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Biathlon-PräsidentschaftBaiba Broka muss auffallend viele Vorwürfe bestreiten

Zur Wahl des Präsidenten des Internationalen Biathlon-Verbands IBU treten zwei Kandidaten an. Vize-Präsident Olle Dahlin aus Schweden und die lettische Politikerin Baiba Broka. Sie ist im Biathlon noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Was ist in den heiklen Punkten von ihr zu erwarten?

Von Thomas Kistner | 06.09.2018

Die obskure Quereinsteigerin Baika Broka, Spitzenpolitikerin aus Lettlands umstrittener Rechtsaußen-Partei "Nationale Vereinigung" spielte bisher kaum eine Rolle im Verband, gilt aber vielen als Vertraute Bessebergs. Broka bestreitet das strikt. Nur muss die Lettin auffallend viele Vorwürfe bestreiten, und gerät dabei in Widersprüche.
Am Vortag der Wahl bestritt sie jeden Kontakt zur neuen russischen Biathlon-Führung: Dass sie von dieser unterstützt werde, habe ihr Rivale Dahlin verbreitet. Auch lehne sie es ab, Russland schon jetzt die Vollmitgliedschaft zurück zu geben. Die Bedingungen dafür seien nicht erfüllt, zumal eingedenk jüngst aufgedeckter weiterer Dopingfälle.
DSV wird sich erklären müssen
Russische Medien hingegen zitieren die Kandidatin ganz anders. Dem Moskauer "Sport Express" legte sie jüngst sogar ein Telefonat mit Russlands Verbandsboss Wladimir Dratschew dar. Und die Rückgabe der Vollmitgliedschaft an Russland sah sie trotz der neuen Dopingfälle kaum gefährdet.
Das bringt den Deutschen Skiverband in Erklärungsnot. Mancher westliche IBU-Vorstand verortet die Deutschen im lettisch-russischen Lager, der DSV entkräftete diesen Eindruck bisher nicht: Zu Broka hieß es kurz vor der Wahl nur, man wolle "über externe und neutrale Quellen ein Bild über die parteipolitische Situation in Lettland" gewinnen. Das ist keine klare Ansage gegen nationalistische Politik und alte IBU-Pfründe. Der DSV wird erklären müssen, wen er gewählt hat.