Montag, 15. April 2024

Archiv


Bachelor macht unglücklich

Zu hohe Anforderungen und nur drei Jahre Zeit bis zum Abschluss: Das Bachelor-Studium macht viele Studierende fertig. Das Diplom-Studium sei viel selbstbestimmter gewesen, sagt die Psychologin Monika Sieverding. Der Eigenantrieb würde durch das verschulte System völlig abgewürgt.

Monika Sieverding im Gespräch mit Jörg Bieseler | 30.05.2013
    Jörg Biesler: Der Bachelor macht unglücklich, das ist ja jedenfalls das Gefühl, das viele Studentinnen und Studenten haben. Alles zu eng, keine Zeit, zu viel zu tun. Stimmt so nicht – sagen einschlägige Studien, die die Arbeitsbelastung im Bachelor-Studium untersucht haben. Die seien nämlich gar nicht so viel höher als im Diplom. Die Psychologin Monika Sieverding von der Universität Heidelberg hat zusammen mit Kolleginnen und Kollegen erforscht, woran Stress und Unzufriedenheiten im Bachelor dann tatsächlich liegen. Guten Tag Frau Sieverding.

    Monika Sieverding: Ja guten Tag, Herr Biesler.

    Biesler: Woran liegt's?

    Sieverding: Es liegt nicht an den Stunden, die die Studierenden pro Woche arbeiten, sondern es liegt daran, dass die Studierenden im Bachelor-Studium deutlich höhere Anforderungen haben, mehr Leistungs- und Prüfungsdruck in kürzerer Zeit haben, und dass sie geringere Entscheidungsfreiräume haben. Wir haben das untersucht anhand eines Modells, das sich in der Arbeitspsychologie sehr bewährt hat, das Demand-Control-Modell des Soziologen Robert Karasek, das gibt es seit Ende der 70er-Jahre. Man kann mit dem Modell erklären, warum Menschen auf bestimmten Arbeitsplätzen krank werden. Wenn sie also zu viel unter Zeitdruck arbeiten müssen, wenn die Belastung zu groß ist und wenn sie auf der anderen Seite zu wenig bestimmen können, was sie wann wie arbeiten.

    Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

    Das vollständige Gespräch mit Monika Sieverding können Sie mindestens bis zum 30. Oktober 2013 in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.