Samstag, 24. Februar 2024

Newsblog zum Krieg im Nahen Osten
Die Entwicklungen vom 6. und 7. November 2023

Am 7. Oktober ist der Nahostkonflikt durch einen Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel eskaliert. Wir halten die Entwicklungen in einem Newsblog fest. Hier geht es zum Archiv.

08.11.2023
    Tokio: Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Außenministerin, gibt nach der Abschlusserklärung der G7-Außenminister und Außenministerinnen eine Pressekonferenz.
    Ministerin Baerbock beim G7-Außenministertreffen in Tokio (Sina Schuldt / dpa / Sina Schuldt)
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    Dienstag, 7. November

    +++ Israels Armee ist nach Angaben von Verteidigungsminister Gallant in das Zentrum von Gaza-Stadt vorgerückt.

    Gallant sagte in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, die Stadt sei "der größte je errichtete Terroristen-Stützpunkt der Welt". Durch den Vorstoß der israelischen Soldaten sei unter anderem ein hochrangiger Anführer der Terrororganisation Hamas in einem Bunkerversteck isoliert. Der Minister fügte hinzu, ohne eine Rückkehr der von der Hamas entführten Geiseln werde es keine humanitäre Waffenruhe geben. Ministerpräsident Netanjahu erklärte, kurze Kampfpausen in dem Palästinensergebiet für Hilfslieferungen seien möglich. Zum politischen Vorgehen nach einem Ende des Krieges sagte er, Israel werde auf unbestimmte Zeit die Gesamtverantwortung für die Sicherheit im Gazastreifen haben.
    Zu sehen ist eine israelische Militärkolonne, die von einem Soldaten in eine Richtung gelotst wird.
    Das israelische Militär im Einsatz im Gazastreifen (Ilia Yefimovich/dpa)

    +++ Das Bundeskriminalamt hat in den zurückliegenden vier Wochen mehr als 2.600 Straftaten in Deutschland registriert, die im Zusammenhang mit dem Terrorismus der islamistischen Hamas gegen Israel stehen.

    Die Behörde in Wiesbaden teilte mit, es handele sich um Fälle von Sachbeschädigung, Widerstandhandlungen gegen Polizisten sowie Volksverhetzung. Zudem gebe es eine mittlere dreistellige Zahl von Gewaltdelikten. Zuvor hatte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Klein, eine ähnliche Größenordnung von Straftaten genannt. Er sprach von "Judenhass auf einem in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr dagewesenen Niveau".

    +++ Immer mehr Menschen verlassen den Gazastreifen über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten.

    Im Laufe des Tages seien es mindestens 320 Ausländer mit ihren Angehörigen sowie 100 Ägypter gewesen, verlautet aus ägyptischen Sicherheitskreisen. Das jordanische Außenministerium berichtet von 262 der 569 Staatsbürger des Landes, die seit Beginn des Konflikts im Gazastreifen festsitzen. Einem Ärzte-Vertreter zufolge wurden vier verletzte Bewohner des Gazastreifens zur Behandlung durchgelassen. In dem Küstenstreifen leben etwa 2,3 Millionen Menschen.
    Palästinensische Gebiete, Rafah: Menschen bereiten sich darauf vor, den Gazastreifen über den Rafah-Übergang im südlichen Gazastreifen nach Ägypten zu verlassen.
    Menschen reisen aus dem Gazastreifen aus. (Khaled Omar/XinHua/dpa)
    Am Montagabend hatten nach Angaben des Auswärtigen Amts mehr als 30 weitere deutsche Staatsbürger den Gazastreifen über den Grenzübergang Rafah verlassen können. "Wir arbeiten weiter ohne Unterlass, damit rasch weitere Deutsche aus Gaza ausreisen können", betont Außenministerin Annalena Baerbock via Plattform X. Im Gazastreifen halten sich nach Angaben des Ministeriums insgesamt eine niedrige dreistellige Zahl deutscher Staatsbürger auf.

    +++ In mehreren israelischen Städten haben Menschen der rund 1.400 Opfer des Angriffs durch die Hamas vor genau einem Monat gedacht.

