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StartseiteWirtschaft und GesellschaftErstes Opfer IKB28.07.2017

Beginn der FinanzkriseErstes Opfer IKB

Nicht die Pleite von Lehman Brothers 2008 markiert den Beginn der weltweiten Finanzkrise, diese zeigte sich schon viel früher: Vor zehn Jahren gab es bereits ein erstes Krisenwochenende in Deutschland. Es ging es darum, die Industriebank IKB zu retten, die sich mit US-Hypotheken verspekuliert hatte.

Von Brigitte Scholtes

Der Schriftzug der IKB Bank an der Zentrale der Kreditbank in Düsseldorf. (dpa / Achim Scheidemann)
Beinahe-Pleite der IKB vor zehn Jahren: Als aus dem Fehlbetrag von einer Million Euro innerhalb von zehn Tagen gut eine Milliarde Euro wurden. (dpa / Achim Scheidemann)
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Am 20. Juli 2007 schien die Welt noch in Ordnung. Da gab die Mittelstandskreditbank IKB bekannt, die Unsicherheiten am amerikanischen Hypothekenmarkt hätten "praktisch keine Auswirkung", die IKB sei nur mit einem einstelligen Millionenbetrag betroffen. Dabei ging es um sogenannte "Subprime"-Kredite - gemeint sind nicht erstklassige, schlecht gesicherte Hypothekendarlehen, die schnell an Wert verloren. Denn immer mehr Hausbesitzer konnten sie nicht mehr bedienen.

In Pakete mit solchen Krediten aber hatte die bis dahin als unbescholten geltende IKB investiert, weil sie eine hohe Rendite abwarfen. Doch in den Tagen darauf spitzte sich die Situation zu, bis schließlich am Freitag, dem 27. Juli, die Deutsche Bank der IKB Kreditlinien kappte und die BaFin informierte. Axel Weber, damals noch Präsident der Deutschen Bundesbank, erinnert sich: "Wir haben das Wochenende mit dem Thema IKB verbracht. Das war für Deutschland der Beginn der Finanzkrise."

"Desaster für die IKB"

War die IKB wegen der Kündigung der Kreditlinien beinahe in die Pleite geschlittert? Gegen diesen Vorwurf verteidigte sich später deren damaliger Chef Josef Ackermann: "Wenn die Deutsche Bank nicht am Freitag auf die Problematik hingewiesen hätte und wir über das Wochenende unter der Führung des Finanzministers mit Bundesbank, BaFin, aber auch allen Bankverbänden erreicht hätten, dass wir bis Sonntagabend - glaube ich, um elf - einen Text hatten, den man bekannt geben konnte und der gezeigt hat, dass dieses Problem aufgefangen wird, hätten wir am Montag, weil sich schon die ersten Gerüchte an den internationalen Märkten übers Wochenende abzeichneten, größte Verwerfungen im deutschen Markt vorgefunden."

Das Ergebnis dieses Krisenwochenendes wurde dann an diesem Montag, dem 30. Juli bekannt: Aus dem Fehlbetrag von einer Million Euro war innerhalb von zehn Tagen gut eine Milliarde geworden. Die Staatsbank KfW, die mit 38 Prozent an der IKB beteiligt war, gewährte ihr eine Kreditlinie von gut acht Milliarden Euro. Dieter Hein von Fairesearch, der die IKB lange zuvor schon als Analyst beobachtet hatte, zeigte sich damals entsetzt: "Das ist natürlich ein Schlag ins Gesicht des Kapitalmarktes und was momentan ist, ist eigentlich ein Desaster für die IKB."

Weitere Landesbanken kommen ins Trudeln

Doch wenig später wurde klar: Nicht nur die IKB, auch viele Landesbanken hatten in solche Pakete mit Subprime-Papieren investiert und dafür eigene Zweckgesellschaften, sogenannte Conduits, gegründet. Schon wenig später wackelte die Sachsen LB und wurde im August von der Landesbank Baden-Württemberg übernommen. Weitere Landesbanken kamen ins Trudeln, darunter die WestLB.

Peer Steinbrück, damals noch Bundesfinanzminister, las den Bankern kurz darauf die Leviten: "Die nennen Sie dann "Conduit" oder Investmentvehikel oder strukturierte Produkte. In Wirklichkeit ist es eine Wundertüte,  wo Sie nicht wissen, wo die Risiken und der Knallfrosch drin ist. Sie haben keine blasse Ahnung davon."

Ihren Höhepunkt aber erreichte die Finanzkrise im September 2008: Da brach die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers zusammen.

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