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Auto-Messe in Shanghai
Deutsche Marken kämpfen um chinesischen Markt

Shanghai öffnet die Tore für die wichtigste Automesse in China. Doch die Vorzeichen sind alles andere als gut. Experten gehen von einem deutlichen Rückgang der Nachfrage aus. Auch die deutschen Automobil-Konzerne müssen überzeugen, um ihre Marktanteile zu behaupten.

Von Silke Hahne | 16.04.2019

15.04.2019, China, Shanghai: Ein Arbeiter steht in der Nähe von gedeckten Fahrzeugen in einer Halle der Auto Shanghai 2019. Foto: Ng Han Guan/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Vorbereitungen auf die Auto-Show in Shanghai - die deutschen Hersteller wollen überzeugen (AP)
Aufstehen, Staub abklopfen, weitermachen – nach den jüngsten Nachrichten in Sachen Abgasskandal kurz vor dem Start der Messe in Shanghai, üben sich die Autohersteller zum Auftakt wieder in Optimismus. Auch wenn der chinesische Markt dazu zuletzt nicht viel Anlass gab: Im vergangenen Jahr ging der Absatz das erste Mal seit über 20 Jahren zurück, um knapp vier Prozent.
Nachfrage geht zurück
Die Entwicklung setzte sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres fort. Das räumt auch Bernhard Mattes vom Verband der Automobilhersteller ein. Aber:
"Die deutsche Hersteller, insbesondere die Premiumhersteller, konnten sich aber sehr gut behaupten, haben Marktanteil und Volumen gesteigert, von daher gehen wir auch in das Jahr 2019 optimistisch herein. Wir sehen für das Gesamtjahr die Gesamtnachfrage auf Vorjahresniveau."
VW mit Schwierigkeiten
Schwieriger als die sogenannten Premiummarken wie BMW oder Mercedes hat es Volkswagen. Denn die Wolfsburger verkaufen in China auch Massenmodelle. Vier von zehn Autos werden in China verkauft, bei der Kernmarke VW ist es sogar beinahe jedes zweite Auto. Entsprechend hart für sie der Dämpfer: Im März gingen die Verkäufe um zehn Prozent zurück. Das sei aber nur die kurzfristige Perspektive, so Konzernchef Herbert Diess. Langfristig soll VW sogar noch chinesischer werden.
"Weil China sich wandelt von einem Markt, den wir bisher mit europäischer Technologie versorgen – in Zukunft – zu mehr einem Markt, der auch die Technologie treiben wird. Wir werden daran teilnehmen und deswegen bauen wir unsere Aktivitäten in der Forschung und Entwicklung hier aus."
Die deutschen Konzerne müssen innovativer werden
China ist die Zukunft, das ist die allgemeine Nachricht der Messe. Die Trends heißen Künstliche Intelligenz, Vernetzung, Sprachsteuerung, kurzum: So viel digitale Bequemlichkeit für Nutzer, wie es eben geht. Etwas, das zum Beispiel dieser chinesische Messebesucher bei deutschen Herstellern noch vermisst:
"Chinesische Hersteller bauen eine Menge gute Assistenz- und Unterhaltungssysteme in ihre Autos ein. Die deutschen Hersteller hinken da noch ein bisschen hinterher. Was Sprachsteuerung angeht zum Beispiel: Da sind chinesische Anbieter führend."
E-Mobilität im Focus
Der Nachholbedarf besteht aber auch in Sachen Batterie-Autos – ein Marktsegment, das entgegen dem allgemeinen Trend auch im letzten Jahr gewachsen ist. Hier haben VW, BMW, Daimler und Co. nur einen Marktanteil von mickrigen 0,4 Prozent, bei Verbrennern ist es mehr als ein Viertel.
Die staatlich auferlegte Quote – zehn Prozent der verkauften Autos müssen elektrisch angetrieben sein – erfüllen sie bisher nur mit aufladbaren Hybridautos, so der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.
"Die verkauft man sehr gut. Die sind erlaubt in China, werden angerechnet auf die Elektroautoquote. Also man versucht sich in diesem Jahr damit rüber zu retten."
Ende der staatlichen Förderung in Sicht
Die besten Jahre, um staatliche Subventionen abzugreifen dürften jedoch just vorbei sein, wenn auch die deutschen Hersteller ihre Batterie-Autos hier auf den Markt bringen: Zuletzt hatte die Regierung angekündigt, die Förderung stark einzustreichen: Weniger Autos werden gefördert, der Zuschuss für Elektroautos mit mindestens 400 Kilometern Reichweite wird zudem bis Ende Juni halbiert.
Nach 2020 soll das Förderprogramm dann ganz auslaufen. Zwar könnte die gerade abgesenkte Mehrwertsteuer die chinesische Konjunktur wieder ankurbeln. Genauso eine mögliche Einigung im Handelsstreit mit den USA. Um die 2020 auf zwölf Prozent steigende Zwangsquote für Verkäufe zu erfüllen und ihre Marktanteile zu halten, müssen die Autobauer aber vielleicht ihre Preise in China senken.