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StartseiteWirtschaft und GesellschaftFlughafenchef sieht BER "bestmöglich vorbereitet"19.10.2020

Bilanz des ProbebetriebsFlughafenchef sieht BER "bestmöglich vorbereitet"

Rund 10.000 Komparsen haben den BER in den letzten Wochen auf seine Alltagstauglichkeit getestet – nun ist der Probebetrieb des Flughafens abgeschlossen. Für den regulären Betriebsstart am 1. November werden wegen der Coronakrise aber nur etwa 5.000 Fluggäste erwartet.

Von Claudia van Laak

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Der Flughafen BER im Testbetrieb mit Komparsen am 15.09.2020 (imago / Stefan Zeitz)
Nach der Probe ist vor dem Realbetrieb: Am 1. November soll der Flughafen BER regulär starten (imago / Stefan Zeitz)
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Jetzt muss der Dreck weg. Eine Putztruppe spritzt den Vorplatz sauber, drinnen hangeln sich die Fensterputzer an den großen Glasfassaden entlang. Der Chef des Probebetriebs Roland Böhm zeigt, was  am BER in den letzten Wochen noch ausgebessert wurde. Neue Mülleimer, eine klarere Ausschilderung und nicht zuletzt 100 Ladestationen für Handys und Laptops sollen dafür sorgen, dass die Fluggäste zufrieden sind. 

"Als das Terminal konzipiert wurde, war das überhaupt noch kein Standard, dass man am Sitzplatz sein Handy nachladen kann, und jetzt haben wir entsprechende Stehlen nachgerüstet, wo alle gängigen Formate vorhanden sind."

  (Patrick Pleul / dpa) (Patrick Pleul / dpa)Flughafen Berlin-Brandenburg - "Ein schicksalhafter Bau"
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"Abläufe weitgehend eingespielt"

Knapp 10.000 Freiwillige haben in den letzten Wochen den BER getestet. Sie bekamen mit Altkleidern gefüllte Koffer in die Hände gedrückt und hatten alle eine Rolle zu spielen – zum Beispiel einen Taschendieb oder einen Jäger, der seine Waffe durch die Sicherheitskontrolle bringen muss. Die Abläufe seien weitgehend eingespielt, die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Bundespolizei, Airlines und Bodendienstleistern ausreichend geprobt, versichert Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup.

"Und natürlich wissen wir auch, dass immer irgendetwas schieflaufen wird. Es gibt keine Inbetriebnahme auf der Welt, wo nicht irgendetwas schiefläuft. Aber wir haben uns bestmöglich vorbereitet."

Bereits am kommenden Sonntag nimmt die Deutsche Bahn den unterirdischen Flughafenbahnhof in Betrieb – der BER ist mit der Bahn gut erreichbar, anders als der bisherige innerstädtische Flughafen Tegel, der nur mit Bussen angebunden war. In drei Etappen ab dem 31.Oktober wird der Flugverkehr von Tegel zum BER verlagert.

Auslastung von 20 Prozent

"Wir haben viel mehr Platz als bei der alten Infrastruktur in Tegel, insofern ist am BER sicheres Reisen in Zukunft möglich."

Sprich – notwendige Abstände können am BER eher eingehalten werden als in Tegel. Der bisherige Flughafen Schönefeld bleibt weiter am Netz – am ersten BER-Tag rechnet Airport-Chef Lütke-Daldrup deshalb nur mit 5.000 Fluggästen. Derzeit sind die Berliner Flughäfen nur zu 20 Prozent ausgelastet.

"Corona hat uns extrem getroffen und wir werden mit Sicherheit noch einige Jahre brauchen, um die Krise zu überstehen. Aber mit dem BER, mit dem modernen neuen Flughafen haben wir endlich eine Infrastruktur, die uns aus der Krise heraushelfen wird. Sie wird der Wirtschaft in der Region helfen und Berlin und Brandenburg werden gemeinsam mit dem Flughafen ein attraktives Angebot machen für viele, die sich hier ansiedeln wollen. Tesla ist ja das letzte Beispiel gewesen."

Es bleibt ein Schuldenberg

Eine große Eröffnungs-Party verbietet sich von selbst – nach der jahrelangen Pannenserie, nach Bauverzögerungen und extrem gestiegenen Kosten. Doch selbst ein Empfang im kleinen Kreis könnte jetzt noch Corona zum Opfer fallen. Engelbert Lütke-Daldrup:

"Das ist reine Spekulation, aber ich kann auch nicht ausschließen, dass die Bundesregierung einen kompletten Shutdown macht, keiner kann das ausschließen. Wir sind gut vorbereitet, wir haben alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Nach menschlichem Ermessen werden wir am 31.10. ans Netz gehen."

Eine Woche später wird Tegel endgültig geschlossen. Zurück bleibt ein Schuldenberg, der durch den Einbruch des Flugverkehrs noch angewachsen ist. Die drei Eigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund müssen weiter Millionen zuschießen.

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