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StartseiteForschung aktuellBesser schlafen mit Delta-Wellen15.11.2004

Besser schlafen mit Delta-Wellen

Eine 'Schlaf-CD' hilft bei Schlafstörungen

<strong>Medizin. - Schlaflosigkeit ist eine Volkskrankheit. Etwa die Hälfte aller Deutschen, so schätzen Experten, schläft regelmäßig schlecht. Stress oder andere seelische Belastungen sind häufig der Auslöser für diese Schlaflosigkeit. Bisher werden die Symptome meist nur mit Medikamenten behandelt. Schlafforscher der Universität Köln haben jetzt eine neue, sanfte Methode getestet: Unhörbare Wellen mit sehr niedriger Frequenz -sogenannte Delta-Wellen - sollen das Gehirn beruhigen und zu einem tieferen und längeren Schlaf führen. Diese Wellen sind auf einer Art "Schlaf-CD" gespeichert.</strong>

Von Sascha Ott

Besser schlafen mit Hilfe einer CD (AP-Archiv)
Besser schlafen mit Hilfe einer CD (AP-Archiv)

"Somnia" heißt die CD und dementsprechend monoton und einförmig klingt die Musik. Schon nach kurzem Zuhören könnte man schläfrig werden. Aber auf diesen hörbaren Inhalt der CD kommt es gar nicht an, betont der Entwickler Uwe Storch.

Also direkt von der Musik schläft man eigentlich nicht ein, sondern eher von Frequenzen, die daraus wieder erzeugt werden aus diesen Tonsignalen. Diese Frequenzen sind unhörbar und liegen im sogenannten Infraschall-Bereich und haben im Grunde genommen die Aufgabe das Gehirn zu trainieren, die Tiefschlafphase zu verlängern und zu intensivieren.

Dazu muss die Musik über zwei Stereo-Lautsprecher abgespielt werden. Die Frequenzen der Töne auf dem linken und rechten Kanal sind dabei leicht gegeneinander verschoben. Dort wo sich die Schallwellen der beiden Lautsprecher überlagern, entsteht durch Interferenz eine neue Art von Wellen mit sehr niedriger Frequenz: die sogenannten Delta-Wellen. Mit einer Frequenz von ein bis vier Hertz liegen sie genau im Bereich der Wellen, die das Gehirn selbst während der Tiefschlafphase erzeugt. Schlaflosigkeit, das weiß man seit langem, ist gleichbedeutend mit Problemen des Gehirns, in diese ruhige Phase sehr niedrigfrequenter Wellen zu gelangen.

Und der Sinn ist im Grunde genommen jetzt, dem Gehirn über Nacht eine Umgebung zu schaffen, die es ihm sehr erleichtert, diese Frequenzen wieder zu erzeugen, also intensiver und lang anhaltend selbst wieder diese Delta-Wellen zu produzieren. Viele wissen es vielleicht, wenn man eine Gitarrenseite zum Schwingen bringen will, ohne sie zu berühren, dann macht man das, indem man einfach die gleiche Resonanzfrequenz erzeugt. Und so ähnlich läuft das hiermit: die Delta-Wellen stimulieren also das Gehirn, selbst wieder intensiver diese Wellen zu erzeugen.

Ob sich das Gehirn wirklich auf diesem Wege beeinflussen lässt, haben Schlafforscher vom Psychologischen Institut der Universität Köln jetzt getestet. 170 Probanden mit schweren Schlafstörungen probierten die CD sechs Wochen lang aus. Um Suggestiv-Effekte so weit wie möglich zu vermeiden, gaben die Forscher sich gegenüber den Probanden betont skeptisch und zogen die Wirksamkeit der Methode in Zweifel. Zuhause im Schlafzimmer stellten die Teilnehmer die Lautsprecher ihrer Stereo-Anlage vor dem Fußende des Bettes auf. Mit niedriger Lautstärke, sodass sie die hörbare Musik auf der CD gerade noch wahrnehmen konnten, ließen sie sich Nacht für Nacht mit den Delta-Wellen berieseln. Vor und nach dieser sechswöchigen Testphase notierten sie jeweils in einem Tagebuch, wie lange und wie gut sie geschlafen hatten.

Anhand dieser Ergebnisse wurde dann festgestellt, dass in dieser Zeit alleine schon sich die Schlafdauer um circa 30 Minuten verbessert hat und das Einschlafen eben auch wesentlich schneller ging. Das ist allerdings jetzt in diesem relativ kurzen Zeitraum das erste Ergebnis. Man kann natürlich davon ausgehen, über längere Zeit wird sich das noch erheblich verbessern. Bis auf Stunden im Endeffekt.

Die Schlafforscher waren überrascht. Kaum einer von ihnen hatte damit gerechnet, dass sich durch die überlagerten Frequenzen tatsächlich ein Effekt erzielen lässt. Drei Viertel der Probanden wollen die CD auch weiterhin Nacht für Nacht benutzen. Uwe Storch hofft darauf, dass seine Entwicklung den Weg zu einer sanften Behandlung der Schlaflosigkeit ohne Medikamente eröffnet. Aber auch andere Aktivitäten des Gehirns sind mit einer bestimmten Frequenz der Hirnwellen verbunden. Daher könnte es auch noch weitere Anwendungsgebiete für die Interferenz-Methode geben.

Es ist denkbar zum Beispiel, dass das Thema Konzentration, dass die reine Entspannung oder Motivation eben davon wirklich beeinflusst werden können. Das heißt, stimuliert werden kann vermutlich jeder Gemütszustand.

Um diese positiven Effekte zu erreichen, sollte dann aber auch der hörbare Teil der CD etwas motivierender ausfallen.

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