Elke Durak: Nun zum Generaldirektor des DOSB, Michael Vesper, der als Chef der Mission die deutsche Olympiamannschaft anführt und auch die ganze Zeit in Peking sein wird. Ich habe ihn gefragt, worauf er sich denn da so freut.
Michael Vesper: Ich freue mich auf die einzigartige Atmosphäre, die Olympische Spiele ausmacht. Ich freue mich auf eine hochmotivierte, sehr lebendige, sehr qualifizierte Mannschaft, die wir Deutschen dorthin entsenden mit etwa 440 Sportlerinnen und Sportlern, also eine sehr große Mannschaft, eine der größten überhaupt, die an den Spielen teilnehmen. Und ich freue mich auch darauf, Land und Leute kennenzulernen, weiß natürlich um die politischen Rahmenbedingungen, darüber haben wir ja in den vergangenen Monaten intensiv diskutiert. Das wird sicherlich auch bei den Spielen eine Rolle spielen.
Durak: Sind das Spiele der Sportler unter besonderer Betreuung von Pharmakonzernen?
Vesper: Das hoffe ich nicht, sondern ich denke, dass die Politik der letzten Jahre, international wie national, doch gegriffen hat. Jedenfalls ist es so, dass die Kontrollen in Peking die härtesten sein werden, auch die zahlenmäßig größten, die Olympische Spiele je gesehen haben. Es wird 4500 solcher Kontrollen - Blut und Urin - geben, und was vielleicht das Wichtigste ist: Diese Proben werden sämtlich auf acht Jahre eingefroren, um auch später entwickelte Analysemethoden noch anwenden zu können, so dass sich kein Doper sicher sein kann, nicht erwischt zu werden. Und diese Abschreckung, so hoffen wir, wird Früchte tragen.
Durak: Gott, sagt sich da vielleicht einer, in acht Jahren oder in ein paar Jahren interessiert mich das nicht mehr. Was aber ist, Herr Vesper, wenn die Methoden der Untersuchung denen des Dopens hinterherhinken, ich spreche Stammzellendoping, Gendoping an?
Vesper: Der Abstand zwischen den Dopingmethoden, zwischen der Entwicklung von Dopingmitteln auf der einen Seite und der Entwicklung geeigneter Analyseverfahren zur Entdeckung derselben, dieser Abstand - das werden Ihnen alle Experten bestätigen - ist in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Das haben wir auch gerade jetzt bei der Tour de France gesehen, wo ja Fahrer ein neues EPO-Präparat genommen haben, das angeblich noch nicht zu entdecken gewesen ist. Es ist aber entdeckt worden, und die Fahrer sind gesperrt worden. Der Abstand ist also kleiner geworden, wobei ich natürlich nie behaupten würde, dass der Sport das Doping gewissermaßen in einer Entscheidungsschlacht ausmerzen könnte. Das wird nicht gelingen, sondern da, wo Menschen zusammen sind, wird es immer auch Betrug, abweichendes Verhalten und eben leider auch Doping geben.
Durak: Herr Vesper, Stammzellendoping, Gendoping, was wir jetzt gehört haben kürzlich, was China insbesondere betrifft - gibt es da nicht den Druck, sportpolitisch Konsequenzen zu ziehen für diese Spiele?
Vesper: Das tun wir ja. Wir haben uns mit Gendoping schon vor anderthalb Jahren intensiv beschäftigt und haben dazu einen runden Tisch durchgeführt mit den Experten, die uns gesagt haben, auch kürzlich noch, dass bislang diese Methoden noch nicht so entwickelt sind, dass da konkrete Leistungssteigerungen erwartbar sind. Aber natürlich werden wir uns und setzen wir uns damit intensiv auseinander und werden auch da alles tun, um den Betrügern das Handwerk zu legen. Auch die Kontrolleure des IOC legen nicht ihre Karten auf den Tisch und erklären nicht, was sie entdecken können, welche Methoden sie anwenden, wo der Stand der Forschung ist. Sie wollen bewusst mögliche Doper im Unklaren lassen, weil nur diese Unklarheit zu der notwendigen Abschreckung führt.
Durak: Herr Vesper, mit dem Motto Ihres Kongresses habe ich so mein Problem, denn ich glaube, das geht eigentlich gar nicht: Sport als Spiegel der Gesellschaft und Vorbild der Gesellschaft. Das geht doch gar nicht.
Vesper: Doch, ich denke, es ist beides richtig. Beides spiegelt die Realität wider. Der Sport ist ganz sicherlich Spiegelbild unserer Gesellschaft, er ist Teil dieser Gesellschaft, und er ist keine heile Welt. Sondern er hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie unsere Gesellschaft ansonsten auch, aber er ist auch - wird jedenfalls oft so gesehen - ein Vorbild in bestimmten Bereichen, einmal im Leistungssport produziert der Sport Idole für junge Menschen. Er trägt mit dazu bei, dass junge Menschen sich auf den Weg machen, im Sport, im Leistungssport sich zu engagieren. Und er trägt aber auch in der Breite dazu bei, Beispiel Integration, gesellschaftliche Probleme mit lösen zu helfen.