    Während der Krieg im Gazastreifen andauerte, hielt das Land um 11 Uhr inne, um mit einer Schweigeminute an die Getöteten und die mehr als 200 verschleppten Geiseln zu erinnern. Gedenkzeremonien und Trauerbekundungen gab es unter anderem in Jerusalem, Tel Aviv sowie im israelischen Parlament. - Die Terroristen hatten am 7. Oktober vom Gazastreifen aus die Grenze in den Süden Israels überquert. Sie töteten unter anderem Besucher eines Musikfestivals und überfielen Menschen in ihren Häusern.

    +++ An palästinensischen Opfern des Nahost-Krieges wird aus Sicht des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland zu wenig Anteil genommen.

    Ein Aufschrei angesichts der vielen Todesopfer im Gazastreifen sei bisher ausgeblieben, erklärte die Dachorganisation zahlreicher muslimischer Verbände in Köln. Wer öffentlich darauf aufmerksam mache, müsse vielmehr mit Ausgrenzung rechnen. So seien etwa muslimische Schulkinder seit Beginn des Krieges Diskriminierung und Stigmatisierung ausgesetzt. Gleichzeitig werde ihre Distanzierung zum Terrorismus der Hamas in Zweifel gezogen. Der Koordinationsrat der Muslime mahnte eine Versachlichung der Debatte an und forderte mehr Differenzierung. Insbesondere Medien und Politik warf der Verband eine Spaltung der Gesellschaft in pro-palästinensisch und pro-israelisch vor. Das widerspreche jedoch einem bestehenden Konsens für eine friedliche Lösung. Die meisten Menschen forderten auf beiden Seiten ein Ende der Gewalt.
    Ein junger Mann geht an den Trümmern des Al-Shati Flüchtlingscamps in Gaza-Stadt vorbei, ein anderer steht davor.
    Die israelische Armee verstärkt die Luftangriffe auf Gaza-Stadt. (IMAGO / APAimages / IMAGO / Photo by Bashar Taleb\ apaimages)

    +++ Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben erneut mutmaßliche Terroristen im Libanon angegriffen.

    Dabei habe es sich um eine Reaktion auf einen Versuch gehandelt, Panzerabwehrraketen in Richtung Israel zu feuern, teilte das Militär mit. Um eine Bedrohung abzuwehren, hätten israelische Streitkräfte zudem einen Posten der Hibsollah attackiert.
    Südlibanon: Zwischen Israel und der Hisbollah

    +++ US-Außenminister Blinken hat vor dem Treffen mit seinen Kollegen und Kolleginnen der G-7-Gruppe die Einigkeit des Staatenbündnisses bezüglich des Nahost-Kriegs angemahnt.

    Blinken sagte am Tagungsort Tokio, es sei ein entscheidender Moment für die G-7.

    +++ 30 weitere Bundesbürger haben den Gazastreifen verlassen können.

    Dies teilte Außenministerin Baerbock vor dem G-7-Treffen in Tokio mit. Nach ihren Angaben sind es damit nun insgesamt 50 Deutsche. Der Grenzübergang Rafah nach Ägypten war heute erneut für Ausländer und Palästinenser mit doppelter Staatsangehörigkeit geöffnet worden. Mehrere hundert Personen verließen das Gebiet.

    +++ Seit Beginn des Kriegs im Gazastreifen sind dort nach UNO-Angaben 70 Prozent der Bevölkerung vertrieben worden.

    Das teilte das UNO-Palästinenserhilfswerk UNRWA mit. Notunterkünfte seien teils mit dem Vierfachen ihrer Kapazität überbelegt. In etwa 240 UNO-Einrichtungen sind demnach mehr als 1,2 Millionen Menschen untergekommen. Die Zustände seien unmenschlich und würden sich mit jedem Tag weiter verschlechtern. In einer Unterkunft stünden pro Person weniger als zwei Quadratmeter zur Verfügung. Mindestens 600 Menschen würden sich dort eine Toilette teilen. Es gebe Tausende Fälle von Infektions- und Durchfallerkrankungen sowie Windpocken.

    +++ Deutschland nimmt seine Entwicklungszusammenarbeit mit dem UNO-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNWRA) wieder auf.

