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StartseiteCampus & KarriereKlimawandel sorgt für neue Jobs07.01.2020

BioökonomieKlimawandel sorgt für neue Jobs

Unternehmen aus allen Branchen stellen sich neu auf, um umweltbewusster zu handeln und zukunftsfähig zu bleiben. So entstehen neue Berufsfelder. Die Bioökonomie, also eine nachhaltige Wirtschaftsform, die biologische Ressourcen effizient nutzt, rückt dabei immer mehr in den Vordergrund.

Von Stephanie Kowalewski

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Zwei Männer in Arbeitskleidung stehen auf einer Wiese vor einer Windkraftanlage. Symbolfoto. (imago images / Westend61)
Jobchancen in der Bioökonomie sollen langfristig gut bleiben - auch wenn den deutschen Windkraftanlagen-Herstellern derzeit die Puste ausgeht... (imago images / Westend61)
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"Schönmackers Umweltdienste, Nadine Püttmann hier."

Nadine Püttmann kümmert sich seit zwei Jahren beim Entsorgungsunternehmen Schönmackers darum, dass aus den Bioabfällen des Kreises Kleve hochwertiger Kompost wird. Ein Traumjob, sagt sie:

"Kreislaufwirtschaft fand ich immer schon spannend. Also dass man wirklich ressourcenschonend verarbeitet und produziert und Kreisläufe möglichst effizient schließt."

Die 25-Jährige ist zwar auf einem Bauernhof aufgewachsen, Landwirtin wollte sie aber nie werden.

"Ich habe an der Hochschule Rhein-Waal nachhaltige Landwirtschaft studiert, habe da meinen Bachelorabschluss vor zwei Jahren gemacht. Und danach berufsbegleitend Biologische Ressourcen mit dem Master of Science abgeschlossen."

Berufliche Trendsetterin ohne Berufsbezeichnung

Jetzt ist Nadine Püttmann so etwas wie eine berufliche Trendsetterin, auch wenn sie nicht genau sagen kann, wie sich ihr Beruf eigentlich nennt:

"Das ist immer schwierig. Eine richtige Berufsbezeichnung wie Bäcker oder Landwirt habe ich nicht."

Bioökonomin trifft es aber ganz gut, findet sie:

"Ja – ich würde es schon zu hundertprozentig in die Bioökonomie stecken, weil wir mit Biomasse arbeiten und versuchen, das einigermaßen ökonomisch wieder aufs Feld zu bringen. Ökonomisch für beide Seiten: Der Ackerbauer kann Dünger einsparen, den er kaufen müsste, und wir können unseren Biokompost verwerten."

Damit sich dieser Kreislauf tatsächlich für das Unternehmen und die Umwelt rechnet, verbringt Nadine Püttmann viel Zeit in ihrem eher schmucklosen Büro, dass sie sich mit einem erfahrenen Kollegen teilt. Hier erstellt sie Excel-Tabellen, wertet Daten aus und entwickelt Konzepte, wie sich neue Kunden gewinnen lassen.

"Also ich gucke, wo wir das hin vermarkten, zu welchen Preisen, in welche Regionen wir fahren, welche Transportwege wir haben, kontrolliere so ein bisschen die Mengenströme. Und seit Neuestem bin ich auch für den Stoffstrom in unserem Unternehmen zuständig. Stoffstrom bedeutet eigentlich, dass wir für alle möglichen Stoffe von Holz, Papier bis Leichtverpackung Absatzwege finden, dass wir das recyceln, damit es möglichst noch einen Nutzen hat."

Das Thema Bioökonomie ist mehr als ein Trend

Auch für Marion Hörsken, die ich im gut 80 Kilometer entfernten Düsseldorf treffe, ist eine nachhaltige und ressourcenschonende Wirtschaft das Gebot der Stunde. Sie kümmert sich bei der IHK Düsseldorf um die Betreuung der Unternehmen, weiß also sehr gut, was die gerade umtreibt.

"Also das Thema Bioökonomie, das ist mehr als ein Trend. Das ist wirklich eine Notwendigkeit für die Unternehmen, um zukunftsfest zu sein."

Marion Hörsken ist sicher, dass es sehr bald sehr viel mehr Jobs in diesem Bereich geben wird.

"Und was halt wirklich wichtig als Botschaft ist, dass das viele Branchen betrifft. Wir reden über Automotive, Bauindustrie, dann Maschinenbau, natürlich Biopharmazeutika, vor allen Dingen Lebensmittel, Futtermittel, Wasch- und Reinigungsmittel, Biokraftstoffe, dann weiter in der Textilindustrie, Papierindustrie. Und dazu sind natürlich qualifizierte Menschen gefragt."

Menschen wie Nadine Püttmann. Neben der Arbeit am Schreibtisch geht sie mindestens einmal am Tag auch durch die Kompostierungshallen, schaut, was ihre Kollegen heute bei den Haushalten so eingesammelt haben.

"Gelbe Warnweste, Arbeitsschuhe, Arbeitskleidung. Hier ist halt auch viel Staub vom Kompost, man reicht es auch ein bisschen. Am Anfang riecht es auch schlimmer als am Ende."

Große Bagger schichten die Bioabfälle um, hieven sie auf ein Förderband, an dem die sogenannten Störstoffe von Hand aussortiert werden.

"Wir haben hier eigentlich alles - also von E-Schrott bis Kleidung, Plastik oder verpackte Lebensmittel, die absolut nicht in die Biotonne gehören."

Es ist immer sinnvoll, Abfall zu verwerten

Auch hier sucht die Bioökonomin nach Wegen, wie sich die Menge der störenden Abfälle verringern lässt – zum Beispiel durch Informationskampagnen und Führungen durch die Anlage.

Nach mehreren Umschichtungs- und Zerkleinerungsprozessen ist der Bioabfallkompost nach rund 20 Tagen fertig. Nadine Püttmann nimmt sich eine Handvoll des wohlriechenden Naturdüngers.

"Sieht schön braun aus, schön erdig. Also wir haben einen Input von 74.000 Tonnen Bioabfall, und im Output haben wir 40.000 Tonnen Bioabfall-Kompost pro Jahr."

Sie habe eine sehr sinnvolle Arbeit, strahlt die 25-Jährige:

"Wenn man bedenkt, dass das ganze Material früher in die Brände gegangen ist, also in die Müllverbrennungsanlagen, und es sind wertvolle Nährstoffe drin, die den Pflanzen nie zugutekommen würden, wenn wir das nicht produzieren würden. Und es ist immer sinnvoll, wenn man Abfall verwertet."

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