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StartseiteCampus & KarriereAuswahl der Plagiatoren "ist reiner Zufall"08.08.2011

Auswahl der Plagiatoren "ist reiner Zufall"

Gründer Martin Heidingsfelder verteidigt Vroni-Plag

Laut Vroni-Plag-Gründer Martin Heidingsfelder werden die Doktorarbeiten, die in seinem Wiki überprüft werden, von außen vorgeschlagen. Allerdings bestehe bei den empfohlenen Promotionen immer bereits ein Anfangsverdacht. Die Anonymität von Plagiatsjägern verteidigte er damit, dass sie einen "gewissen Schutz" biete.

Martin Heidingsfelder im Gespräch mit Manfred Götzke

Martin Heidingsfelder: "Vielleicht gibt es da eine Häufung."  (picture alliance / dpa)
Martin Heidingsfelder: "Vielleicht gibt es da eine Häufung." (picture alliance / dpa)
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Manfred Götzke: Ahnungslos gab sich ja auch jeder Promiplagiator, der dann irgendwann doch eindeutig überführt wurde, von anonymen Plagiatsjägern im Netz auf Foren wie Vroniplag zum Beispiel. Da haben sich ja monatelang nicht nur Plagiatoren selbst gefragt: Wer steckt da eigentlich hinter? Weil die meisten Plagiate ja bei FDP-Politikern gefunden wurden, haben einige schon vermutet, die Opposition steckt dahinter und will Regierungspolitiker systematisch niedermachen. Seit letztem Donnerstag wissen wir da ein wenig mehr. Der Gründer von Vroniplag, Goalgetter, hat sich geoutet. Mit Klarnamen heißt er Martin Heidingsfelder, und das hat die FDP sicher gefreut: Er ist SPD-Mitglied und wurde auch prompt von den FDPlern unter Beschuss genommen. Herr Heidingsfelder, bereuen Sie Ihr Outing schon?

Martin Heidingsfelder: Da bin ich ein bisschen ambivalent und das kann ich jetzt noch nicht abschätzen.

Götzke: Monatelang haben ja alle gerätselt, wer hinter Vroniplag steckt, warum haben Sie jetzt Ihren Namen genannt?

Heidingsfelder: Die Geschichte war folgende: Es wurde vor ungefähr zwei Wochen erstmalig mein Name im Internet dementsprechend publiziert, dass ich das bin, dementsprechend an großen Webseiten in die Kommentare reingeschrieben, im Wiki veröffentlicht, und dann bekam ich eines Tages einen Anruf von einer unbekannten Nummer und dann hieß es, sind Sie Goalgetter? Die "Bild"-Zeitung war dran und ich wusste, was die Stunde geschlagen hatte in dem Moment. Und dann habe ich sehr schnell agiert und bin dann eben über ein Medium an die Öffentlichkeit gegangen, damit war das Outing sozusagen getan.

Götzke: Warum waren Sie bis dahin anonym geblieben?

Heidingsfelder: Die Anonymität bietet bei der Tätigkeit, die wir tun, einen gewissen Schutz. Sie sehen ja aktuell, was in den Medien passiert, was über mich alles geschrieben wird, was über mich alles recherchiert wird, das ist jetzt sehr interessant und so weiter, und das hat niemand gewollt, ich selber auch nicht.

Götzke: Sie geben schon das Stichwort: Einer der von Vroniplag überführten Plagiatoren, der EU-Parlamentarier von der FDP, Jorgo Chatzimarkakis, wirft Ihnen vor, Sie hätten es vermehrt auf FDP-Mitglieder abgesehen, weil Sie persönlich SPD-Mitglied sind.

Heidingsfelder: Ja.

Götzke: Ja, was sagen Sie dazu?

Heidingsfelder: Da sage ich nur dazu, dass ich am Samstag zusammen mit der Nürnberger Vorsitzenden der FDP unterwegs war, die ebenfalls einen Doktortitel hat, die auch blond ist wie Frau Koch-Mehrin, und ich glaube, Herr Chatzimarkakis sollte sich einmal sehr genau in seiner eigenen Partei umhören, was Leute, die auf redliche Art und Weise promoviert haben, davon halten, was er so äußert.

Götzke: Trotzdem fällt es ja auf, dass unter den Plagiatoren besonders viele FDP-Mitglieder sind. Wie erklären Sie sich das denn?

Heidingsfelder: Das ist Zufall, das ist reiner Zufall. Vielleicht gibt es da eine Häufung, das mag an der Mentalität vielleicht des einen oder anderen liegen, aber auch das ist Spekulation - es ist Zufall.

Götzke: Nach welchen Kriterien wählt Vroniplag denn die Doktorarbeiten aus, die überprüft werden?

