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StartseiteKultur heuteKulturstaatsministerin Grütters: "Maximal offen für Rückgaben"30.04.2021

Benin-BronzenKulturstaatsministerin Grütters: "Maximal offen für Rückgaben"

Ab kommenden Jahr sollen deutsche Museen die geraubten Benin-Bronzen wieder an das Herkunftsland Nigeria zurückgeben. Bei einem runden Tisch wurde nun das weitere Vorgehen besprochen. "Es sind schwierige und hochpolitische Fragen", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Dlf.

Monika Grütters im Gespräch mit Maja Ellmenreich

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Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in einer Vitrine ausgestellt (Daniel Bockwoldt/dpa)
Original oder Replik - wie die Benin-Bronzen in Zukunft in Deutschland zu sehen sein werden, gilt es mit Nigeria zu klären (Daniel Bockwoldt/dpa)
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Die Rückgabe der wertvollen Benin-Bronzen ist beschlossene Sache. Ab 2022 sollen die deutschen Museen die außergewöhnlichen Kunstschätze, die aus einem kriegerischen Überfall der Briten im 19. Jahrhundert stammen, wieder an Nigeria zurückgeben. Ein historischer Moment, um den viele lange gekämpft haben, den nicht wenige kaum für möglich hielten.  

"Blinder Fleck in Erinnerungskultur"

Am Ende des Prozesses stand eine vier Seiten lange "Erklärung zum Umgang mit den in deutschen Museen und Einrichtungen befindlichen Benin-Bronzen". Eine Art Fahrplan mit detaillierten Schritten und dem weiteren Prozess, – unterzeichnet von Vertreterinnen und Vertretern der Museen, der Länder und des Bundes. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte das Zusammentreffen initiiert, unter anderem um einheitliches Handeln herzustellen und keinen föderalen Flickenteppich entstehen zu lassen.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk begrüßte sie, "dass viele Häuser und Museumsdirektoren und Museumsdirektorinnen erste Schritte auf die nigerianische Seite zugemacht haben. Sichtbar wird es aber erst durch eine gemeinsame Strategie". Die bevorstehende Eröffnung des Humboldt Forums habe auch wesentlich zu dem beschleunigten Prozess der Restitution der Benin-Bronzen beigetragen, betonte Grütters: "Das Humboldt Forum hat den Aufklärungsprozess über unsere koloniale Vergangenheit wirklich befördert. Wenn man ehrlich ist, war es ein blinder Fleck in unserer Erinnerungskultur."

Zentrale Online-Plattform als erster Schritt

Bereits im Juni dieses Jahres sollen erste Schritte für die Rückgabe in die Wege geleitet werden: "Eine zentrale Plattform, auf der alle digitalisierten Benin-Bronzen in unserem deutschen Besitz zu sehen sein werden." Nachdem die Plattform online gegangen ist, sollen Gespräche mit der nigerianischen Seite geführt werden, wie es weitergehen soll. "Wir müssen genau mit den nigerianischen Partnern verhandeln, ob sie erwarten, dass alles zurückgegeben wird und einiges dann in Form von Leihgaben in Deutschland möglicherweise verbleibt und gezeigt werden kann", sagte Grütters.

Außerdem müsse geklärt werden, ob die nigerianische Seite sagt: "Wir möchten, dass einige Stücke als Originale in Deutschland zu sehen sein werden." Die Verhandlungen setzten Vertrauen voraus, sagte Grütters und "der Dialog muss auf Augenhöhe und mit Respekt und im Sinne der Verständigung und Versöhnung geführt werden". Generell gehe es weniger um Fragen des Besitzes, "sondern es sei eine Frage der Fürsorge für das Menschheitskulturerbe".

"Dominoeffekt auch für andere koloniale Kulturgüter"

Es bleibe auch die Frage, "ob man tatsächlich treuhänderisch Dinge, die man rücküberträgt an die nigerianische Seite im Original hier behält, oder ob es besser ist sie tatsächlich körperlich zurückzuführen und hier Repliken anzuschaffen". Das seien schwierige und hochpolitische Fragen, ergänzte Grütters. In der gesamten Debatte seien die Zivilgesellschaften in Afrika wichtige Partner gewesen, deshalb sollen sie im Humboldt Forum im Raum mit den Benin-Bronzen auch zu Wort kommen.  

Die Tatsache, dass Deutschland womöglich im Rahmen der "Benin Dialogue Group" als erstes Land Bronzen restituiert, könnte einen Dominoeffekt auslösen, glaubt Grütters: "Nicht nur im Hinblick auf andere europäische Länder, sondern auch im Bezug auf koloniale Kulturgüter, die nicht zu den Benin-Bronzen gehören. Da wo ein Unrechtskontext bei den Erwerbungsumständen gegeben ist, sind wir maximal offen für Rückgaben."

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