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Bald ist Winteranfang
Die Sonne ganz oben

In unseren Breiten erreicht die Sonne im Sommer mittags eine Höhe von rund 65 Grad. Senkrecht am Himmel kann sie nur in den Gegenden zwischen den Wendekreisen stehen - und auch da kommt jeder Ort nur an bestimmten Tagen in den Genuss des senkrechten Sonnenstandes.

Von Dirk Lorenzen | 13.12.2015

Nahe dem südlichen Wendekreis steht die Sonne jetzt mittags im Zenit
Nahe dem südlichen Wendekreis steht die Sonne jetzt mittags im Zenit (Stellarium)
Die meisten Tage mit der Sonne im Zenit gibt es nicht am Äquator, sondern an den Wendekreisen. Auf dem südlichen Wendekreis liegt Sao Paulo in Brasilien.
Die Menschen dort erleben nun für gut zwei Wochen, dass sie mittags keine Schatten werfen - denn das Sonnenlicht kommt von ganz oben.
Zwar ist erst in mehr als einer Woche Wintersonnenwende, zu der die Sonne theoretisch genau über dem südlichen Wendekreis steht. Tatsächlich aber scheint sie auch heute schon mittags aus dem Zenit auf die Menschen herab.
Das liegt daran, dass sich in diesen Wochen die Lage der Sonne am Himmel nur minimal verändert. Weil aber die Sonne eine recht ausgedehnte Lichtquelle ist, berührt sie mittags immer den Zenitpunkt.
Auch wir merken, dass die Sonne fast schon so tief wie möglich steht. Die Tageslänge hat bereits nahezu den kürzesten Wert erreicht und ändert sich kaum noch.
Den Äquator kreuzt die Sonne zweimal im Laufe eines Jahres, jeweils zu Frühlings- und Herbstanfang. Aber dann verändert sie ihre Höhe am Himmel so rasant, dass sie bestenfalls zwei Tage nacheinander von ganz oben herab scheint.
Während in unseren Breiten die Sonne derzeit mittags gerade einmal zwischen zwölf und zwanzig Grad hoch steht, erleben Sao Paulo und die anderen Orte am südlichen Wendekreis zwei Wochen lang senkrechte Mittagshitze.