    Das gab Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) anlässlich eines Gesprächs mit UNWRA-Generalkommissar Philippe Lazzarini in der jordanischen Hauptstadt Amman bekannt. Die Bundesregierung hatte ihre Gelder für Entwicklungsprojekte, die Vertriebenen in den Palästinensergebieten sowie palästinensischen Flüchtlingen in den Nachbarländern zugute kommen, nach dem Überfall der Hamas vor einem Monat vorübergehend gestoppt.
    Svenja Schulze spricht mit Philippe Lazzarini (2.v.r), Generalkommissar des Vereinten Nationen-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten
    Svenja Schulze spricht mit Philippe Lazzarini (2.v.r), Generalkommissar des Vereinten Nationen-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (Hannes P. Albert/dpa)

    +++ In Tokio kommen die Außenminister der G7-Staaten zur Stunde zusammen, um den Krieg im Nahen Osten zu erörtern.

    Deutschland wird von Außenministerin Baerbock vertreten. Die Grünen-Politikerin erklärte, es solle darüber gesprochen werden, wie man humanitäre Pausen erreichen könne, um die Not der Menschen im Gazastreifen zu lindern.

    +++ Kurz vor dem Jahrestag der antijüdischen Pogrome vom 9. November 1938 hat das Bundesinnenministerium vor möglichen Attacken auf jüdische Einrichtungen in Deutschland gewarnt.

    Ein Sprecher sagte dem "Handelsblatt", man könne nicht ausschließen, das es zu unangemeldeten Versammlungen in Verbindung mit Straftaten wie Beleidigung, Volksverhetzung und Sachbeschädigung vor israelischen Einrichtungen sowie Gebetshäusern komme. Mit Blick auf den Krieg in Nahost betonte er, bei pro-palästinensische Veranstaltungen könnte es auch zur Verkehrung der Täter- und Opferrollen kommen. Man habe sehr genau im Blick, welche Auswirkungen der Terror der Hamas gegen Israel für die Sicherheitslage in Deutschland habe.

    +++ Heute soll es zahlreichen Ausländern sowie Palästinensern mit zweitem Pass erneut ermöglicht werden, den Gazastreifen zu verlassen und nach Ägypten auszureisen.

    Die Rede ist von mehreren hundert Personen, darunter auch zahlreiche Deutsche. Nach Angaben der palästinensischen Grenzbehörde stehen auch Bürger etwa aus Frankreich, Kanada und der Ukraine auf der Liste. Zuletzt konnten Ausländer den Gazastreifen über den Kontrollpunkt Rafah verlassen.

    +++ Israels Armee beginnt die nächste Stufe im Verteidigungskrieg gegen die Hamas im Gazastreifen.

    Nach eigenen Angaben sollen die Kämpfer der Terrororganisation nun auch in ihren Tunneln und Bunkern im nördlichen Gazastreifen gestellt werden. Man fange an, sich ihnen zu nähern, teilte Militärsprecher Hecht mit. Das bedeute, dass sie oberirdisch und unterirdisch angegriffen würden.
    Mehrere israelische Kampffahrzeuge und Panzer sind in der Nähe der Grenze zwischen Israel und Gaza im Einsatz.
    Das israelische Militär bereitet sich darauf vor, die Hamas auch unterirdisch anzugreifen. (Ilia Yefimovich/dpa)

    +++ Israel ist nach Aussage von Ministerpräsident Netanjahu im Gaza-Krieg grundsätzlich zu kurzen Feuerpausen bereit.

    Zwar lehne er nach wie vor einen allgemeinen Waffenstillstand ohne eine Freilassung der von der militant-islamistischen Hamas verschleppten Geiseln ab, sagte Netanjahu dem US-Sender ABC News. Taktisch kleinere Pausen habe man aber schon. Vermutlich werde man die Umstände prüfen, damit humanitäre Güter in den Gazastreifen gelangen oder einzelne israelische Geiseln herauskommen könnten.

    +++ Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen einem Bericht zufolge ein voll ausgestattetes Feldlazarett im Gazastreifen einrichten.

    Nach Angaben der staatlichen Agentur des Golfstaats starteten am Montag fünf Flugzeuge mit der für die Einrichtung und den Betrieb des Feldlazaretts erforderlichen Ausrüstung von Abu Dhabi aus in Richtung Ägypten. Die Agentur berichtete jedoch nicht, ob es eine Vereinbarung mit Israel über diese Initiative gibt.

