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StartseiteWissenschaft im BrennpunktDas wahre "Ich" des Menschen20.03.2016

Big DataDas wahre "Ich" des Menschen

Im Internet offenbaren Menschen Dinge, die sie selbst ihren besten Freunden verheimlichen würden. Ein kleinen Einblick in das, was die Datenschätze der Internetkonzerne so alles hergeben, liefert Christian Rudderin in seinem Buch "Inside Big Data". Sein Blick ist dabei allerdings typisch amerikanisch.

Von Michael Lange

Ein Datenzentrum von Facebook im schwedischen Lappland. (AFP PHOTO/JONATHAN NACKSTRAND)
Ein Datenzentrum von Facebook im schwedischen Lappland. (AFP PHOTO/JONATHAN NACKSTRAND)
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Noch nie hatten Sozial- und Kulturwissenschaftler so viele Informationen über die Vorlieben, Absichten und geheimen Wünsche der Menschheit wie heute. Während die Teilnehmer an Umfragen stets nur ein selbst konstruiertes Bild von sich präsentieren, zeigen Milliarden Menschen im Internet ihr wahres "Ich". Das Bild, das sich zukünftige Historiker von unsrer Zeit machen werden, wird auf den Daten basieren, die das Internet von uns sammelt.

Als einer der Macher des amerikanischen Dating-Portals OkCupid kennt Christian Rudder die Vorlieben und Wünsche der Menschen besser als jeder Wissenschaftler. Um einen Partner oder einer Partnerin für eine Verabredung, eine Beziehung oder gar fürs Leben zu finden, teilen Singles einer anonymen Seite im Internet mit, was sie selbst ihren besten Freunden verheimlichen. Und auch andere Datenkraken kennen uns in und auswendig. Niemand weiß so gut, was uns gerade interessiert wie die Suchmaschine Google, und keiner kennt unser soziales Umfeld besser als Facebook. Die Informationen, die in diesen Datenschätzen verborgen liegen, sind noch nicht einmal ansatzweise bekannt. Und schon deshalb ist es interessant, wenn sich ein Insider wie Christian Rudder ein wenig in die Karten schauen lässt.

Vor allem Beispiele aus den USA

Vieles, was er in seinem Buch darstellt, hat man allerdings so oder so ähnlich schon gehört oder gelesen. Für Männer sind 20-jährige Frauen die attraktivsten, unabhängig davon, wie alt die Männer selbst sind. Bei Frauen hingegen verändert sich das Idealbild von einem attraktiven Mann mit dem Lebensalter. Auch über politische Ansichten, verraten unsere Daten vieles, was wir öffentlich nicht kundtun. Nach der Wahl Obamas zum Präsident suchten Scharen von Google-Usern im Internet nach Nigger-Witzen. Die Daten zeigen: Während sich nur wenige öffentlich als Rassisten zu erkennen geben, sind rassistische Einstellungen allgemein verbreitet, und das nahezu unabhängig von Herkunft, Bildung und politischer Einstellung. Schockierend sind die Auswüchse einer Hasskultur, die Rudder gesammelt hat. Gerüchte, üble Nachrede und Beleidigungen gab es natürlich schon vor Twitter und Facebook, aber noch nie konnten sie sich so rasend schnell ausbreiten wie heute.

Obwohl das Internet längst weltweit unsere Daten sammelt, beschränkt sich das Buch auf Beispiele aus den USA. Auch die Argumentation des Autors ist typisch amerikanisch. Folglich kommen Datenschutz und möglicher Datenmissbrauch nur am Rande zur Sprache. Das Buch ist leicht verständlich geschrieben, teilweise sogar flapsig. Die Informationen kommen dabei leider etwas zu kurz. Die Grafiken sprechen eine deutlichere Sprache als der Text. Christian Rudder reißt ein wichtiges Thema an, zu dem mit diesem Buch aber längst nicht alles gesagt ist.

Christian Rudder: "Inside Big Data - Unsere Daten zeigen, wer wir wirklich sind." Aus dem Englischen von Kathleen Mallett, Hanser-Verlag, 304 Seiten, 24,90 Euro

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