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StartseiteKultur heuteEin Meister aus dem Mittelalter21.02.2019

Bernard van Orley-Ausstellung in BrüsselEin Meister aus dem Mittelalter

Der Maler Bernard von Orley ist nicht so bekannt wie seine Zeitgenossen. Das will eine Werkschau in Brüssel nun ändern: Sie zeigt, dass für den flämischen Meister die Einheit von Kunst und Kunsthandwerk schon 500 Jahre vor dem "Bauhaus" eine hochaktuelle Idee gewesen ist.

Von Anja Reinhardt

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"Die Schlacht von Pavia" (Tapisserie 1525–31, Ausschnitt) von Bernard van Orley (Museo e Real Bosco di Capodimonte - Ministero dei beni e delle attività culturali)
"Die Schlacht von Pavia" (Tapisserie 1525–31, Ausschnitt) des flämischen Meisters Bernard van Orley (Museo e Real Bosco di Capodimonte - Ministero dei beni e delle attività culturali)
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Margarete von Österreich war keine Schönheit. Die Tochter von Kaiser Maximilian I. hatte das typische, fliegende Habsburgerkinn und eine leicht hängende Unterlippe. Bernard van Orley malt die zweifache Witwe vor tiefschwarzem Hintergrund in schwarz-weißer Witwenkleidung, versunken in religiöser Andacht – und sicher stark geschönt. Eine Aura der Spiritualität wollte die Regentin der Niederlande gerne in die Welt schicken und es mag zum Teil auch der Wahrheit entsprochen haben. Aber Margarethe war Ende des 15. Jahrhunderts in Mechelen auch Herrin über einen äußerst kunstinnigen Hof, an dem Bernard van Orley Auftrag um Auftrag bekam.

Berühmt weit über Brüssel hinaus

"Er hatte eine sehr hohe Position am Hof, er war ja der Hofmaler. Und natürlich kamen aus diesem Umfeld dann auch andere Aufträge, in dieser Gesellschaft konnte man sich das leisten. Viele waren schon zufrieden damit, wenn ein Bild aus der Werkstatt van Orleys kam."

Ingrid De Meûter ist eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung, die das gesamte Schaffen von Bernard van Orley zeigt. Das ist zunächst tief verwurzelt in der flämischen Tradition. Die Bilder und Triptychen van Orleys zeigen eine tief religiöse Gesellschaft mit üppigen, leuchtenden Gewändern in stilisierten Landschaften. Der um 1490 geborene Maler war schon bald eine Berühmtheit weit über Brüssel hinaus, Albrecht Dürer gehörte zu seinen Bewunderern und besuchte ihn 1520 in Brüssel.

"Van Orley gab Dürer zu Ehren ein luxuriöses Bankett und Dürer hat für ihn einige Gravuren für seine Passionsbilder gemacht, als Geschenk. Es gibt auch Zeichnungen von Dürer, die zeigen, dass er das Werk von Bernard van Orley gut kannte."

Noch wichtiger aber dürfte der Einfluss der italienischen Renaissance auf van Orley gewirkt haben, meint Ingrid De Meûter.

"1516 kamen Kartonentwürfe von Raffael nach Brüssel. Da sahen die heimischen Künstler, dass sich in Italien die Kunst sehr verändert hatte, und das auf diesen riesigen Kartons!"

Geschätzt für seine Teppichkunst

Raffaels Kartons waren Vorlagen für Teppiche, die der Medici-Papst Leo X. für die Sixtinische Kapelle in Auftrag gegeben hatte. Die Bewegung und die Dynamik der Zeichnungen machten einen tiefen Eindruck auf Bernard van Orley. Aber auch die Teppichkunst selbst reizte den Künstler, zumal Brüssel das Zentrum dieses Handwerks war und dort auch die Italiener ihre Tapisserien fertigen ließen. Wie kommt es, dass ein zu seiner Zeit so berühmter und anerkannter Maler heute kaum noch bekannt ist?

"Einer der Gründe ist, dass er für seine Teppiche berühmt war, mehr als für seine Gemälde. Und im 21. Jahrhundert ist Tapisserie Kunsthandwerk und keine Kunst, genauso wie Glasmalerei, für die er auch bekannt war. Außerdem gibt es zwar viele Bilder, aber sie sind in der ganzen Welt verstreut."

In der Kunst des Bernard van Orley ist offensichtlich, dass er am Übergang von flämischer Kunst und Renaissance stand – was den Bildern mitunter eine gewisse Unentschiedenheit gibt. Auch sie mag ein Grund dafür sein, dass man ihn heute kaum noch kennt. Dabei macht gerade diese Unentschiedenheit einen großen Reiz aus: Auf den zweiten Blick erwachen vor allem die religiösen Szenen zu kleinen Theaterstücken mit großer Detailfülle. Das enorme Verdienst dieser Ausstellung ist aber die Präsentation dieser mittelalterlichen Teppichkunst. Im Jahr des Bauhaus-Jubiläums, das dem Handwerk so einen großen Stellenwert einordnete, ist sie bestens platziert.

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