    +++ Bei einem Angriff auf die Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifen sind in der Nacht mehrere Häuser zerstört worden.

    Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie Ersthelfer fünf Leichen - darunter die von drei Kindern - aus den Trümmern zogen. Anwohner machten die israelischen Streitkräfte für den Angriff verantwortlich. Israel hatte Zivilisten zuvor dazu aufgerufen, im Süden Schutz zu suchen.

    +++ Israelische Truppen haben die palästinensische Aktivistin Ahed Tamimi im besetzten Westjordanland festgenommen.

    Ihr wird Aufstachelung zur Gewalt vorgeworfen. Tamimi wurde 2017 bekannt, als sie im Alter von 16 Jahren einen israelischen Soldaten ohrfeigte, der ihr Dorf durchsucht hatte. Tamimi und andere protestieren seit Jahren gegen israelische Landnahmen. Ihre Mutter weist die Behauptung der Aufstachelung zurück und erklärte, der Vorwurf beruhe auf einem gefälschten Instagram-Post. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Aussagen nicht überprüfen. Das Militär hat sich nicht zu dem Sachverhalt geäußert.

    Montag, 6. November

    +++ UNO-Generalsekretär Guterres hat erneut zu einer sofortigen humanitären Waffenruhe im Gazastreifen aufgerufen.

    Das Vorgehen der israelischen Streitkräfte treffe Zivilisten, Krankenhäuser, Flüchtlingslager, Moscheen, Kirchen und UNO-Einrichtungen - einschließlich Schutzräumen. Niemand sei sicher, sagte Guterres. Gleichzeitig benutzten die Hamas und andere Kämpfer Zivilisten als menschliche Schutzschilde und feuerten weiter wahllos Raketen auf Israel ab. Er warnte davor, dass der Gazastreifen zu einem "Friedhof für Kinder" werde.

    +++ Die USA und Israel haben einem Sprecher zufolge über mögliche Angriffspausen beraten.

    John Kirby, der Sprecher des Weißen Hauses, bestätigte ein Gespräch zwischen US-Präsident Biden und dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu. Beide hätten mögliche taktische Pausen bei den Angriffen auf den Gazastreifen erörtert. Die USA und Israel würden über solche vorübergehenden Unterbrechungen aus humanitären Gründen und wegen möglicher Geiselbefreiungen in Kontakt bleiben, sagte Kirby. Die beiden Regierungschefs hätten vereinbart, die Gespräche in den kommenden Tagen fortzusetzen.

    +++ Jordanien stellt angesichts der Angriffe auf den Gazastreifen seine Beziehung zu Israel auf den Prüfstand.

    Im Umgang mit der israelischen Aggression gegen den Gazastreifen und deren Auswirkungen stünden für Jordanien alle Optionen offen, sagte Ministerpräsident al-Chasawneh in staatlichen Medien. Der israelische Angriff diene nicht der Selbstverteidigung und unterscheide nicht zwischen zivilen und militärischen Zielen. Jordanien wolle deshalb seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Israel überprüfen.

    +++ Die Evakuierung von Ausländern und Verletzten aus dem Gazastreifen über den Grenzübergang Rafah ist ägyptischen Sicherheitskreisen zufolge wieder möglich.

    Rund 80 Menschen mit doppelter Staatsangehörigkeit und 17 Verwundete hätten bis zum frühen Abend die Grenze nach Ägypten passiert, sagten drei Vertreter der ägyptischen Sicherheitsbehörden. Zugleich seien 48 Lastwagen mit Hilfsgütern in das Palästinenser-Gebiet gefahren. Zuvor hatte der von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Grenzschutz im Gazastreifen mitgeteilt, dass der Grenzübergang nur für die Evakuierung von Ägyptern und seit dem 1. November auf Listen erfassten Ausländern geöffnet sei.

    +++ Die bei einem Messerangriff in Ost-Jerusalem schwer verletzte israelische Polizistin ist gestorben.

