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StartseiteSport am WochenendeAlba gegen Bayern "immer ein sehr geiles Spiel"16.06.2019

Basketball-Playoff-FinaleAlba gegen Bayern "immer ein sehr geiles Spiel"

Alle fünf Playoff-Duelle der letzten Jahre haben die Bayern-Basketballer gegen Alba Berlin für sich entschieden. Alba-Profi Niels Giffey verschwendet vor dem Meister-Showdown keinen Gedanken daran: "Wir haben den Kern der Mannschaft zusammenhalten können. Das macht einen großen Unterschied", sagte Giffey im Dlf.

Nils Giffey im Gespräch mit Marina Schweizer

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Basketball-Profi Niels Giffey (ALBA), mit Ball, vorne Rickey Paulding (Oldenburg) in Aktion bei den Playoffs. (imago images / Bernd König)
Alba-Profi Niels Giffey erwartete gegen Bayern München eine ausgeglichenen Finalserie (imago images / Bernd König)
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Marina Schweizer: Was erwarten Sie denn für eine Finalserie gegen die Bayern?

Niels Giffey: Einfach eine relativ ausgewogene Situation. Es stehen sich die beiden besten Teams gegenüber. Man hat es die ganze Saison hinweg gesehen. Die Teams sind keine Überraschungsmannschaften, beide Teams haben sich die Spots im Finale und damit auch in der Euroleague erarbeitet und auch verdient. Genauso wird die Serie dann auch aussehen.

Schweizer: Sie sind in die Euroleague mit reingerutscht, weil es eben eine Wildcard gab für die Bayern. Letztes Jahr sind sie noch unterlegen in der Finalserie, wie half das dieses Jahr in der Vorbereitung?

Giffey: Es ist eine Motivation zu wissen, dass wir schon in mehreren Finals gegen München standen und bisher in beiden Finals immer München gewonnen hatte – das ist schon eine Art von Motivation. Es ist natürlich auch immer ein sehr geiles Spiel – die Art von Konkurrenz. Das weiß man schon von vorne herein, wenn man in das Spiel geht.

Schweizer: Alle fünf Playoff-Duelle der letzten Jahre haben die Bayern für sich entschieden. Kriegt man das denn als Spieler so einfach aus dem Kopf?

Giffey: Jedes Jahr ist einfach anders, eine andere Situation. Im letzten Jahr hatten wir keinen konstanten Kader. In diesem Jahr ist es anders. Wir haben den Kern der Mannschaft, der letzte Saison schon da war, zusammenhalten können. Das macht einen großen Unterschied.

Wertschätzung der eigenen Alba-Talente

Schweizer: Fast der halbe Profikader bei Alba kommt aus dem hauseigenen Jugendprogramm. Sie haben selbst auch die Nachwuchsförderung zumindest noch kurz genossen. Welchen Unterschied macht es für Sie persönlich, ein Eigengewächs zu sein und auch den Unterschied erlebt zu haben, als sie auf dem College in den USA waren?

Giffey: Es gibt einem eine Wertschätzung für die Situation, in der wir jetzt sind. Dass viele aus dem Nachwuchsprogramm und viele Berliner in der Mannschaft spielen, die sich selbst hocharbeiten, dass Spieler unter 20 einfach ihre Chancen bekommen und auch täglich hart und viel arbeiten können und nicht nur ausländische Talente als relevant angesehen werden, sondern auch die Jungs aus Berlin relevant sind. Das macht ein riesen Unterschied und ist eine gute Entwicklung.

Schweizer: Würden Sie sagen, dass man als Spieler auch so eine Art Bringschuld gegenüber dem Verein empfindet, dass man da auch wirklich was reißen will, weil man auch gefördert wurde?

Giffey: Nicht wirklich. Aber ein bisschen Lokal-Patriotismus kommt da immer durch. Es ist einem einfach wichtig, dass man seine Heimat, seine eigene Flagge vertritt. Wenn man vor heimischem Publikum sagt, dann sind das wirklich Familie und Freunde aus der eigenen Stadt.

Coach Aito schafft Vertrauen

Schweizer: Bayerns Geschäftsführer Marco Pesic, der Alba wirklich sehr gut kennt, hat gesagt: Albas Stärke sei die Unbekümmertheit. Und auch Nihad Djedovic von den Bayern sagt, wenn Alba 20 Punkte hinten liegt oder 20 Punkte vorne, dann spielen sie den gleichen Basketball. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Basketball-Profi Nils Giffey (Alba Berlin) gibt Anweisungen.  (dpa / Annegret Hilse)Basketball-Profi Nils Giffey von Alba Berlin will den Meistertitel haben. (dpa / Annegret Hilse)

Giffey: Unser Coach ist die Erklärung dafür. Der hat dieses System seit zwei Jahren so integriert. Er hat wirklich ganz klar diese Vorstellung von Basketball, dass es egal ist, wie und in welcher Situation man auf dem Feld steht – du musst einfach das Spiel respektieren und den besten Basketball, in jeder Situation zu jedem Zeitpunkt, in jeder Phase der Saison spielen. Einfach das Spiel respektieren – und nicht nur, weil man 20 Punkte vorne oder hinten ist, auf einmal seinen Stil wechseln.

Schweizer: Wie hat er das denn in Sie reinbekommen? Das ist ja nicht so einfach, als Spieler die Nerven zu bewahren und nichts abzuschenken, wenn man scheinbar uneinholbar hinten liegt?

Giffey: Es ist einfach die Konstanz, mit der er arbeitet. Auch emotional. Dass er nicht auf einmal anfängt zu schreien und völlig nervös wird, wenn sich Sachen anders entwickeln. Sondern, dass er wirklich eine ganz lange Entwicklung über eine Saison sieht. Und: Auch auf eine langfristige Entwicklung Wert legt – mehr als auf ein Spiel, das am 8. Oktober stattfindet und gewonnen werden muss – egal wie. Er legt super viel Wert darauf, wie man das Spiel spielt zu diesem Zeitpunkt.

Der Titel macht den Unterschied

Schweizer: Es liegen drei Spiele vor Ihnen und Sie haben die Chance jetzt mit ihrem Team Meister zu werden. Was würde es Ihnen persönlich bedeuten?

Giffey: Mir persönlich würde es natürlich unglaublich viel bedeuten. Wir hatten letztes Jahr die Chance danach zugreifen. Wir haben es aber bisher noch nicht hinbekommen, wirklich einen Titel zu gewinnen und einfach was zu haben, was man am Ende des Tages auch anfassen und einfach an die Wand hängen kann. Das macht schon einen Unterschied.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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