Heidingsfelder: Nach gar keinen Kriterien. Die Doktorarbeiten werden meistens von außen, oder die Fälle werden von außen vorgeschlagen, die werden allerdings vorgeschlagen mit einem Anfangsverdacht. Das heißt, da hat jemand was gefunden und dann wird erst geschaut, findet man da noch mehr. Die Vorschläge kommen meist von außen, es ist nicht so, dass die Entdeckungen alle von den Leuten im Wiki gemacht werden.

Götzke: Und dass das dann vermehrt FDP-Mitglieder waren, das war Zufall, sagen Sie?

Heidingsfelder: Zufall, ja.

Götzke: Haben Sie denn auch schon SPD-, Grünen-Mitglieder überprüft, die Doktorarbeiten von Mitgliedern dieser Parteien?

Heidingsfelder: Also, von den Grünen ist mir jetzt nichts bekannt, ich kriege aber auch alles nicht mit, weil ja jeder auch ein bisschen für sich arbeitet, in Sachen SPD habe ich mir selber schon ein paar Arbeiten angeschaut, ich hoffe, meine Parteifreunde nehmen mir das nicht übel, aber das habe ich gemacht. Da nenne ich natürlich keine Namen und so ist es halt.

Götzke: Was hat Sie denn persönlich dazu bewogen, Vroniplag zu gründen?

Heidingsfelder: Das war, das ist auch mehrfach beschrieben worden, die Situation, dass man halt sehr intensiv bei GuttenPlag gearbeitet hat, um diesen Fall noch ordentlich zu dokumentieren. Und dann kam zufällig der Fall ins Gespräch und es wurde eine Entscheidung getroffen, dass GuttenPlag GuttenPlag ist und dass das nicht auf GuttenPlag stattfinden soll. Und der Fall lag sozusagen vier Tage da rum in meinem Benutzerraum bei GuttenPlag und dann habe ich allerdings irgendwann gesagt, na ja gut, dann muss ich halt jetzt irgendwie Initiative ergreifen, weil ich möchte diesen Fall machen, und habe dann eben ein neues Wiki gegründet. Mit Unterstützung aber auch von Leuten, die dann gleich die Technik und so weiter und die Sachen eben da dementsprechend gelegt haben, damit man dann das Arbeiten anfangen kann.

Götzke: Sie haben vorhin schon angesprochen, dass Anonymität eigentlich das Gebot bei Vroniplag sei. Wie ist das in der Community angekommen, dass Sie sich jetzt geoutet haben?

Heidingsfelder: Das ist wie bei allen Dingen sehr gemischt und sehr heterogen, manche finden es gut und manche finden es nicht so gut, das wird sich jetzt erst zeigen, ob das für die Sache gut oder nicht so gut war.

Götzke: Was würden Sie denn den anderen Mitgliedern empfehlen, sollten sie sich auch öffentlich bekennen und ihre Klarnamen nennen?

Heidingsfelder: Das muss jeder für sich selber wissen, da kann ich niemandem eine Empfehlung geben. Weil jede Situation ist anders und wer das tun möchte, der mag es tun.

Götzke: Kommen wir noch mal auf den Gegenstand Ihrer Arbeit zurück: Wann können wir wieder mal mit spektakulären Veröffentlichungen rechnen?

Heidingsfelder: Ob sie spektakulär sind, ist eigentlich unwichtig. Es wird weitere Fälle geben, wann, weiß man aber nicht.

Götzke: Das heißt, Sie haben schon noch die eine oder andere Doktorarbeit von prominenten Politikern vor sich liegen?

Heidingsfelder: Keine Aussage!

Götzke: Herr Heidingsfelder, wie hat die Arbeit von Vroniplag und den anderen Plattformen die Wissenschaft verändert, also wie geht die Wissenschaft aus diesen ganzen spektakulären Fällen raus?

Heidingsfelder: Die Diskussionen sind sehr umfangreich, die Universitäten beschäftigen sich mit der Problematik. Ich habe auch Mails aus Wissenschaftlerlisten, wo das thematisiert wird. Es bewegt sich gewaltig was, aber es bewegt sich jetzt noch in der, sagen wir mal, Internetsphäre und der Blätterwald rauscht wegen jetzt dem einen oder anderen Fall. Letztendlich muss wissenschaftspolitisch mittelfristig jetzt irgendwas geschehen, aber auch dort sieht man, dass die Aktivitäten so langsam in Gang kommen. Und es macht auch froh, dass es da dementsprechende Entscheidungen gibt, um eben, sagen wir mal, die Quote der Plagiate in der Zukunft etwas oder deutlich zu senken.

Götzke: Goalgetter, der Gründer des Plagiatsportals Vroniplag, hat sich geoutet, er heißt Martin Heidingsfelder. Ich danke Ihnen für das Gespräch!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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