    Dies teilte die zuständige Polizei mit. Ein mit einem Messer bewaffneter Terrorist hatte den Angaben zufolge vor einer Polizeiwache auf die Frau eingestochen. Grenzpolizisten hätten den 16-jährigen Angreifer getötet, hieß es weiter. Den Polizeiangaben zufolge wurde die Frau bei dem Vorfall zunächst schwer verletzt, ein Kollege habe leichte Verletzungen davongetragen. Beide Opfer waren nach Angaben der israelischen Rettungsdienste 20 Jahre alt. Die später gestorbene Polizistin hatte auch die US-Staatsbürgerschaft. Der Angreifer wurde von der Polizei als ein junger Palästinenser aus dem Stadtteil Issawiya in Ost-Jerusalem identifiziert. Ein weiterer Verdächtiger sei nahe der Polizeiwache festgenommen worden, hieß es.

    +++ Die USA wollen nach den Worten von Außenminister Blinken die humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen ausweiten.

    Man arbeite mit Nachdruck daran und habe konkrete Pläne zur Umsetzung, sagte Blinken nach einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Fidan in Ankara. Details nannte er nicht. Fidan forderte eine sofortige Feuerpause im Gazastreifen. Blinken deutete an, durch Gespräche mit verschiedenen arabischen und israelischen Politikern während seiner mehrtägigen Nahost-Reise möglicherweise eine Zuspitzung der Lage verhindert zu haben. Auf die Frage nach den Fortschritten verwies er auf Bemühungen, eine regionale Eskalation zu vermeiden und erklärte, manchmal sei die Tatsache, dass nichts Schlimmes passiere, vielleicht nicht der offensichtlichste Beweis für einen Fortschritt. Aber es gebe ihn.

    +++ Die Hamas hat nach eigenen Angaben vom Libanon aus 16 Raketen auf Israel abgefeuert.

    Das teilte der militärische Arm der Hamas, die Kassam-Brigaden, mit. Ziele seien die Stadt Naharijja und das südliche Haifa gewesen. Das israelische Militär erklärt, rund 30 Raketen seien vom Libanon aus auf Israel abgeschossen worden. Die Abschuss-Stellen würden mit Artilleriegranaten beschossen.

    +++ Eine israelische Spezialeinheit hat nach Armeeberichten im Westjordanland vier Palästinenser gezielt getötet.

    Die israelische Armee teilte mit, es handele sich um vier Terroristen von einem Terrornetzwerk in Tulkarem. Sie seien verantwortlich für Dutzende von bewaffneten Angriffen und planten weitere Terrorattacken. Zwei Sturmgewehre seien bei ihnen sichergestellt worden. Nach palästinensischen Medienberichten handelte es sich bei zwei von ihnen um einen Kommandeur der islamistischen Hamas sowie einen Kommandeur der Al-Aksa-Brigaden. Das ist eine bewaffnete Gruppierung, die der Fatah von Palästinenserpräsident Abbas nahesteht. Videoaufnahmen zeigten ein Auto, das von vielen Kugeln getroffen worden war.

    +++ Israel reagiert auf den anhaltenden Krieg mit einer hohen Spenden- und Hilfsbereitschaft.

    In der dritten Kriegswoche spendeten 62 Prozent der israelischen Bevölkerung Geld oder Sachgüter für betroffene Landsleute, wie aus einer Umfrage der Universitäten Tel Aviv und Ben Gurion hervorgeht. Die durchschnittliche wöchentliche Spendensumme lag demnach bei umgerechnet 108 Euro pro Person. Im Vergleich zu gewöhnlichen Jahren und früheren Krisensituationen stieg die Bereitschaft laut Bericht deutlich an. 2019 spendeten demnach 47 Prozent der Bevölkerung, 2020 während der Corona-Pandemie 42 Prozent.

    +++ 35 jüdische und arabische Friedens- und Menschenrechtsgruppen in Israel fordern eine Waffenruhe in Gaza.

