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Begegnungen in der Science FictionDie Bug Eyed Monster und wir

"Die wollen uns unsere Frauen wegnehmen, diese Bug-Eyed Monster", sagt Science-Fiction-Spezialist Hartmut Kasper im Dlf. Im Büchermarkt Spezial spricht er über Ikonographie, Groschenheftchen als Debütorte großer Schriftsteller - und wer die eigentlichen Fremdkörper auf dieser Erde sind: wir.

Von Hartmut Kasper und Jan Drees | 09.05.2019

Das schwarzweiß-Bild zeigt einen Metaluna Mutanten, der einen Mann angreift
Metaluna im Angriff (picture alliance / Photoshot)
Von den Landkarten der wirklichen Welt sind sie seit geraumer Zeit verschwunden: die Monster. In der Literatur fristen sie nur noch ein metaphorisches Dasein, ein Schattendasein, zum Beispiel als Massen- oder Serienmörder. Es gibt jedoch ein Genre, in dem die Monster weiterhin lebendig sind. Als letzte Zuflucht bot sich den wahren Ungeheuern die Science Fiction an: Wenn es an eingeborenen Monstrositäten mangelte, musste man sie eben von den Sternen importieren und via Invasion einfliegen lassen. Da kamen sie also, gewaltig, eroberungslüstern, gerne animalisch: insektoid, tentakelarmig, käferäugig.
Science-Fiction-Spezialist Hartmut Kasper sagt im Dlf: "Die Science Fiction ist, neben vielem anderen, der Siegelbewahrer des Grotesken, des viel zu Großen, des viel zu Kleinen, der aus Pflanzen, Tieren und Menschenwesen gemischten Gestalt. Man denke an Titanen wie die Transformers - halb Roboter, halb PKW, oder an Däumlinge und Sub-Däumlinge wie den Superhelden Atom, den seine Hightech-Rüstung schrumpfen lässt."
Das vornehmliche Objekt der außerirdischen Begierde
Eine Verständigung mit ihnen? Ausgeschlossen! Nur ein totes Alien war ein gutes Alien. In letzter Zeit hat man entdeckt: Nicht nur der Mensch kann Monster sein, sondern das Monster menschlich. Die Entdeckungsreise in die Welt und Weltwahrnehmung dieser ganz anderen Wesen ist nicht zuletzt eine Entdeckungsreise des Menschen zu sich selbst. In dem Gespräch, das Jan Drees und Hartmut Kasper miteinander führen, wird die eigentümliche literarische Karriere der Bug Eyed Monster, der glubschäugigen Ungeheuer in der Science Fiction nacherzählt und kritisch beleuchtet. Hartmut Kasper:
"Besonders gern vergriffen sich diese Monster 'from outer Space' an menschlichen Frauen, bevorzugt an blonden und blauäugigen, wie man den Titelbildern der frühen Pulp-Magazine entnehmen kann. Da sieht man, wie die Bug-Eyed Monster ihre dürren Arme oder schleimigen Tentakel nach dem Objekt ihrer Begierde ausstrecken. Über die Absichten ist in der Tat wenig bekannt; in der Regel sprach man ja nicht mit den Invasoren. Es galt: erst schießen, dann doch nicht reden. Immerhin lieferte dieser Zugriff über die Artgrenzen hinaus den männlichen Menschenhelden beste Argumente, ihren sexuellen Besitzstand zu wahren. Ist ja noch heute in gewissen Kreisen ein durchaus beliebtes Motiv: Die wollen uns unsere Frauen wegnehmen, diese Bug-Eyed Monster - auf sie mit Gebrüll!"