geht Australien einen anderen Weg: Dort solidarisieren sich die Verbraucher mit den Bauern.

Von Holger Senzel

Milchglas mit Münzen (dpa / Paul Zinken)
Die Milchpreise sind weltweit im Keller. (dpa / Paul Zinken)
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"Wenn Du Milch trinkst, hörst Du jetzt besser zu", leitet der Nachrichtensprecher eine Reportage ein zu dem, was die Medien Australiens Milchskandal nennen. Die Journalisten haben sich klar auf die Seite der Bauern geschlagen. 

Milch wird im Supermarkt jetzt für einen Dollar verkauft, das sind 64 Cent. Die Bauern bekommen nur noch umgerechnet 24 Euro-Cent für den Liter, das deckt nicht einmal die Produktionskosten. Besonders schlimm für Australiens 6.000 Milchfarmen: Die Preissenkung gilt rückwirkend. Bis die vermeintliche Überzahlung ausgeglichen ist, bekommen die Produzenten lediglich neun Eurocent für einen Liter Milch. Immer mehr Farmen geben auf, schlachten die Kühe und verkaufen das Fleisch. Vier Selbstmorde allein letzte Woche melden die Zeitungen.

"Wenn ich morgens aufstehe, rechne ich aus, wie viel Geld ich heute verlieren werde", sagt ein Farmer.

"Es kann doch nicht sein, dass ein Liter Milch im Supermarkt weniger kostet, als Mineralwasser oder ein Kaffee", seufzt eine Milchproduzentinen. Ein Anderer landet einen Youtube-Hit mit dem Lied für alle Farmer, die gerade verarscht werden. "Heute ist der erste Tag, an dem ich meine Milch in den Abfluss spüle", heißt es da.

China macht Druck auf dem Milchmarkt

Grund für den drastischen Preissturz ist vor allem die chinesische Forderung nach billigerer Milch. Australien ist der größte Lieferant von Molkereiprodukten für ganz Asien. "In Zukunft wird die Milch aus China kommen", prophezeit Agrarexperte Pete Towell die Folge des australischen Milchkrieges.

"Und das wird Fabrikmilch sein. Kühe in engen Boxen, die mit Chemie gefüttert werden. Nichts mehr mit unseren wundervollen freilaufenden Kühen."

Australiens Milchhaber haben jetzt mächtige Unterstützer im Kampf gegen die großen Molkereikonzerne bekommen: die Verbraucher. Lasst die Ein-Dollar-Milch in den Regalen stehen, lautet die Botschaft. Dazu werden tausende Fotos auf Facebook gepostet mit vollen Regalen der billigen Milch, während die Regale mit der teuren Milch aus den Bauerenkooperativen leergekauft sind. Viele Medien unterstützen die Aktion.

"Es ist an Euch, unsere Milch zu retten", appelliert ein Sender, "ihr entscheidet mit der Geldbörse."

Australiens Verbraucher gegen Chinas Marktmacht. Ökonomen haben keinen Zweifel, wie der Machttkampf ausgehen wird.

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