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StartseiteKulturfragen"Kunst und Theater sind immer politisch"25.12.2020

Beethoven in Bagdad"Kunst und Theater sind immer politisch"

Goethes Trauerspiel und Beethovens Bühnenmusik zum "Egmont" im Irak aufzuführen, klingt verwegen. Tatsächlich hat Corona den Zeitplan des vom Goethe-Institut unterstützten Projekts durcheinandergebracht. Musiktheater-Regisseurin Astrid Vehstedt arbeitet jetzt an einem Film.

Astrid Vehstedt im Gespräch mit Martin Gerner

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Die Theater-Regisseurin Astrid Vehstedt steht vor dem National Theatre Bagdad (privat)
Am Nationaltheater in Bagdad konnte Astrid Vehstedt zuletzt im Januar 2020 am "Egmont" proben (privat)
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Die Musiktheater-Regisseurin Astrid Vehstedt hat im Dlf "großes Bedauern" geäußert, dass das Beethoven-Jahr "nicht so stattfinden konnte, wie es geplant war". Gefragt, ob sie die aktuellen Pandemie-Beschränkungen für den Bereich der Kultur als verhältnismäßig ansieht, meinte Vehstedt: "Das ist sehr schwer einzuschätzen."

Sie bedaure als Künstlerin sehr, dass zurzeit keine Theaterbesuche möglich seien. Dabei gäbe es verantwortungsvolle Hygienekonzepte. Zugleich könnten Flugreisen und Fußball-Bundesliga unverändert stattfinden. Es herrsche ein Ungleichgewicht von Lizenzen etwa zwischen Fußball-Vereinen und Theatern. Der Lockdown sei teilweise ein Problem der Kommunikation durch die Politik, die Herausforderung zugleich unglaublich groß: "Ich möchte nicht so gern derzeit in der Haut einer Politikerin in maßgeblicher Verantwortung stecken. Das sind sehr schwierige Entscheidungen, die da getroffen werden."

Weltweites Projekt "The other Beethovens"

Vehstedt ist zuversichtlich, wie geplant im kommenden Jahr die Produktion "Egmont" im Irak aufführen zu können. Die Musiktheater-Regisseurin arbeitet zurzeit mit Musikern und Darstellern in Bagdad an Beethovens Bühnenmusik "Egmont" und dem gleichnamigen Trauerspiel von Johann Wolfgang von Goethe. Das Ganze ist Teil der Reihe "The other Beethovens", die das Goethe-Institut mit Konzerten und Kunstaufführungen in und mit Asien, Afrika und Osteuropa durchführt. Die Corona-Pandemie hat die Zeitplanung auch hier durcheinandergebracht.

Was sie in Bagdad gesehen habe, habe sie sehr beeindruckt, so Vehstedt. Das Goethe-Institut habe im vergangenen Jahr erstmals eine Übersetzung von "Egmont" in Auftrag gegeben. Bereits im Januar 2020 fand ein Workshop in Bagdad dazu statt. Aufgrund des aktuellen Lockdowns arbeitet das Team zwischen Berlin und Bagdad zusätzlich an einem Dokumentarfilm, der im nächsten Jahr fertig sein soll.

Goethe ist in Bagdad kein Fremder

Sie sei sich bewusst, so Vehstedt, dass Arbeiten im Irak gefährlich sei. "Das erste Mal, als ich in Bagdad war, durfte ich mit meinem Kollegen Hans Rotman für unseren gemeinsamen Workshop nur mit einem gepanzerten Auto durch die Straßen fahren." Wichtig sei gewesen, das Land kennenzulernen und mit den Darstellern im Irak eine gemeinsame künstlerische Sprache zu entwickeln. Nach anfänglich chaotischen Proben war es "sehr berührend und erstaunlich, wie gut wir in den Workshops arbeiten konnten". Irakische Schauspieler seien "recht gut ausgebildet und verfügen oft über sehr gute Kenntnis des deutschen Theaters. Bertolt Brecht, Heiner Müller und Peter Weiss sind bekannt", so dass sich darüber sehr gute Anknüpfungspunkte ergäben.

Ob es die politische Bewegung, die vor einem Jahr im Irak mit Protesten startete, noch gibt, weiß Vehstedt nicht. Was sie gesehen habe, habe sie aber sehr beeindruckt. "Die friedliche Form der Einforderung von Rechten." Die Menschen auf der Straße hätten der Welt gezeigt, was sie wollten, aber auch, was sie könnten. Die Inszenierung von "Egmont" für die Bühne sei allerdings nicht die Verlängerung von Vorgängen auf der Straße. Zugleich ist Vehstedt überzeugt: "Kultur und Theater sind immer in irgendeiner Form politisch und waren es auch immer."

MeToo im Musiktheater

Die in Hamburg aufgewachsene Regisseurin arbeitete in den 80er-Jahren als eine von wenigen Frauen am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel unter Intendant Gerard Mortier: "Die Zeit hat mich sehr geprägt. Wie man ein großes Opernhaus künstlerisch leiten kann, wie eine große Familie." Vehstedt hat dort auch das 'Ensemble Interculturel' gegründet, das von Mortier sehr unterstützt wurde.

Auf die MeToo-Debatte angesprochen, sagt Vehstedt: "Ich habe mich nie darum gekümmert. Ich habe mich auf meine Arbeit fokussiert." Natürlich habe sie auch Mobbing erfahren. Sie habe mit 21 Jahren erstmals Stücke inszeniert und sei in ihrer Karriere von Anfang an mit dem Vorurteil konfrontiert worden, Frauen könnten nicht inszenieren. Eine ihrer erfolgreichsten Produktionen, die zu mehreren Festivals eingeladen war, sei absichtsvoll nicht weitergeführt worden.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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