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StartseiteUmwelt und VerbraucherBiokraftstoffe statt Erdöl14.11.2005

Biokraftstoffe statt Erdöl

Umweltminister Trittin eröffnet Fachkongress in Berlin

Bio-Kraftstoffe sollen schrittweise konventionelles Benzin ergänzen und auf lange Sicht ersetzen. Denn das Erdöl ist eine begrenzte Ressource, die uns zudem abhängig macht von den Weltmärkten. Heute morgen hat Umweltminister Jürgen Trittin in Berlin einen zweitägigen Kongress zum Thema Biokraftstoffe eröffnet.

Von Dieter Nürnberger

Bundesumweltminister Jürgen Trittin  (AP)
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (AP)

Die Branche spricht von einem - so wörtlich - stürmischen Aufbruch. Und allein die Tatsache, dass heute Vormittag hier in Berlin rund 700 Teilnehmer aus immerhin 27 Ländern zusammenkamen, zeigt die wachsende Bedeutung der Biokraftstoffe für die Zukunft. Es geht um sehr viele Aspekte dieser Thematik. Die Landwirtschaft kann durch nachwachsende Energiepflanzen eine zusätzliche Perspektive bekommen, es geht auch um Förderinstrumente, die der Staat als Unterstützung gewähren kann, und es geht nicht minder natürlich auch um Umweltaspekte. Der Biokraftstoffmarkt boomt derzeit - das ist die Hauptbotschaft des Kongresses, und auf der politischen Ebene in Deutschland soll dies auch so weitergehen. Die neue Bundesregierung, die große Koalition aus CDU und SPD, hat dies so im Vertrag auch niedergeschrieben. Deshalb gute Laune heute Vormittag bei Helmut Lamp, er ist der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Bioenergie.

" Sie haben es sicher vernommen - Biodiesel ist in diesen Tagen in Deutschland weitgehend ausverkauft. Und eine zweite Nachricht ist ein Zitat aus dem Koalitionsvertrag: "Kraft- und Rohstoffe aus Biomasse können einen wichtigen Beitrag zur Energie- und Rohstoffversorgung und auch zum Klimaschutz leisten. Wir werden deswegen die Kraftstoffstrategie mit dem Ziel weiterentwickeln, den Anteil von Biokraftstoffen am gesamten Kraftstoffverbrauch bis zum Jahr 2010 auf 5,75 Prozent zu steigern. "

Man blickt auf erfolgreiche Jahre zurück. Die Kapazitäten in Deutschland für die Produktion von Biodiesel oder auch Bioethanol in den vergangenen drei Jahren sind vorbildlich in Europa. Zwei Millionen Tonnen Diesel wurden produziert, oder auch 500.000 Tonnen Bioethanol. Und wenn dies so weitergeht, dann wird man bis 2007 auf rund 2,8 Millionen Tonnen Biodiesel kommen, man wird dann sogar weltweit eine führende Rolle spielen. Jürgen Trittin, der nun bald scheidende Umweltminister, sieht daran nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Strategie.

" Ein Mix unterschiedlicher Energiequellen von Solar- und Windenergie, Wasserkraft, nachwachsenden Rohstoffen und Biomasse - all dies wird entscheiden über unsere ökonomische Wettbewerbsfähigkeit in den nächsten Jahren. Wir haben hierfür keine schlechten Voraussetzungen. Fruchtbare Böden, eine produktive Landwirtschaft und innovative Wissenschaft. "

Und der hohe Ölpreis und auch die Aussichten, dass dieser künftig wohl eher noch weiter anziehen als fallen wird, dies begünstige nicht nur die Produktion alternativer Kraftstoffe, es rechtfertige auch eine politische Förderung, so Trittin. Allerdings gilt es noch, ein paar technische Herausforderungen zu meistern. Anderswo, beispielsweise in Brasilien, ist man da schon weiter. Hier laufen deutlich mehr Motoren schon mit sehr höheren und auch unterschiedlichen Kraftstoffbeimischungen. Deutschland könne da aber aufschließen, so Jürgen Trittin.

" Allein im Jahre 2004 wurden in Deutschland durch den Einsatz von Biokraftstoffen 2,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden. Neben dem Klimaschutz sind aber auch die wirtschaftlichen Effekte wichtig. Die Förderung der Bioenergie, gerade im ländlichen Raum, hat erheblich zu Wertschöpfung und auch Beschäftigung beigetragen. Etwa 50.000 Arbeitsplätze sind hier entstanden. Der Umsatz, einschließlich Investitionen, beträgt fast 4 Milliarden Euro in diesem Jahr. Allein die von Landwirten erzielten Erlöse für Raps und Biodiesel beliefen sich 2004 auf geschätzte 400 Millionen Euro. "

Für die Zukunft wichtig wird es sein, dass die Biokraftstoffindustrie, aber auch die Automobilhersteller und die Mineralölkonzerne mehr denn je an einem Strang ziehen. Die politischen Zielvorgaben sind eindeutig, eine EU-Richtlinie will den Anteil der Biokraftstoffe bis 2010 auf nahezu 6 Prozent erhöhen. Und weil auch die neue Bundesregierung dies unterstützt, zweifelt man an der Erreichung des Ziels so gut wie gar nicht mehr. Die Zeit der Visionen sei vorbei, hieß es in Berlin, man spricht nun lieber von realistischen Zielen.

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