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StartseiteCorsoLauter Protest gegen Rechts09.01.2016

Banda InternationaleLauter Protest gegen Rechts

Seit Jahren spielt die Banda Comunale in Dresden bei Anti-Nazi-Demos und gibt Willkommenskonzerte für Asylbewerber. Jetzt hat sich die Gruppe zur Banda Internationale weiterentwickelt. Sie spielt nicht nur vor, sondern auch mit Flüchtlingen.

Eine Collage von Bastian Brandau

Zu sehen ist eine Menschenmenge, es ist Abend, im Hintergrund sieht man die Semperoper, die erleuchtet ist. (picture-alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Proteste gegen Pegida & Rassismus in Dresden - auch die Kultur macht mit im Kampf gegen Rechts (picture-alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
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"Dresden hat einen schlechten Ruf momentan, kein Zweifel. Pegida ist das Stichwort, das wohl den meisten sofort einfällt. Montag für Montag gehen Menschen auf die Straße, mit Hetzparolen gegen den Islam und Asylsuchende. Darunter leidet auch die Kultur in Dresden, die sich aber auch wehrt. Es gibt Theaterstücke über Pegida, Zusammenarbeit mit Geflüchteten im Theater und auch musikalisch. Die Blaskapelle Banda Comunale spielt bei Anti-Nazi-Demos, und hat auch Konzerte in Erstaufnahme-Einrichtungen gegeben. Nun hat die Band ihren musikalischen Horizont erweitert und Neu-Musiker aufgenommen – Geflüchtete. Seit einigen Monaten probt man, arrangiert Stücke neu. Und plant eine CD unter dem neuen Namen "Banda Internationale". Bastian Brandau hat bei einer Probe vorbeigeschaut."

"Mein Name ist Martin, ich spiele Posaune, seit 15 Jahren in der Banda Comunale, aus der das Projekt entstanden ist. Wir haben uns gesagt, wir nehmen Musiker auf aus anderen Ländern. Wir haben schon immer Musik aus vielen Ländern gemacht. Und jetzt sind viele neue Leute da, die laden wir ein, um mit uns Stücke zu spielen."

"Wir haben gezielt nach Musikern gesucht, haben Handzettel verteilt, in allen verschiedenen Sprachen, und dann haben sich Leute gemeldet, die jetzt hier schon dabei sein."

"Hello my name is Qutaiba, I am from Palestina and I play snare with the band."

"Ich habe die Jungs im Flüchtlingsheim getroffen, sie haben von diesem Projekt erzählt, es ist sehr angenehm mit ihnen. Und ich treffe hier Menschen, denen es wie mir geht."

Wir sprechen alle eine Sprache - die der Musik

"Bei Banda Comunale und Banda Internationale sind mehr als 20 Musiker, wir kommen aus mehr als zehn Ländern. Alle sprechen eine Sprache, die der Musik. Fast die ganze Welt in einem Raum. Das ist sehr angenehm."

"Also wir waren vorher eine reine Blaskapelle, jetzt haben wir einen neuen Sound. Wir haben jetzt Sänger dabei, neue Gitarren und eine Oud. Zwei Ouds!"

"My name is Hamid, I am from Iran.  I play the guitar, classical guitar and that’s it. That’s me."

"Feeling alive. When I play, I feel alive."

"Ich bin Michal, ich spiele hauptsächlich Klarinette."

"Wir spielen Hochzeiten, Geburtstage und Stadtfeste. Und eigentlich ist das vorrangige Ziel, die Jungs, und Mädels auch bald hoffentlich, dahin mitzunehmen. Also die integrative Arbeit erfüllt sich dann in so einem Auftritt auf irgendwo einer Hochzeit auf irgendeiner Party, wo die Leute dann merken: Ja, es hat sich was geändert, aber es klingt geil. Es ist eine Bereicherung."

Pegida bleibt draußen

"Ich bin Arne, ich spiele Schlagzeug, seit über sechs Jahren dabei. Wenn wir hier sind, bleibt Pegida draußen. Was natürlich vorkommt, wenn wir uns montags mit geflüchteten Mitgliedern der Band treffen wollen, trauen sich viele nicht. Also da hat man das Problem, dass viele Flüchtlinge montags gar nicht aus dem Haus gehen."

"Wir hängen hier ab mittlerweile mit 25 Leuten, und dann kommt der Montag und dann denkt man: Was wollen die eigentlich, worum geht’s? Guckt euch die mal an. Der Hamid, der schnappt sich die Gitarre und los geht’s. Und danach hat man sich auch schon ein bisschen verstanden. Man kommt sich näher, es ist egal, ob das Musik ist oder Klettern. Aber die meisten Leute verweigern den Kontakt. Das ist etwas, was man hier scheinbar nicht gelernt hat."

"First of all music is universal language. That’s it."

"Musik ist die Sprache, die wir alle verstehen, wir brauchen hier keine andere Sprache. Außerdem sind die Jungs wie Martin und Michal sehr cool und offen. Deswegen kann sich jeder hier wohlfühlen und wachsen und hat sofort seinen Platz in der Gruppe."

"Dann haben wir halt eine gemeinnützige Stiftung gefunden, die uns jetzt unterstützt oder trägt und haben das Projekt, ich würde sagen, recht professionell in Dresden angesiedelt. Es wird sich zeigen, was in dem nächsten halben Jahr entstehen wird und wo die Reise hingeht, das wissen wir auch noch nicht."

"Music is my heroine, I need my heroine."

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