Samstag, 26.09.2020
 
StartseiteInterviewBesseres Verfahren zur Müllverwertung08.05.2002

Besseres Verfahren zur Müllverwertung

Hermann Hofmann

<strong>Liminski:</strong> Die Müllindustrie hat kein gutes Image. Das liegt nicht nur in der Natur der Sache. Das liegt auch an Skandalen von Müllunternehmern und ihren Geschäften mit Politikern, Geschäfte, die sozusagen zum Himmel stinken. Dahinter steckt auch ein erbarmungsloser Konkurrenzkampf um die Müllverbrennung, und dabei geht es nicht immer nur um die Sache, geschweige denn um das Interesse des Verbrauchers. Nun ist seit einiger Zeit eine Firma trotz dieser Skandale und trotz Behinderungen dabei, das System der Entsorgung und Verwertung von Müll umzukrempeln, vielleicht sogar zu revolutionieren, und das auch noch im Sinne des Verbrauchers. Es handelt sich um die Herhof GmbH, die das sogenannte Trockenstabilatverfahren entwickelt hat. Ihren Geschäftsführer Hermann Hofmann begrüße ich nun im Studio. Herr Hofmann, was ist ein Trockenstabilat?

Hofmann: Das Trockenstabilatverfahren zeichnet sich dadurch aus, dass wir den Abfall zunächst biologisch trocknen und durch die Trockensubstanz kann man den Abfall sehr gut trennen. Wir trennen zwischen brennbarer Fraktion und nicht brennbarer Fraktion, und hier werden beim Ausscheiden der nicht brennbaren Fraktion die gesammelten Metalle, Batterien und Elektronikschrott aus dem Brennstoff rausgeholt. So gewinnen wir auf der einen Seite die Wertstoffe der Metalle. Auf der anderen Seite gewinnen wir einen sehr brauchbaren Brennstoff mit einem sehr hohen Heizwert.

Liminski: Und was kostet so eine Trockenstabilatanlage, vielleicht auch im Vergleich zu einer üblichen Müllverbrennungsanlage?

Hofmann: Eine Trockenstabilatanlage kostet zwischen 25 und 50 Millionen Euro, je nach Größe. Eine Verbrennungsanlage wird zwischen 75 und 100 Millionen Euro kosten.

Liminski: Und was machen Sie mit den Sachen, die Sie produzieren, wenn Sie die sortiert haben?

Hofmann: Die Nichteisenmetalle wie Aluminium werden direkt in Rohstoffbetrieben wieder verwertet, Fe-Metalle ebenso, die Inertstoffe werden im Straßen- oder Deponiebau als Baustoff wieder eingesetzt und der eigentliche Brennstoff mit dem hohen Brennwert, mit der Schadstoffsenke, wo die Metalle entfernt werden - Batterien, Elektronikschrott - gibt einen Brennstoff mit hohem Heizwert, der letztendlich in die Industrie geht. Wir bringen einen Großteil in die SVZ 'Schwarze Pumpe', die wir aus dem Brennstoff Methanol herstellen. Hier haben wir selbst eine neue Technologie entwickelt, eine IBV-Anlage, das heißt eine Integrierte Berilyse-Verbrennungsanlage, wo ich ein Synthesegas herstelle, das sich aus circa 60 Prozent Wasserstoff, circa 36 Prozent CO und Methan zusammensetzt, so dass ich ein ideales Gas habe, um Methanol zu erzeugen. Ich kann dieses Gas sehr vielseitig einsetzen: wir können es direkt auf einem Gasmotor verstromen, wir können Wasserstoff abtrennen, wir können Methanol erzeugen... Die Zukunft der Brennstoffzelle kann über diesen Weg abgedeckt werden. Wir können dezentral entsorgen aber auch wieder versorgen.

Liminski: Wo ist eigentlich Ihre Konkurrenz? Sie verwerten ja bis zu 100 Prozent.

Hofmann: Konkurrenz in der hundertprozentigen Verwertung sehen wir eigentlich nicht. Es gibt natürlich Konkurrenz, die Müllverbrennungsanlagen, die aber keine Verwertung haben. Im Gesetz steht ja, Verwertung geht vor Beseitigung. Bei einer reinen Müllverbrennungsanlage hat man noch eine Beseitigungsanlage. Zum Teil wird natürlich noch Wärme genutzt, zum Teil wird auch etwa Strom hergestellt, aber der Wirkungsgrad ist eben nicht so hoch. Von der Seite sehen wir keine Konkurrenz,. so weit das gesetzlich eingehalten würde, dürften aus unserer Sicht heute gar keine Müllverbrennungsanlagen mehr gebaut werden.

Liminski: Wie alt ist eigentlich Ihr Patent, wie lange forschen Sie schon an dieser Geschichte?

Hofmann: Unser Patent ist schon circa 13 Jahre alt. Wir haben die Entwicklung erstmal in der reinen Bioabfallkompostierung dieser Technologie entwickelt, dann weiter in die biologische Trocknung für diese Trennungsmöglichkeiten. Wir haben aber neue Patente: die IBV-Technologie, die im Einsatz des Brennstoffes für die Erzeugung von Synthesegas die Zukunft der Umsetzung dieser Stoffe in die Energie darstellen wird.

Liminski: Warum sind Sie denn nicht früher zum Durchbruch gekommen, wenn Sie jetzt schon einige Jahre auf dem Markt sind? Eigentlich müssten sich das Bundesumweltamt und andere Ämter um solche Verbrennungsarten doch reißen.

Hofmann: Ich denke es ist zum einen für dieses Produkt noch keine so lange Zeit, die wir auf dem Markt sind, mittlerweile circa viereinhalb bis fünf Jahre und wenn man bedenkt, wie viele Projekte wir uns im Markt jetzt geholt haben, ist das eine sehr kurze Zeit. Auf der anderen Seite haben wir es im Markt schon schwierig; wenn man heute mit einem neuen Produkt auf den sehr verteilten Markt kommt und damit den Großen, die den Kuchen in der Hand haben das ein oder andere Stück abschneidet, wird es schon schwierig und man bekommt Gegendruck.

Liminski: Gibt es denn Interesse für Ihr Verfahren im Ausland?

Hofmann: Ja, wir haben jetzt gerade eine Anlage in Venedig in Betrieb genommen, die Anlagen in Belgien sind gerade am Dienstag genehmigt worden, dort werden zwei Anlagen gebaut, eine 150 000-Tonnen-Anlage und eine 120 000-Tonnen-Anlage. Wir denken, dass wir auch im Ausland, jedenfalls in Europa, so langsam den Durchbruch bekommen.

Liminski: Neue Wege in der Müllverwertung. das war Herrmann Hoffmann, Geschäftsführer der Herhof GmbH, vielen Dank für das Gespräch, Herr Hofmann.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk