Mittwoch, 05. Oktober 2022

Archiv

Berliner Schau zu Beschriftungen im Museum
Jedem Bild sein Schild

"Schilder einer Ausstellung": Unter diesem Titel beschäftigt sich die Berliner Gemäldegalerie mit den Beschriftungen ihrer Bilder. Die Beschriftungen wurden immer wieder verändert. In der NS-Zeit etwa seien jüdische Stifternamen einfach weggeschnitten worden, sagte Kuratorin Katja Kleinert im Dlf.

Katja Kleinert im Gespräch mit Antje Allroggen | 24.07.2019

Verschiedene Bildbeschriftungen und Schilder der Gemäldegalerie, 1830-1998
Bildbeschriftungen und Schilder in der Berliner Gemäldegalerie (Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie)
Schilder sind zentral für die Wahrnehmung von Kunst im Museum. Und sie haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, wie die Ausstellung "Schilder einer Ausstellung" in der Berliner Gemäldegalerie zeigt. Entscheidend für die Länge des Textes, die Größe der Schilder und ihre Platzierung sei die Frage, was man ins Blickfeld der Besucherinnen und Besucher rücken wolle, betont Kuratorin Katja Kleinert.
So seien in der NS-Zeit die Namen jüdischer Stifter und Mäzene auf Anordnung der Museumsleitung entfernt worden. Damals seien die Schilder aus Pappe und damit einfach abzuschneiden gewesen.
Seit die wiedervereinigte Gemäldegalerie am Berliner Kulturforum 1998 eröffnet wurde, habe man die Schilder unter den Bildern möglichst knapp gehalten, so die Kuratorin. Die Information sei auf das Notwendigste reduziert worden - passend zur schlichten Architektur: Die Werk- und Künstlernamen verschwinden bis heute dezent in grauen Sockelleisten unter den Bildern. Damit wollte man die Ästhetik der Bilder ganz in den Mittelpunkt stellen, von der nichts ablenken sollte.
Neue Schilder mit mehr Infos
Zurzeit plant die Berliner Gemäldegalerie neue Schilder mit mehr Informationen. Katja Kleinert findet es wichtig, dass die Besucherinnen und Besucher trotzdem nicht bevormundet werden. Durch die Platzierung auf den Sockelleisten soll weiterhin der Abstand zwischen Bild und Beschriftung gewahrt bleiben. Schilder, die nicht gleich im Blickfeld seien, sollten dem Besucher die Entscheidung überlassen, ob er lesen möchte oder nicht.
Bei den neuen Schildern soll der kunstgeschichtliche Kontext wieder mitgeliefert werden - zum Beispiel die Erklärung, warum zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Land ein Thema immer wieder aufgegriffen wurde. Auch Besonderheiten zum Material der Bilder seien wichtige Informationen. Bildbeschreibungen auf den Schildern lehnt Katja Kleinert dagegen ab.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.