
Der Rücktritt war nötig und folgerichtig, zugleich aber ist er bedauerlich. Sarah Wedl- Wilson, eine hoch angesehene, international erfahrene Kulturmanagerin, hatte das Zeug dazu, eine erfolgreiche Senatorin zu werden. Zwei Jahre lang hatte die parteilose Britin als Staatssekretärin die Kulturverwaltung kennengelernt. Vor einem Jahr dann folgte sie auf Joe Chialo im Amt der Senatorin.
Wie schon ihrem Vorgänger unterliefen auch ihr nun handwerkliche Fehler bei einer zentralen Aufgabe ihres Ressorts, dem Kampf gegen Antisemitismus.
Zur Erinnerung: Chialo hatte – guten Willens – nur solche Kulturprojekte fördern wollen, die sich zum Kampf gegen den Antisemitismus bekennen. Allerdings war er mit diesem an sich sinnvollen Vorhaben vorgeprescht, ohne es vorher von seinen Juristen ausreichend durchdeklinieren zu lassen.
Geld für Kampf gegen Antisemitismus, doch verfehlte Förderpolitik
Und Chialo wollte noch mehr Gutes tun: Für 2024 und 2025 stellte sein Haus jeweils zehn Millionen Euro bereit – zusätzliche Fördermittel für Projekte zur Bekämpfung des Antisemitismus. Angesichts der wachsenden Diskriminierung von Jüdinnen und Juden, auch in der Kultur in Berlin, ein guter Plan. Wedl-Wilson, der der Kampf gegen den Judenhass ebenso am Herzen liegt, übernahm diese Förderpolitik.
Aber weder Chialo noch Wedl-Wilson gelang es, genügend seriöse Projekte zu finden, die dieses Geld sinnvoll verwenden könnten. Es fehlte und fehlt in der Kulturverwaltung ganz offensichtlich an Fachwissen, an Kontakten und an Verwaltungskapazitäten, um solche zusätzlichen Gelder zügig und korrekt an seriöse Initiativen zu verteilen.
Der gute Wille also war da, ist da in dieser Kulturverwaltung – nur an den Management-Fähigkeiten fehlt es, das Gute so zu tun, dass es demokratischen Standards entspricht. Warum, fragt man sich, gibt es bis heute keine Förderrichtlinie für die Vergabe dieser Mittel? Warum hat Wedl-Wilson keine Fachjury für die Beurteilung der Antisemitismus-Projekte eingesetzt?
Und warum ließ sich die Senatorin von zwei Parlamentariern der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus bei der Vergabe der Fördermittel fernsteuern? Hoffentlich bringt der Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses hier bald mehr Klarheit.
Der Rücktritt von Wedl-Wilson war notwendig – aber bedauerlich bleibt er allemal.



