Steigende Ölpreise
Benzin in Deutschland so teuer wie nie - Söder: Mehreinnahmen an die Bürger zurückgeben, Banaszak will vergünstigtes Deutschlandticket

CSU-Chef Söder hat die Bundesregierung aufgefordert, etwas gegen die erneut deutlich gestiegenen Spritpreise zu unternehmen. Als mögliche Lösung nannte Söder das Vorgehen Österreichs, das die staatlichen Mehreinnahmen durch die gestiegenen Preise an die Bürger zurückgebe.

    Porträtaufnahme vor bläulich verschwommenen Hintergrund von Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident redet ernst
    Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder fordert die Bundesregierung zum Handeln auf. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
    Etwas ähnliches könne man auch hierzulande überlegen, sagte der bayerische Ministerpräsident nach einer Klausurtagung des CSU-Vorstands in München.
    Der CDU-Wirtschaftsrat rief das Bundeskartellamt auf, den Kraftstoffmarkt genau zu überprüfen. Zugleich warnte der Lobbyverband vor staatlichen Eingriffen. Immer neue Tankrabatte oder Preisdeckel seien keine Lösung, hieß es.
    Der sächsische Wirtschaftsminister Panter (SPD) kritisierte, die Bundesregierung scheitere seit Monaten daran, Menschen und Wirtschaft vor "explodierenden Energie- und Spritpreisen zu schützen". Er mahnte, der Bund müsse wirksame Maßnahmen prüfen und den Kraftstoffmarkt "stärker im Sinne der Endverbraucher gestalten". Panter nannte unter anderem einen flexiblen Preisdeckel.
    Der Grünen-Vorsitzende Banaszak forderte Entlastungen für die Menschen etwa über ein vergünstigtes Deutschlandticket. Zur Finanzierung sollten die Übergewinne der Mineralölkonzerne abgeschöpft werden.

    ADAC meldet Rekordwerte

    Der Automobilclub ADAC teilte mit, der neuerliche Anstieg des Ölpreises rechtfertige das Preisniveau an den Zapfsäulen nur teilweise. Laut ADAC stiegen die Preise für Benzin auf ein neues Rekordhoch. Bundesweit kostete der Liter Super E10 gestern im Tagesdurchschnitt 2,273 Euro. Das waren 1,7 Cent mehr als am Freitag. Damit sei auch der bisherige Höchstpreis von März 2022 übertroffen worden.
    Auch die Literpreise für Diesel näherten sich dem im April erreichten Höchstwert wieder an und lagen gestern bei im Schnitt 2,404 Euro. Die Treibstoffpreise in Deutschland dürften hoch bleiben, da die Ölpreise durch die Lage am Persischen Golf weiter gestiegen sind.

    Tankstellenverband: Preis von drei Euro pro Liter möglich

    Der Tankstellenverband hält auch Literpreise von drei Euro für möglich. Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband sagte der "Rheinischen Post", mit diesem Szenario müsse man sich auseinandersetzen. Solche Preise gebe es auch schon an Autobahnen. Rabl kritisierte das Vorgehen der Mineralölkonzerne. "Es wird abkassiert. Und auch die Tankstellenbetreiber leiden unter den hohen Preisen."
    Zwar seien die Blockade der Straße von Hormus und der Konflikt mit den Huthis um die Meerenge Bab al-Mandab ein Problem. Der Anteil des Öls hierzulande aus der Golfregion ⁠sei jedoch vergleichsweise gering. "Da in den USA die Spritpreise gerade niedrig ⁠gehalten werden, müssen die Konzerne woanders das Geld ⁠verdienen", sagte Rabl. Das werde nun in Europa gemacht.

    EZB besorgt über Preisentwicklung

    Die Direktorin der Europäischen Zentralbank, Schnabel, hält die Entwicklung der Energiepreise für besorgniserregend. Öl, aber auch Gas und raffinierte Produkte wie Diesel hätten ein sehr hohes Preisniveau erreicht, sagte Schnabel in Berlin. Sie deutete an, dass die EZB mit Blick auf die durch die Energiepreise angetriebene Inflation die Leitzinsen weiter erhöhen könnte.
    Der Preis für Rohöl ist typischerweise der wichtigste Treiber für Änderungen beim Treibstoffpreis. Regional und je nach Uhrzeit können die Preise aber stark abweichen. Zum Handelsstart heute früh kostete ein Fass der Nordseesorte Brent mehr als 107 US-Dollar. Die Drohnenangriffe auf eine wichtige Pipeline in Saudi-Arabien und die Absage eines eigentlich für heute angekündigten Treffens zwischen Iran und Oman zum Konflikt in der Straße von Hormus sorgten für weitere Unsicherheit.

    Weiterführende Informationen

    Die wichtigsten Entwicklungen gibt es auch in unseren Newsblog zur Lage im Nahen Osten.
    Diese Nachricht wurde am 14.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.