Donnerstag, 25. April 2024

Newsblog zum Krieg im Nahen Osten
Die Entwicklungen vom 18. bis 24. Dezember 2023

Am 7. Oktober ist der Nahostkonflikt durch einen Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel eskaliert. Wir halten die Entwicklungen in einem Newsblog fest. Hier geht es zum Archiv.

25.12.2023
    Der Führer der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas, Ismail Hanija (l), und Jihia al-Sinwar (r), der Chef der Gaza-Hamas, winken am 14.12.2017 in Gaza bei einer Demonstration, die anlässlich der Gründung der Bewegung vor 30 Jahren stattfindet.
    Jihia al-Sinwar (r) ist einer der wichtigsten Führer der Terrororganisation Hamas (picture alliance / Wissam Nassar / dpa / Wissam Nassar)
    Zu den aktuellen Entwicklungen geht es hier.

    Sonntag, 24. Dezember

    +++ Bei den Kämpfen im Gazastreifen sind nach Hamas-Angaben bislang mehr als 20.400 Palästinenser getötet worden.

    Man gehe davon aus, dass noch tausende Menschen unter den Trümmern begraben seien, hieß es. Wie die israelische Armee mitteilte, wurden seit dem Beginn der Bodenoffensive 153 Soldaten getötet. Die Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Israels Ministerpräsident Netanjahu räumte ein, dass der Krieg gegen die Hamas von seinem Land einen sehr hohen Preis fordere.
    Trauernde tragen mehrere Särge, die mit Palästina-Fahnen zu sehen sind.
    Beisetzung getöteter Palästinenser im Gazastreifen. (picture alliance/dpa/Sputnik | Ahmed Zakot)

    +++ Bundesinnenministerin Faeser hat die Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, sich von den Terror-Drohungen in der Weihnachtszeit nicht einschüchtern zu lassen.

    Man nehme die islamistische Terrorgefahr zwar sehr ernst und sei äußerst wachsam, sagte sie. Zugleich halte man an den liebgewonnenen weihnachtlichen Traditionen fest und lasse sich nicht einschränken. Die SPD-Politikerin fügte hinzu, die Sicherheitsbehörden hätten die islamistische Szene im Visier und handelten konsequent.
    Faeser ist zwischen zwei unscharfen grauen Streifen zu sehen. Sie schaut mit ernstem Blick nach oben.
    BundesInnenministerin nancy Faeser. (Michael Kappeler / dpa / Michael Kappeler)

    +++ Offenbar auch im Saarland eine Festnahme

    Die ARD berichtet ohne Angaben von Quellen, der Verdächtige könne in Verbindung zur Extremistengruppe ISPK stehen, dem pakistanischen Ableger des Islamischen Staates. Der Mann sei den saarländischen Behörden schon lange als Extremist bekannt, hieß es weiter. Die Hinweise auf seine mögliche Beteiligung an einer Straftat sind demnach aber vage.

    +++ Festnahmen in Österreich

    Der österreichische Verfassungsschutz nahm nach Angaben des Innenministeriums bei Ermittlungen gegen ein islamistisches Netzwerk vier Menschen fest. Derzeit liefen Befragungen der Verdächtigen, teilte die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst des österreichischen Innenministeriums mit.

    +++ Im Kölner Dom werden die Weihnachtsgottesdienste trotz des eingegangenen Gefahrenhinweises stattfinden, allerdings unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen.

    Die Kirche bat die Besucher der Weihnachtsgottesdienste um Geduld. Alle geplanten Messen anlässlich der Feiertage fänden statt, teilte Dompropst Assmann mit. Einlass werde aber nur über Zugangskontrollen gewährt. Die Polizei werde in den nächsten Tagen eine hohe Präsenz rund um den Dom zeigen.
    Eine Gruppe von Polizisten und ein Polzeifahrzeug. Vor dem Eingang des Doms stehen Besucher Schlange.
    Polizei vor dem Kölner Dom. (dpa / Roberto Pfeil)

    +++ Im "Heiligen Land" wird Weihnachten wegen des Kriegs in diesem Jahr still begangen.

    Der Zugang zur Stadt Bethlehem im Westjordanland ist durch Straßensperren der israelischen Armee extrem eingeschränkt. Die traditionelle Mitternachtsmesse in der Geburtsstadt Jesu soll aber stattfinden.

