Donnerstag, 01. Dezember 2022

Archiv

Berliner Landesschülersprecherin
"Eine enorme Unsicherheit, was unsere Zukunft angeht"

Durch die Corona-Pandemie und das digitale Lernen habe vielen Schülerinnen und Schülern im vergangenen Jahr der Austausch unter Gleichaltrigen sehr gefehlt, sagte die Berliner Landesschülersprecherin Ha Thy Nguyen im Dlf. Dadurch seien vermehrt psychische Probleme entstanden. Auch Zukunftsängste seien verbreitet.

Ha Thy Nguyen im Gespräch mit Thekla Jahn | 12.03.2021

Klassenzimmer einer Schule mit einer Tafel und hochgestellten Stühlen
Schule im Lockdown (IMAGO / Political-Moments)
Durch den digitalen Unterricht finde ein Austausch nur noch in kleinen Gruppen statt, sagte die Berliner Landesschülersprecherin Ha Thy Nguyen. Man rede nur noch mit den Freunden, mit denen man sowieso rede - aber man rede nicht mehr mit den Mitschülerinnen und -schülern, mit denen man nur geredet hat, weil es die fünf Minuten nach dem Unterricht noch gab.
Bildungsforscherin: Im Distanzunterricht braucht es mehr Dialog
Schulen in der Coronakrise - eine Studie kommt zu dem Schluss, dass zumindest ein Minimalziel erreicht wurde: Die allermeisten Schülerinnen und Schüler wurden von den Schulen erreicht – aber eben nicht alle.
Durch das digitale Lernen gebe es diese fünf Minuten nach dem Unterricht nicht mehr. Auch begegnungen auf dem Schulhof würden fehlen. Dadurch gehe einiges verloren, denn "Schule ist eben auch ein Ort der Begegnung", sagte Nguyen.
Wegen der Corona-Pandemie bleibt der Schulhof der Franz List Schule in Berlin leer
Wegen der Corona-Pandemie bleibt der Schulhof der Franz List Schule in Berlin leer (chromorange)

Vielen fehlt es an Informationen zu Hilfe-Angeboten

Viele Schülerinnen und Schüler würden darüber hinaus das Gefühl haben, mit ihren Problemen alleine dazustehen: Die Hälfte der Schülerschaft wisse nicht, wo sie Hilfe suchen könne. Das habe eine berlinweite Umfrage des Landesschülerausschusses gezeigt, an der sich rund 6.000 Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben.
Schule im Lockdown
Die Probleme mit Distanzunterricht und Online-Lernen, die sich bereits während des ersten Lockdowns an den Schulen zeigten, sind längst nicht gelöst. Ein Überblick über Probleme und Perspektiven.
Was durch das Corona-Jahr vielfach auch weggefallen sei, sei etwa das Berufspraktikum, wie es in Berlin in der neunten Klasse eigentlich üblich sei. Auch das sei eine ganz wichtige Lebenserfahrung, die einen sehr weiterbringen könne.
"Der Lernort Schule fehlt, und alles bricht quasi zusammen"
Markus Warnke von der Wübbenstiftung hätte sich in der Bildungsfrage in Corona-Zeiten differenziertere Lösungen gewünscht. Ein genaueres Hinschauen wäre dort nötig gewesen, wo Eltern zuhause nicht den Assistenzlehrer spielen könnten.
Coronavirus
Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)