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Bachelor und Master auch für die Physik

Kate Maleike: Die beiden Studienabschlüsse Bachelor und Master - die wollen und sollen auch die Physiker in Deutschland einführen. Klar, den Bologna-Zug in Richtung Internationalisierung und gemeinsamen Hochschulraum Europa wollen sie natürlich nicht verpassen, aber die Entscheidung für Bachelor und Master hat etwas länger gedauert. Erst im März hat sich die Deutsche Physikalische Gesellschaft, kurz DPG, dazu bekannt. In dieser Woche gab es dazu in Bonn eine Art Findungskonferenz, auf der Delegierte aller rund 60 Physikfachbereiche sich darüber verständigen wollten, welche Inhalte denn nun mit diesen beiden neuen modularisierten Studiengängen verknüpft werden. Dr. Knut Urban ist der Präsident der DPG. Guten Tag, Herr Urban.

Moderation: Kate Maleike |
    Knut Urban: Guten Tag, Frau Maleike.

    Maleike: Worauf haben sich denn nun die Delegierten verständigt? Wie sollen Bachelor und Master in der Physik aussehen?

    Urban: Wir haben uns darauf verständigt, dass wir Punktzahlen festlegen, dass wir Studieninhalte festlegen, die im Großen und Ganzen mit den Vorgaben der Kultusministerkonferenz übereinstimmen und die damit eine Mobilität der Studenten während ihres Studiums möglich machen. Das heißt, man kann einen Teil des Studiums in Spanien oder in England und dann in Deutschland absolvieren, und man kann auch Fächerkombinationen machen, die bisher nicht möglich waren. Zum Beispiel, dass man einen Bachelor in Physik macht und dann einen Master in Biologie oder in Jura, wenn man zum Beispiel Patentanwalt werden will.

    Maleike: Das heißt also, die Fachbereiche haben - wenn man das so salopp formulieren darf - den Frieden geschlossen mit Bachelor und Master? Oder gab es doch noch Kritikpunkte, wo man gesagt hat: Das ist eine Entwicklung, die ist eigentlich bei unserer Disziplin nicht gut?

    Urban: Es ist natürlich so, dass mit der Umstellung Änderungen verbunden sind, wo man immer etwas aufgibt, das durchaus Qualität hat. Aber man bekommt eben eine neue Qualität. Das ist in diesem Fall nicht nur die Mobilität. Man bekommt auch - was in Deutschland wichtig ist - eine Studienzeitverkürzung. Das ist überall sehr deutlich gesehen worden, dass man die Möglichkeit aufgreifen sollte, hier jetzt neue Strukturen zu schaffen und zwar gemeinsam zu schaffen. Natürlich gab es auch hier Stimmen, die eben reichten vom Nicht-mitmachen-wollen bis zu den Stimmen der Pioniere, die bereits jetzt dabei sind, solche Studiengänge in ihrer Universität einzurichten. Aber entscheidend ist, dass jetzt gerade vor etwa einer halben Stunde diese Empfehlungen - die die Deutsche Physikalische Gesellschaft ja zusammengibt mit der Konferenz der Fachbereiche Physik, in der alle Physikfachbereiche in Deutschland drin sind - ohne Gegenstimme verabschiedet worden sind, was allgemein als eine sensationelle Entwicklung empfunden wurde.

    Maleike: Wie sehen die Empfehlungen kurz zusammengefasst aus?

    Urban: Die Empfehlungen sehen so aus, dass man zunächst ein Studium zum Bachelor hat, das sechs Semester dauern soll. In diesem Studium soll wissenschaftsorientiert vorgegangen werden. Das heißt, man wird nach allen Kräften versuchen diese Bachelor mit den wichtigsten Grundlagen der Physik auszurüsten. Anschließend wird eine Physik-Abschlussarbeit gemacht, die etwa zwei Monate dauern soll, und dann sind die Bachelor eigentlich berufsqualifiziert nach den Richtlinien der EU, was immer das auch bedeuten mag. Darüber gibt es noch Meinungsverschiedenheiten. Anschließend kann man noch einen Masterstudiengang machen. Das ist ein Aufbaustudium, das dann auch zum wissenschaftlichen Arbeiten befähigen soll. Das sind vier Semester; und da gibt es nun Abweichungen der Physiker von den Vorgaben der Kultusministerkonferenz. Wir sind der Meinung, dass wir selbständiges, praxisorientiertes, strategisch bestimmtes Arbeiten in einer Arbeit vermitteln können, die etwas länger dauert, als das, was die KMK vorgeschrieben hat. Wir möchten gerne ein Dreivierteljahr für diese Arbeit haben; jetzt dauert die Diplomarbeit zum Beispiel etwa zwölf Monate. Dort werden wir sehen, ob wir genügend gute Argumente haben, um die Kultusminister davon zu überzeugen, dass wir drei Monate mehr haben wollen.

    Maleike: Wir hatten vorhin einen Beitrag - den haben Sie leider nicht hören können - über die International University in Bremen, die gerade heute ihre Absolventen verabschiedet. Das sind Bachelor, und die haben allesamt Probleme auf dem Arbeitsmarkt, weil die großen Firmen nach wie vor noch auf das Diplom setzen. Befürchten Sie das auch für die Physik?

    Urban: Ich denke, dass das schon zu befürchten ist - zumindest in einer Übergangsphase. Zunächst ist es so, dass wir in Deutschland ja im internationalen Vergleich, besonders im europäischen Vergleich, weit weniger Physiker und Ingenieure ausbilden, als das im europäischen Durchschnitt der Fall ist. Das heißt, wir haben bereits jetzt einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften auf diesen Gebieten. Man fürchtet natürlich, dass die Vorgabe, die es im Moment häufig in den Ländern gibt, dass etwa 70 bis 80 Prozent der Physiker in Zukunft als Bachelor abgehen sollen, vom Arbeitsmarkt so nicht aufgenommen wird. Das heißt, dass die Unternehmen sagen, wir wollen voll qualifizierte Kräfte haben und die auch entsprechend bezahlen - das ist auch ein ganz wichtiger Punkt - während eben die Politik sagt: Wir möchten möglichst viele, möglichst schnell in das Arbeitsleben bringen. Da wird man sehen müssen, wie sich das dann in der Praxis auswirkt.

    Maleike: Bachelor und Master soll es nun auch im Physikstudium geben. Entsprechende Empfehlungen wurden jetzt auf einer Konferenz in Bonn verabschiedet. Dr. Knut Urban war das, der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.