    Waffenstillstand im Gazastreifen, Freilassung der von der Hamas entführten israelischen Geiseln und eine politische Lösung des Nahost-Konflikts: Das sind die Forderungen von 35 jüdischen und arabischen Friedens- und Menschenrechtsgruppen in Israel. Es sei offensichtlich, dass es keine militärische Lösung für diesen Konflikt gebe und auch niemals geben könne, heißt es laut der Zeitung "Haaretz" in einem Offenen Brief der Organisationen. Ferner fordern die Unterzeichner, darunter die Gruppe "Rabbiner für Menschenrechte" und die linke jüdisch-arabische Partei "Chadasch", ein umfassendes Gefangenenabkommen und das Ende der Siedlergewalt in den besetzten Gebieten.

    +++ Der von Hamas kontrollierte Grenzschutz im Gazastreifen teilt mit, dass der Grenzübergang Rafah nur für die Evakuierung von Ägyptern und auf Listen erfassten Ausländern geöffnet ist.

    Alle, die nicht auf den Listen für eine Ausreise stünden, könnten wegen einer Verordnung ägyptischer Behörden den Gazastreifen nicht über Rafah verlassen. In der Stadt Rafah befindet sich der einzige Grenzübergang zwischen dem Gazastreifen und Ägypten.

    +++ Israels Armee hat den Zivilisten im nördlichen Gazastreifen erneut ein Zeitfenster für die Flucht in den Süden des Küstengebiets genannt.

    Die Armee erlaube zwischen 10.00 Uhr und 14.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MEZ) die Durchfahrt auf einer Verbindungsstraße Richtung Süden, schrieb ein Sprecher am Vormittag auf Arabisch auf der Plattform X. Er veröffentlichte dazu eine Karte, auf der die Straße eingezeichnet war. Der Sprecher rief die Menschen dazu, sich zu ihrer eigenen Sicherheit schnellstmöglich in Richtung Süden zu bewegen.

    +++ Im Gazastreifen ist ein Ausfall der Kommunikationsnetze nach mehr als 15 Stunden behoben worden.

    Festnetz, Mobilfunk und Internet in verschiedenen Bereichen würden "schrittweise" wieder funktionieren, teilte das im Westjordanland ansässige palästinensische Unternehmen Paltel mit. Zuvor seien Hauptleitungen von Israel am Abend abgeschaltet worden, hieß es. Von israelischer Seite gab es dafür keine Bestätigung. Es war der dritte Telekommunikationsausfall seit Beginn des Kriegs zwischen der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas und Israel am 7. Oktober.

    +++ Griechenland hat ein Frachtflugzeug mit humanitären Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen nach Ägypten geschickt.

    Die Maschine sei am Montagmorgen gestartet, berichteten der Sender "ERT" und die Zeitung "Kathimerini". Die Lieferung, die nach Angaben des griechischen Außenministeriums pharmazeutisches und humanitäres Material umfasst, soll von Ägypten aus in den Gazastreifen weitergeleitet werden. Das sei mit den ägyptischen Behörden abgesprochen, teilte das Ministerium mit.

    +++ US-Außenminister Blinken hat in der Türkei seinen Amtskollegen Fidan getroffen.

    Zu Beginn der Gespräche in Ankara äußerten sich beide Außenminister nicht öffentlich. Blinken bemühte sich dabei um Unterstützung für Versuche der USA, "humanitäre Pausen" beim israelischen Militäreinsatz gegen die Hamas im Gazastreifen nach deren Terrorangriff auf Israel zu erreichen. Vor dem türkischen Außenministerium protestierten am Montag Dutzende Demonstranten einer islamistischen Gruppe mit türkischen und palästinensischen Flaggen gegen die USA und Israel.

    +++ Das US-Militär hat die Präsenz eines atomwaffenfähigen U-Boots im Nahen Osten bestätigt.

    Das für die Region zuständige Kommando veröffentlichte ein entsprechendes Foto aus dem ägyptischen Suez-Kanal. Zudem machten die Vereinigten Staaten das Bild eines atomwaffenfähigen Langstreckenbombers publik. Dieser operiert ebenfalls im Nahen Osten.

    +++ Aus Sicherheitsgründen hat Großbritannien einen Teil seines Botschaftspersonals sowie alle Angehörigen von Diplomaten aus dem Libanon abgezogen.

