
393 Menschen sind 2025 in Deutschland beim Baden nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ertrunken. Die Häufigkeit tödlicher Badeunfälle steigt mit den Temperaturen. In den heißen Monaten gehen mehr Menschen baden – und damit nimmt dann auch die Zahl der Todesfälle zu.
Rund 82 Prozent der Ertrunkenen waren 2025 männlich. Badeverbote an unbeaufsichtigten Stellen von Seen oder wegen gefährlicher Strömungen an Flüssen gibt es vielerorts, doch wie hilfreich sind sie? Warum lassen sich Menschen immer wieder auf Risiken ein?
Gefährlich: Hitze, Alkohol und kühles Wasser
Bei tödlichen Unfällen sei oft Alkohol im Spiel, sagt DLRG-Bezirksleiter Julian Meixner. Wenn man bei hohen Temperaturen lange in der Sonne liege, Bier trinke und dann ins kalte Wasser gehe, könne der Kreislauf zusammenbrechen. Das könne zu Bewusstlosigkeit führen oder zu einer allgemeinen Schwäche. Selbst einigermaßen gute Schwimmer seien dann nicht mehr in der Lage, sich über Wasser zu halten.
Badeverbote sind schwer durchzusetzen An Flüssen und Seen gibt es an vielen Stellen Badeverbote, weil unbeaufsichtigte Badestellen Gefahren bergen. Seit August 2025 gilt etwa entlang des Rheinufers von Köln über Düsseldorf und Duisburg bis hin nach Kleve im Norden ein Badeverbot. Doch nicht alle halten sich daran. Selbst hohe Bußgelder scheinen keine abschreckende Wirkung zu haben.
Strömung: Auch nah am Ufer müssen Badende aufpassen
Badeverbote sorgen für mehr Arbeit bei den kommunalen Ordnungsdiensten und bei der Polizei. Das Verbot muss kontrolliert, Verstöße müssen protokolliert und Bußgeldbescheide verschickt werden. Dafür gibt es nicht immer genug Personal.
Auch am “Paradiesstrand” in Düsseldorf ertranken mehrere Menschen im vergangenen Sommer. Die Menschen unterschätzten die Kraft der Strömung besonders in den ufernahen Bereichen, sagt Meixner. Wer den Halt im Wasser verliere, werde schnell in die Hauptströmung gezogen. Deren Geschwindigkeit habe vier bis acht km/h, bei Hochwasser auch mehr. Gegen solche Geschwindigkeiten könnten auch gute Schwimmer nicht mehr ankämpfen.
Junge Männer überschätzen oft ihre Fähigkeiten
Das Wissen um die eigenen körperlichen Fähigkeiten sei insgesamt schlechter geworden, sagt der Sportpsychologe Jens Kleinert. Kleinert forscht an der Sporthochschule Köln zu Motivation, Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft, also auch zu der Frage, wie realistisch Menschen sich selbst einschätzen.
Männer und Jungen seien in vielerlei Hinsicht mutiger als Frauen und Mädchen, sagt Kleinert. Sie glauben, mehr zu können, neigen also tendenziell zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten. Auch wenn es zum Schwimmen keine entsprechenden Untersuchungen gebe, sei das ein Erfahrungswert, so Kleinert.
Grundsätzlich gelte, dass man lernen müsse, die eigenen Fähigkeiten selbst gut einzuschätzen. Beim Thema Schwimmen fehle dieses Wissen in der Bevölkerung mehr als früher, hat Kleinert beobachtet.
Der Schwimmunterricht kommt zu kurz
Wenn der aktuelle Trend beim Schwimmunterricht in den Schulen anhält, wird dieses Wissen auch in Zukunft fehlen: Bei einer Anhörung im Bundestag Anfang 2026 erklärte der Deutsche Schwimmverband (DSV), dass jedes Jahr 500.000 Kinder die Grundschule verließen, ohne schwimmen zu können. Das seien auch infrastrukturelle und personelle Spätfolgen der Corona-Lockdowns, sagen Experten.
Eine Schwimmhalle für knapp 200.000 Menschen
Im Kreis Märkisch-Oderland, mit einer Bevölkerung von knapp 200.000 Menschen, gibt es beispielsweise nur ein öffentliches Hallenbad – in Strausberg. Von überall her kämen die Leute zum Schwimmen nach Strausberg, sagt Rettungsschwimmer Mohannad Hassoun: Vereine, Polizei, Bundeswehr. Und natürlich Schulklassen.
Doch weil es auch noch öffentliche Schwimmzeiten für alle gebe, müssten die Klassen im eng getakteten Plan der Schwimmhalle erst einmal eine Lücke finden. Schulischer Schwimmunterricht ist vielerorts nur in Hallenbädern erlaubt.
In vielen Kreisen und Kommunen Deutschland sieht es ähnlich aus. Oft kämen Kinder während ihrer gesamten Schulzeit nicht einmal in Kontakt mit dem Medium Wasser, bemängelt Jens Kleinert. Für eine ausreichende Aufsicht beim Schwimmunterricht arbeiteten Lehrkräfte oft mit Bademeistern zusammen.
Doch weil Organisation und Anfahrt zu den Schwimmhallen oft aufwändig seien, werde der Schwimmunterricht nicht selten hintangestellt, auch wenn er im Lehrplan stehe. All dies erschwere es Kindern, schwimmen zu lernen, kritisiert der Sportpsychologe.
Radiobeitrag und Recherche: Vivien Leue und Grit Eggerichs / Onlinetext: Rade Janjusevic












