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StartseiteCampus & KarriereBessere Motivation und höhere Sozialkompetenz12.11.2010

Bessere Motivation und höhere Sozialkompetenz

7. Ganztagsschulkongress in Berlin

24 Prozent der deutschen Schüler besuchen eine Ganztagsschule. Eine kürzlich veröffentliche Studie über Ganztagsschulen stellte rundherum positive Entwicklungen bei den Schülern fest. In Berlin findet nun der 7. Ganztagsschulkongress statt, unter dem Motto "Ideen für mehr! Ganztägig lernen."

Von Jürgen König

Die Einbettung ins soziale Umfeld ist bei Ganztagsschülern deutlich besser. (AP)
Die Einbettung ins soziale Umfeld ist bei Ganztagsschülern deutlich besser. (AP)

"Zentren von Bildungsbündnissen vor Ort", sollen sie werden - sagt Bildungsministerin Annette Schavan und freut sich über das, was die Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen jetzt belegt: Sie führen zu einer besseren Motivation der Schüler, zu größerer Schulfreude, höherer Sozialkompetenz. Die Einbettung ins soziale Umfeld ist bei Ganztagsschülern deutlich besser als bei Halbtagsschülern; und es wächst die Bereitschaft von Sportvereinen, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, der kulturellen Bildung: mit Ganztagsschulen zusammenzuarbeiten. Das Familienklima wird nicht beeinträchtigt, auch das belegt die Studie, vor allem in Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen wachse die Zufriedenheit- aber eben nicht nur da. Den Alltag einer Ganztagsschule beschreibt Sigried Müller vom Goethe-Gymnasium Bads Lauchstädt.

"Erstmal sind die Kinder von früh um 7 bis nachmittags um 15 Uhr bei uns in der Schule. Es ist gemischt: wir haben Unterricht, wir haben Arbeitsgemeinschaften, wir haben zum Teil Teamlernen in den Klassen, so dass eben diese Unterrichtsstrukturen nicht mehr so vorhanden sind wie früher, dann eben andere Zeiten, 60 Minuten, 75 Minuten Unterricht, und die Kinder arbeiten zum Teil im Team. Wir haben Sitzordnungen geändert, es gibt Gruppentische. Es gibt Teamarbeit, also es ist doch schon viel Neues dabei."

Das allgemeine Lob der Bildungsforscher findet Sigried Müller in ihrem Arbeitsalltag bestätigt.

"Die Eltern sind froh, dass die Kinder in der Schule gut untergebracht sind, und wir haben wirklich auch mit den Eltern zusammen eine wunderbare Zusammenarbeit, die kommen in die Schule, die gucken auch mal. Wir haben Eltern gewinnen können, die in der Pausen Aufsicht führen, die Arbeitsgemeinschaften leiten, also eigentlich - so wie wir uns das wünschen, funktioniert das auch."

Überhaupt scheinen nur Enthusiasten zum Ganztagsschulkongress nach Berlin gekommen zu sein, wo man hinhört: Lob. Johannes Peter Hunold von der Gemeinschaftsgrundschule in Wiehl bei Köln.

"Ich persönlich glaube, wir müssten zu einer gebundenen Schulform kommen, aber das ist im Moment noch nicht durchsetzbar, weil auch die Eltern der Landbevölkerung nicht dafür sind, ihre Kinder ganztägig in die Schule zu geben. Aber - ich habe heute Morgen gelesen, dass die Sitzenbleiber in Ganztagsschulen geringer sind. Ich kann das eigentlich bestätigen, wir kommen zu mehr individueller Förderung. Für unsere Schulform, also die Grundschule hat das Ganztagsangebot nachhaltig verändert. Also da sind wir schon auf einem ganz guten Weg."

Der Weg zu dieser "gebundenen" Schulform", also zur vorgeschriebenen Ganztagsschule ist - bei allen Träumen von "Bildungsbündnissen vor Ort" - noch weit. Und groß seien die Herausforderungen, meint Roland Koch, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Stiftungsrats der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

"Es ist eben nicht nur eine Frage von Schule, es ist eine Frage von Schulverwaltung und Jugendverwaltung. Das ist nicht nur eine Frage zwischen Ländern und gelegentlich der Unterstützung des Bundes in der Rolle, die er hier gefunden hat, sondern eben sehr sehr stark auch eine Zusammenarbeit mit den Kommunen - und nur, wenn diese Bildungslandschaft insgesamt funktioniert, kann daraus etwas werden. Und das erfordert, dass viele auch gewohnte Rollenverhalten und Traditionen überprüfen müssen. Das beginnt bei den Lehrerinnen und Lehrern, bei denen von Arbeitszeit bis Anforderungen eben neue Welten auf sie zukommen, die sie so nicht gewohnt waren. Das bedeutet, dass die Schulleitungen Managementfunktionen bekommen, die sie so nicht gewohnt waren. Das bedeutet, dass Kommune und Schule in einer Weise zusammenarbeiten müssen, in denen kommunale Parlamente Haushaltsverantwortung abgeben müssen an gemeinsame Pools."

Mag der Weg auch steinig sein: Die Ganztagsschule kommt. Wir sind auf dem Weg zu einer neuen Schulkultur - das ist die Botschaft zu Beginn dieses Ganztagsschulkongresses.

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