    Es handle sich um eine vorübergehende Maßnahme wegen der aktuellen Sicherheitslage, teilte das Außenministerium in London mit. Die Botschaft setze ihre Arbeit eingeschränkt fort, hieß es weiter. Seit Beginn des Nahost-Kriegs kommt es an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon immer wieder zu Konfrontationen zwischen der israelischen Armee und der schiitischen Hisbollah-Miliz. Dabei gab es auf beiden Seiten Tote.

    +++ Bei einem mutmaßlichen Anschlag in Jerusalem sind nach Aussagen von Sanitätern zwei Menschen verletzt worden.

    Eine etwa 20-jährige Frau sei schwer verletzt worden, teilte der Rettungsdienst "Magen David Adom" mit. Ein etwa 20-jähriger Mann sei durch Stiche leicht verletzt worden. Nach Angaben der Sanitäter wurde der Angreifer "neutralisiert"». Unklar blieb bei dieser Formulierung, ob er getötet oder womöglich festgenommen wurde. Medienberichten zufolge soll es sich bei den Verletzten um Grenzpolizisten handeln.

    +++ Israel hat nach eigenen Angaben Hunderte Ziele im Gazastreifen angegriffen.

    Die israelische Luftwaffe bombardierte in den vergangenen 24 Stunden rund 450 Ziele, teilte das Militär am Morgen mit. Darunter seien Tunnel, militärische Anlagen sowie Abschussrampen für Panzerabwehrraketen der islamistischen Hamas gewesen. Zudem hätten die Truppen am Boden einen militärischen Komplex eingenommen. Auf dem Gelände sollen sich demnach Beobachtungsposten, Trainingsbereiche sowie unterirdische Terrortunnel befinden. Bei dem Einsatz seien "mehrere Hamas-Terroristen" getötet worden, hieß es.

    +++ Die jordanische Luftwaffe hat nach Angaben des Landes medizinische Hilfsgüter über dem Gazastreifen abgeworfen.

    Der jordanische König Abdullah der Zweite erklärte im Onlinedienst X, gegen Mitternacht seien Medikamente und andere medizinische Güter über einem von seinem Land betriebenen Feldlazarett per Fallschirm abgeworfen worden. Es sei die Pflicht Jordaniens, verletzten Brüdern und Schwestern im Gazastreifen zu helfen. Die Aktion war mit der israelischen Regierung abgestimmt worden.

    +++ Ein ARD-Team ist im Westjordanland von israelischen Soldaten vorübergehend festgehalten und bedroht worden.

    Demnach hatten die Journalisten über Gewalt gegen Palästinenser im Westjordanland recherchiert. Südlich der palästinensischen Stadt Hebron seien sie gestoppt worden. Die Soldaten sollen sich den Journalisten gegenüber überaus aggressiv verhalten haben. Mehrfach seien Waffen in das Auto gehalten worden. Der Bayerische Rundfunk, der das ARD-Studio Tel Aviv betreibt, betrachtet den Vorfall als Angriff auf die Pressefreiheit.

    +++ Papst Franziskus hat mit dem iranischen Präsidenten Raisi telefoniert.

    Das Gespräch bestätigte der Vatikan. Laut Mitteilung auf der Website des iranischen Präsidenten ging es in dem Gespräch um den Krieg im Nahen Osten. Raisi habe in diesem Zusammenhang den Papst-Appell für einen Waffenstillstand gelobt, hieß es weiter. Diesen Appell habe das katholische Kirchenoberhaupt im Telefonat bekräftigt.

    +++ Einem Pressebericht zufolge zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die antisemitischen Straftaten in Deutschland im laufenden Jahr zugenommen haben.

    Aus einer Kleinen Anfrage der Linksfraktion im Bundestag gehe hervor, dass im dritten Quartal 2023 bisher 540 Fälle polizeilich erfasst worden seien, schreibt die "Rheinische Post" aus Düsseldorf. Im Vorquartal seien 446 entsprechende Vergehen registriert worden und im ersten Quartal des Jahres 379. Dabei handele es sich jeweils um vom Bundeskriminalamt vorläufig erfasste Zahlen, hieß es weiter.

    +++ Bundeskanzler Scholz hat die Menschen in Deutschland angesichts antisemitischer Vorfälle zum "Schutz von Jüdinnen und Juden" aufgerufen.