Durak: Der Generaldirektor des DOSB Michael Vesper. "Sport als Spiegel und Vorbild der Gesellschaft", der erste Olympische Sportkongress des DOSB, findet heute und morgen in Berlin statt.
Michael Vesper: Ich freue mich auf die einzigartige Atmosphäre, die Olympische Spiele ausmacht. Ich freue mich auf eine hochmotivierte, sehr lebendige, sehr qualifizierte Mannschaft, die wir Deutschen dorthin entsenden mit etwa 440 Sportlerinnen und Sportlern, also eine sehr große Mannschaft, eine der größten überhaupt, die an den Spielen teilnehmen. Und ich freue mich auch darauf, Land und Leute kennenzulernen, weiß natürlich um die politischen Rahmenbedingungen, darüber haben wir ja in den vergangenen Monaten intensiv diskutiert. Das wird sicherlich auch bei den Spielen eine Rolle spielen.
Durak: Sind das Spiele der Sportler unter besonderer Betreuung von Pharmakonzernen?
Vesper: Das hoffe ich nicht, sondern ich denke, dass die Politik der letzten Jahre, international wie national, doch gegriffen hat. Jedenfalls ist es so, dass die Kontrollen in Peking die härtesten sein werden, auch die zahlenmäßig größten, die Olympische Spiele je gesehen haben. Es wird 4500 solcher Kontrollen - Blut und Urin - geben, und was vielleicht das Wichtigste ist: Diese Proben werden sämtlich auf acht Jahre eingefroren, um auch später entwickelte Analysemethoden noch anwenden zu können, so dass sich kein Doper sicher sein kann, nicht erwischt zu werden. Und diese Abschreckung, so hoffen wir, wird Früchte tragen.
Durak: Gott, sagt sich da vielleicht einer, in acht Jahren oder in ein paar Jahren interessiert mich das nicht mehr. Was aber ist, Herr Vesper, wenn die Methoden der Untersuchung denen des Dopens hinterherhinken, ich spreche Stammzellendoping, Gendoping an?
Vesper: Der Abstand zwischen den Dopingmethoden, zwischen der Entwicklung von Dopingmitteln auf der einen Seite und der Entwicklung geeigneter Analyseverfahren zur Entdeckung derselben, dieser Abstand - das werden Ihnen alle Experten bestätigen - ist in den vergangenen Jahren kleiner geworden. Das haben wir auch gerade jetzt bei der Tour de France gesehen, wo ja Fahrer ein neues EPO-Präparat genommen haben, das angeblich noch nicht zu entdecken gewesen ist. Es ist aber entdeckt worden, und die Fahrer sind gesperrt worden. Der Abstand ist also kleiner geworden, wobei ich natürlich nie behaupten würde, dass der Sport das Doping gewissermaßen in einer Entscheidungsschlacht ausmerzen könnte. Das wird nicht gelingen, sondern da, wo Menschen zusammen sind, wird es immer auch Betrug, abweichendes Verhalten und eben leider auch Doping geben.
Durak: Herr Vesper, Stammzellendoping, Gendoping, was wir jetzt gehört haben kürzlich, was China insbesondere betrifft - gibt es da nicht den Druck, sportpolitisch Konsequenzen zu ziehen für diese Spiele?
Vesper: Das tun wir ja. Wir haben uns mit Gendoping schon vor anderthalb Jahren intensiv beschäftigt und haben dazu einen runden Tisch durchgeführt mit den Experten, die uns gesagt haben, auch kürzlich noch, dass bislang diese Methoden noch nicht so entwickelt sind, dass da konkrete Leistungssteigerungen erwartbar sind. Aber natürlich werden wir uns und setzen wir uns damit intensiv auseinander und werden auch da alles tun, um den Betrügern das Handwerk zu legen. Auch die Kontrolleure des IOC legen nicht ihre Karten auf den Tisch und erklären nicht, was sie entdecken können, welche Methoden sie anwenden, wo der Stand der Forschung ist. Sie wollen bewusst mögliche Doper im Unklaren lassen, weil nur diese Unklarheit zu der notwendigen Abschreckung führt.
Durak: Herr Vesper, mit dem Motto Ihres Kongresses habe ich so mein Problem, denn ich glaube, das geht eigentlich gar nicht: Sport als Spiegel der Gesellschaft und Vorbild der Gesellschaft. Das geht doch gar nicht.
Vesper: Doch, ich denke, es ist beides richtig. Beides spiegelt die Realität wider. Der Sport ist ganz sicherlich Spiegelbild unserer Gesellschaft, er ist Teil dieser Gesellschaft, und er ist keine heile Welt. Sondern er hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie unsere Gesellschaft ansonsten auch, aber er ist auch - wird jedenfalls oft so gesehen - ein Vorbild in bestimmten Bereichen, einmal im Leistungssport produziert der Sport Idole für junge Menschen. Er trägt mit dazu bei, dass junge Menschen sich auf den Weg machen, im Sport, im Leistungssport sich zu engagieren. Und er trägt aber auch in der Breite dazu bei, Beispiel Integration, gesellschaftliche Probleme mit lösen zu helfen.
Durak: Der Generaldirektor des DOSB Michael Vesper. "Sport als Spiegel und Vorbild der Gesellschaft", der erste Olympische Sportkongress des DOSB, findet heute und morgen in Berlin statt.
