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StartseiteCampus & Karriere"Balance zwischen grundfinanzierter und drittmittelfinanzierter Wissenschaft"05.07.2012

"Balance zwischen grundfinanzierter und drittmittelfinanzierter Wissenschaft"

Peter Strohschneider wird neuer Präsident bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Der künftige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Peter Strohschneider, will Gesellschaft und Wissenschaft wieder stärker zueinander bringen. Der Germanist sagte weiter, dass eine tragfähige Basis der Grundfinanzierung insbesondere universitärer Forschung" angestrebt werden sollte.

Von Jürgen König

Prof. Dr. Peter Strohschneider, gewählter DFG-Präsident, Amtsantritt: 01.01.2013 (Wissenschaftsrat)
Prof. Dr. Peter Strohschneider, gewählter DFG-Präsident, Amtsantritt: 01.01.2013 (Wissenschaftsrat)
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Das "Herzstück des Wissenschaftssystems" seien die Universitäten, sie gehörten bei den kommenden Diskussionen über die Strukturen und die Finanzierungsformen des deutschen Wissenschaftssystems, über neue Rahmenbedingungen und Kooperationsmöglichkeiten: in den "Mittelpunkt aller Überlegungen" - sagt Matthias Kleiner, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, DFG. Wenn es zur Änderung des Grundgesetzes komme, die es dem Bund in Zukunft erlauben soll, auch Einrichtungen der Wissenschaft und Forschung an Hochschulen dauerhaft zu fördern, dann müsse sehr darauf geachtet werden, dass bei den geplanten Kooperationen nicht die außeruniversitären Forschungseinrichtungen, sondern die Hochschulen das Sagen haben.

"Also ich glaube sehr daran, dass, wenn man die Hochschulen, die Universitäten als Herzstück des Wissenschaftssystems sieht, dann muss man, wenn man an neue Kooperationsformen denkt, im Blick haben, wer entwickelt diese Kooperationsformen im Einzelnen, wie sind die Finanzierungsmechanismen, denn wir wissen alle: diejenigen, die dann Empfänger von Förderung sind und Sprecher, Koordinator solcher Verbünde, haben am Ende das Sagen."

Eine bessere finanzielle Grundausstattung der Universitäten hält Matthias Kleiner für dringend nötig. Die kritischen Töne aus den Universitäten über wachsenden "Wettbewerbsdruck und Drittmittelzwang" dürften nicht überhört werden: Die Länderfinanzierungsmöglichkeiten müssten endlich verbessert werden; auch Studienbeiträge könnten - in Kombination mit einem leistungsfähigen Stipendiensystem hilfreich sein. Eine Mehrwertsteuererhöhung von ein Prozent, rechnet Matthias Kleiner vor, könnte zehn Milliarden Euro für das Bildungssystem erbringen - wie beim früheren "Kohlepfennig" könnten die Bürger jetzt in die Ressource Bildung investieren.

Man müsse die "Balance zwischen grundfinanzierter und drittmittelfinanzierter Wissenschaft, Forschung und Lehre" wieder herstellen, sagt auch Peter Strohschneider, der auf der Jahrestagung der DFG zum Nachfolger Matthias Kleiners gewählt wurde.

"Die Balance wieder herzustellen heiß: eine tragfähige Basis der Grundfinanzierung insbesondere universitärer Forschung. Im außeruniversitären Forschungsbereich ist das anders: da wird die Bedeutung einer tragfähigen Grundfinanzierung ist sie erstens sozusagen politisch anerkannt und zweitens de facto gegeben. Im universitären Bereich eine tragfähige Grundfinanzierungsbasis wieder herzustellen, weil das die Voraussetzung dafür ist, dass der wettbewerbliche Drittmittelfinanzierungsanteil, für den die Deutsche Forschungsgemeinschaft maßgeblich verantwortlich ist: dass der seine forscherliche Produktivität entfalten kann."

Ein Höhepunkt der DFG-Jahrestagung war die Rede von Bundespräsident Joachim Gauck. Er forderte die Wissenschaftler auf, sich in die öffentlichen Debatten stärker einzumischen und: ihre Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit in verstehbarem Deutsch nahezubringen. Die Rede, so Matthias Kleiner, sei "sehr positiv" aufgenommen worden.

"Eine Bildungsrepublik, das heißt doch, dass wir alle uns stärker engagieren müssen. Dass Wissen und Wissenschaft und Forschung in alle Bereiche der Gesellschaft stärker eindringen muss. Dass die Medien nicht nur stärker über Wissenschaft berichten, sondern auch gleichsam Wissenschaft hineinziehen in ihr Tun: ich vermisse zum Beispiel Wissenschaftler in den Talkshows, die heutzutage doch sehr stark meinungsbildend sind, ich denke, die Politik muss noch stärker von der Wissenschaft beraten werden, und das heißt denn auch wiederum, dass Wissenschaft stärker Mut haben muss, Position zu beziehen."

Mehr Mut, mehr Geld, mehr Verständlichkeit, die Universitäten als "Herzstück" der Wissenschaftssystems: Peter Strohschneider nimmt all das sportlich und "freut sich auf die Herausforderung" - am 1. Januar wird er sein Amt antreten.

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