    "Wer Juden in Deutschland angreift, greift uns alle an", sagte Scholz dem "Mannheimer Morgen". "Antisemitismus werden wir nicht akzeptieren. Wir haben glasklare Gesetze: Es ist strafbar, israelische Fahnen zu verbrennen. Es ist strafbar, den Tod von Unschuldigen zu bejubeln. Es ist strafbar, antisemitische Parolen zu brüllen", sagte Scholz weiter.

    +++ Die Vorsitzenden der elf UNO-Organisationen und sechs Hilfsgruppen haben eine sofortige humanitäre Feuerpause im Gazastreifen gefordert.

    Zudem müsse der Schutz von Zivilisten und ein rascher Zugang zu Nahrung, Wasser, Medikamenten und Treibstoff in dem Küstengebiet gewährleistet werden, heißt es in einer Stellungnahme. Darin verurteilten sie den terroristischen Überraschungsangriff der Hamas und anderer extremistischer Gruppen vom 7. Oktober als "entsetzlich". Doch seien "entsetzliche Tötungen von noch mehr Zivilisten in Gaza ein Frevel, ebenso, 2,2 Millionen Palästinenser von Nahrung, Wasser, Medizin, Strom und Treibstoff abzuschneiden", schrieben Vorsitzende des sogenannten Ständigen Interinstitutionellen Ausschusses bei den UNO und die Hilfsgruppen in ihrer Erklärung.

    +++ Der Direktor des US-Geheimdienstes CIA wird laut einem Bericht der "New York Times" heute Israel besuchen.

    Er werde auch in andere Länder im Nahen Osten reisen, um die Situation im Gazastreifen zu diskutieren, berichtet die Zeitung unter Berufung auf US-Beamten. Die CIA sich dazu nicht geäußert.

    +++ Israel hat den Beschuss im Norden des Gazastreifens nach Angaben eines israelischen Militärsprechers an zwei aufeinanderfolgenden Tagen für mehrere Stunden eingestellt.

    So habe der Zivilbevölkerung ein sicherer Weg in den Süden ermöglicht werden sollen. "Gestern und heute haben wir für mehrere Stunden mit vorheriger Ankündigung und Warnung den Beschuss in bestimmten Gebieten im nördlichen Gazastreifen, dem Hauptkampfgebiet, eingestellt und die Palästinenser aufgefordert, nach Süden zu ziehen", sagte Oberstleutnant Jonathan Conricus dem US-Sender CNN am Sonntag.

    +++ Im israelisch-libanesischen Grenzgebiet hat es weitere Todesopfer gegeben.

    Bei einem Raketenangriff der militant-islamistischen Hisbollah aus dem Libanon wurde ein israelischer Zivilist getötet. Im Süden des Nachbarlands wurden nach Angaben libanesischer Medien eine Frau und drei Kinder in ihrem Auto durch eine israelische Drohne getötet. Nach Darstellung der israelischen Armee handelte es sich um ein Transportfahrzeug für Terroristen.

    +++ US-Außenminister Blinken hat im Rahmen seiner Vermittlungsbemühungen zum Gaza-Krieg auch Zypern besucht.

    Nach Angaben der Regierung in Nikosia kam Blinken mit dem zyprischen Präsidenten Christodoulides zusammen. Dabei sei es um die mögliche Einrichtung eines humanitären Seekorridors zwischen dem Gazastreifen und der Mittelmeerinsel gegangen, hieß es. Dadurch solle Hilfe von Zypern in das Palästinensergebiet gelangen.

    +++ Der Grünen-Vorsitzende Nouripour hat die extremistischen Vorfälle bei pro-palästinensischen Demonstrationen kritisiert.

    Nouripour sagte der Funke-Mediengruppe, antisemitische Parolen und Aufrufe zur Unterstützung islamistischer Organisationen wie bei einer Kundgebung am Freitag in Essen seien inakzeptabel. Es sei gut, dass die Polizei hier ermittle. Neben der Demonstration in Essen hatte es auch bei einer Kundgebung am Samstag in Düsseldorf Vorfälle gegeben. Die Polizei stellte mehrere Transparente sicher, auf denen der Holocaust relativiert wurde.

    Die bisherigen Entwicklungen im Konflikt zwischen Israel und der Hamas finden Sie hier.