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StartseiteUmwelt und VerbraucherFahrrad-Chaos in Chinas Mega-Städten 29.05.2017

Bike-Sharing boomtFahrrad-Chaos in Chinas Mega-Städten

Innerhalb kürzester Zeit hat sich das Bike-Sharing in China etabliert. Doch mit dem schnellen Wachstum kommen auch Probleme: Es sind einfach zu viele Fahrräder in den Straßen und auf den Bürgersteigen der Mega-Städte unterwegs. Deshalb hat die Regierung jetzt Maßnahmen ergriffen.

Von Markus Pfalzgraf

(Deutschlandradio / Markus Pfalzgraf)
Die Masse an Rädern macht chinesischen Großstädten wie Shanghai Probleme. (Deutschlandradio / Markus Pfalzgraf)
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In den Straßen von Schanghai hat sich etwas verändert: Innerhalb eines Jahres haben verschiedene Anbieter über eine halbe Million Leihfahrräder auf die Straßen gebracht. Sie sind gelb, grün, blau oder rot – je nach Anbieter, und jedes einzelne hat ein Zahlenschloss und einen QR-Code. Der wird mit dem Handy gescannt, und dann bekommt man eine Nummer, mit der das Schloss aufgeht. Abgebucht wird auch über das Handy, im Moment geht es umgerechnet um Cent-Beträge. Das ist günstig und geht schnell – außerdem kommt man mit dem Fahrrad zügiger voran in einer Stadt mit vielen Staus.

Matthew Brennan hat schon mehrere Studien zu Fahrrad-Leihsystemen erstellt. Ein Ergebnis laut Brennan: "In Schanghai können etwa 90 Prozent aller Kurzstrecken mit weniger als neun Kilometern schneller bewältigt werden mit einer Kombination von Fahrrad-Metro-Fahrrad."

Überfüllte Metro-Stationen

Viele Menschen in Schanghai pendeln jetzt so zur Arbeit oder von einem Termin zum anderen. Die Kehrseite: Vor allem an den Metro-Stationen gibt es oft ein wahres Fahrrad-Chaos.

In China sind Mieträder sehr beliebt - zum Beispiel wie hier in Shanghai. (imago / China Foto Press)In China sind Mieträder sehr beliebt - zum Beispiel wie hier in Shanghai. (imago / China Foto Press)

Guo Jian Rong von der Schanghaier Fahrrad-Vereinigung: "In Schanghai gibt es jetzt elf Bike-Sharing-Apps und insgesamt 700.000 Fahrräder. Die Anzahl wächst weiter, jeden Monat. In ganz China gibt es schon zehn Millionen solcher Fahrräder und inzwischen 100 Millionen Nutzer."

Viele Menschen in Schanghai sind genervt von den Massen an Leih-Rädern. Zum Beispiel Oscar Zhang, ein Passant: "Noch vor einem Jahr konnte man an der Straße entlanglaufen. Es war gemütlich hier. Wir konnten in der Sonne sitzen. Jetzt sind hier überall Fahrräder. Fußgänger können sich hier kaum noch bewegen."

Bessere Straßen und mehr Parkplätze

Außerdem sind die Straßen in Schanghai ohnehin voll, und Fahrradspuren, wenn es welche gibt, sind oft eng. Deshalb hat die Regierung jetzt den lokalen Behörden auferlegt, die Probleme in den Griff zu bekommen.

(Deutschlandradio / Markus Pfalzgraf)Fahrradfahrer vor einer Imbissbude in Shanghai (Deutschlandradio / Markus Pfalzgraf)

Guo Jian Rong von der Schanghaier Fahrrad-Vereinigung: "Die Regierung ist dafür verantwortlich, die Straßen besser anzupassen und mehr Parkplätze zu schaffen. Die allgemeine Entwicklung geht da hin, das Bike-Sharing-Geschäft stärker zu regulieren, aber mit einer unterstützenden Haltung."

Das kann etwa mit Kampagnen oder freundlichen Hinweisschildern geschehen. Außerdem sollen alle Fahrräder mit einem satellitengestützten Ortungssystem ausgestattet werden. Dadurch kann man verhindern, dass Leute ein Leihfahrrad einfach zu Hause parken oder im Hinterhof verstecken. Und die GPS-Daten kann man natürlich nutzen: Vielleicht irgendwann auch zur Überwachung, könnte man befürchten. Aber zunächst auch für kommerzielle Zwecke, sagt Fahrrad-Analyst Matthew Brennan.

Wertvolle Daten der Radfahrer

"Daten sind das neue Öl. So lautete eine Überschrift der Zeitschrift Economist. Daten sind enorm wertvoll. Aber die Firmen schalten auch Werbung über die Apps."

Denn die App, mit der man den QR-Code am Fahrrad scannt, und die einem dann eine Zahlenkombination für das Schloss gibt, diese App nutzen moderne Pendler in Schanghai mehrmals täglich. Und allein mit den paar Cent, die eine Fahrt umgerechnet kostet, kann sich das Geschäftsmodell eigentlich nicht rechnen. Deshalb vermutet Fahrrad-Experte Brennan, dass vielleicht bald auch die Preise steigen.

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