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StartseiteFirmenporträtGold, das nicht glänzt22.03.2019

Bergbaukonzern BarrickGold, das nicht glänzt

Barrick Gold ist der größte Goldbergbaukonzern der Welt. Aktiv in mehr als 20 Ländern. Barrick-Minen stehen aber auch für Gewalt, miserable Arbeitsbedingungen und Umweltschäden. Kanada hat sich 2018 durchgerungen, einen staatlichen Ombudsmann für die Opfer einzusetzen - die Stelle ist immer noch unbesetzt.

Von Julian Bernstein

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"Barrick is the world’s largest gold producer. We are geographically diverse with world class assets on five continents".

Ein Werbefilm von Barrick Gold. Gegenüber der Öffentlichkeit präsentiert sich der kanadische Konzern als Vorzeigeunternehmen. Auf fünf Kontinenten ist er aktiv. In seinen Minen komme neueste Technologie zum Einsatz, selbstverständlich im Einklang mit höchsten Umweltstandards, wie er sagt: 

"…mitigating our impact on the environment and sharing the benefits of mining with our host communities."

Philantrop mit Schattenseiten

Der Gewinn werde zudem mit den Gemeinden, in denen die Firma tätig ist, geteilt. So heißt es zumindest in diesem Werbefilm, der ganz im Sinne des Unternehmensgründers Peter Munk sein dürfte. Munk, einem in Ungarn geborenen Holocaustüberlebenden gelang es, seine Barrick Gold Corporation in nur 25 Jahren zum größten Goldproduzenten der Welt zu machen. Voriges Jahr verstarb der Gründer hochbetagt, von kanadischen Medien nicht nur als Visionär, sondern auch als Philanthrop gefeiert. Denn in seinen letzten Lebensjahren bedachte er seine Heimatstadt Toronto mit großzügigen Geldgeschenken. Doch das Bild des Unternehmers und seiner Firma ist schillernd.

"Divest, divest, divest from Barrick Gold", heißt der Protestruf. Regelmäßig finden Proteste gegen Barrick statt. In Toronto bei der jährlichen Hauptversammlung forderten Demonstranten die Aktionäre in der Vergangenheit auf, ihre Investitionen abzuziehen. Der Grund sind Barricks hochumstrittene Auslandsaktivitäten, etwa in Papua-Neuguinea. Seit 2006 betreibt Barrick dort in der abgelegenen Enga-Provinz die Porgera-Goldmine. Gemeinsam mit zwei Partnerunternehmen baut Barrick in Porgera jährlich rund 14 Tonnen Gold ab. Den Preis dafür zahlen jedoch die direkten Anwohner der Mine, kritisiert Catherine Coumans von der NGO Mining Watch Canada:

"Die Mine lädt ihren ganzen Müll direkt in das Tal, das die Mine umgibt. Der Schutt und die schlammigen Rückstände sind nicht nur giftig. Sie sind auch deswegen gefährlich, weil die Anwohner sie überqueren müssen, wenn sie von einem Ort zum anderen gelangen wollen. Dabei können sie sogar sterben, denn diese Rückstände verhalten sich manchmal so wie Treibsand. Die Leute sagen selbst von sich, dass sie dort wie Schweine leben".

Goldminen, die Menschen und Umwelt schaden

Die Zustände in Papua-Neuguinea sind kein Einzelfall. Ähnliche miserable Lebensbedingungen herrschen in Tansania rund um die von einem Tochterunternehmen von Barricks betriebene Goldmine in North Mara, prangern NGOs immer wieder an.  An beiden Standorten gebe es nicht nur gravierende Umweltschäden. Die lokale Bevölkerung leide unter Zusammenstößen mit dem privaten Sicherheitsdienst des Unternehmens. Denn ein Teil der Anwohner lebt selbst vom Goldabbau. Dafür nutzen sie die mit Schwermetallen verseuchten Abfallprodukte auf dem Minengelände, aus denen sich weiterhin kleinere Goldmengen gewinnen lassen. Doch das ist illegal, kritisiert NGO-Expertin Catherine Coumans:

"Beide dieser Minen sind militarisiert. Beide haben ihre eigenen privaten Sicherheitskräfte und in beiden Ländern hat Barrick mit den jeweiligen Regierungen ein Abkommen geschlossen, um zusätzlich auch die reguläre Polizei rund um die Mine als Sicherheitskräfte einsetzen können. Die Bevölkerung hat es also mit den Sicherheitskräften der Mine und der Polizei ihres Landes zu tun. Wenn die Leute mangels Alternativen auf dem Minengelände in den Abfallprodukten nach Gold sucht, werden sie von den Sicherheitskräften häufig angegriffen. Viele Frauen wurden Opfer von Gruppenvergewaltigungen, viele Männer wurden erschossen, zusammengeschlagen oder verstümmelt. An beiden Orten ist es extrem brutal".

Die Zahl der Opfer ist enorm. Allein in Papua-Neuguinea sah sich Barrick nach massiven Protesten dazu gezwungen, 119 vergewaltige Frauen finanziell zu entschädigen. Für Catherine Coumans lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein.

"Lange Zeit hat Barrick alles geleugnet. Erst nachdem Organisationen wie Mining Watch Druck gemacht haben, haben sie ein Entschädigungsverfahren eingeführt - in Porgera aber für Vergewaltigungsopfer und auch nur für zwei Jahre. In Tansania gibt es das Entschädigungsverfahren noch, aber es ist hochproblematisch. Der ganze Prozess ist unfair, die meisten Leute bekommen nichts. Und die, die etwas bekommen haben, wurden mit sehr kleinen Summen abgespeist – völlig unangemessen für die Schäden, die diese Menschen erlitten haben".

Ombudsmann für Barrick-Opfer: nur in der Theorie

Interviews zu den Vorwürfen gibt Barrick Gold selten. Auch eine Anfrage des Deutschlandfunks ließ das Unternehmen unbeantwortet. Auf seinen Webseiten weist die Firma die Kritik an der Entschädigungspraxis zurück. Man halte sich an die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte, heißt es dort. Zudem unterstreicht Barrick seinen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung beider Regionen. Kritische Beobachter überzeugt das nicht. Der streitbare kanadische Intellektuelle Alain Deneault etwa fordert seit Jahren eine bessere Kontrolle der Auslandsaktivitäten kanadischer Firmen. Dafür brauche es eine unabhängige Untersuchungskommission.

"Diese Kommission solle das Recht besitzen, Unternehmen zu befragen, Daten anzufordern und in letzter Konsequenz auch Strafen zu verhängen. Und am Ende müssten die verursachten Schäden öffentlich anerkannt werden".

Davon ist Kanada weit entfernt. Nach langen Diskussionen hat sich die Regierung von Justin Trudeau im vorigen Jahr immerhin dazu durchgerungen, einen staatlichen Ombudsmann einzusetzen, an den sich Opfer von Barrick Gold und anderer kanadischer Unternehmen wenden können. Eilig scheint man es damit jedoch nicht zu haben. Bis heute ist die Stelle vakant.

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