    +++ Die Zahl der getöteten israelischen Soldaten im Krieg gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen ist israelischen Angaben zufolge auf 152 gestiegen.

    Das israelische Militär erklärte, neun Soldaten seien am Samstag getötet worden - einer der höchsten Werte an einem Tag getöteter Soldaten seit dem Beginn des israelischen Bodeneinsatzes.
    Das Bild zeigt mehrere bewaffnete israelische Soldaten vor einer Häuserruine.
    Israelische Soldaten bei Kämpfen in Schedschaija, Gaza-Stadt. (dpa / Moti Milrod)

    +++ Das Bundeskriminalamt hat nach Presseerkenntnissen rund 2.600 politisch motivierte Straftaten registriert, die sich auf den aktuellen Konflikt zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas beziehen.

    Davon seien über 1.100 Straftaten als antisemitisch motiviert eingestuft worden, teilte das BKA gegenüber der Funke Mediengruppe mit. Dabei gehe es vor allem um Volksverhetzung und Sachbeschädigungen. Mit Blick auf die Sicherheitslage hierzulande heißt es weiter, die Entwicklungen im Nahen Osten seien dazu geeignet, eine "hohe Gefährdungsrelevanz" zu entfalten.

    +++ Die israelische Armee weitet ihren Bodeneinsatz im Gazastreifen nach eigenen Angaben aus.

    Armeesprecher Hagari erklärte, die Truppen seien in "komplexe Gefechte in dicht besiedelten Gebieten" verwickelt und würden dabei in weitere Hochburgen der militant-islamistischen Hamas vordringen. Es gehe weiterhin darum, Tunnelsysteme aufzuspüren und zu zerstören sowie umfangreiches Waffenmaterial der Terroristen sicherzustellen oder zu vernichten.

    +++ US-Präsident Biden hat den israelischen Regierungschef Netanjahu erneut zum Schutz der Zivilbevölkerung im Gazastreifen aufgerufen.

    Nach Angaben des Weißen Hauses hob Binden in dem Telefonat die Notwendigkeit hervor, den Menschen zu erlauben, sich aus den Kampfgebieten zu entfernen und sich vor den Gefechten in Sicherheit zu bringen. Es müssten auch jene geschützt werden, die an humanitärer Hilfe für das Palästinensergebiet beteiligt seien.
    Zu sehen ist US-Präsident Joe Biden am Rednerpult im Weißen Haus.
    US-Präsident Joe Biden. (AP / Manuel Balce Ceneta)

    +++ Die Arabische Liga hat die Resolution des UNO-Sicherheitsrates zur humanitären Hilfe für die Menschen im Gazastreifen als ungenügend kritisiert.

    Generalsekretär Aboul Gheit sagte im ägyptischen Fernsehen, die Entschließung reiche nicht aus, um die - so wörtlich - israelische Maschinerie der Aggression zu stoppen. Die Zivilisten im Gaza-Streifen benötigten nicht nur Hilfe, sondern auch Schutz vor den ständigen israelischen Bombardements, so der Generalsekretär. Auch die Organisation Amnesty International nannte die Resolution unzureichend. Sie sei zwar wichtig, aber angesichts der anhaltenden Zerstörungen und der steigenden Todeszahlen sei eine sofortige Waffenruhe unabdingbar.

    +++ UNO-Generalsekretär Guterres hatte nach der Resolution für die Erweiterung humanitärer Hilfen im Gazastreifen zu einem Waffenstillstand aufgerufen.

    Es sei die einzige Möglichkeit, den dringenden Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden, sagte Guterres in New York. Es sei noch viel mehr nötig als in der Entschließung stehe. Die UNO-Resolution war am Freitag nach tagelangen Diskussionen in New York zustande gekommen. Darin wird Israel aufgefordert, unverzüglich einen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang in den Gazastreifen zu ermöglichen. Die Forderung nach einem Aussetzen der Gewalt wurde nicht aufgenommen, da ansonsten ein erneutes Veto der USA gedroht hätte.

    Samstag, 23. Dezember

    +++ In Berlin hat erneut eine Demonstration gegen das israelische Vorgehen im Gaza-Streifen stattgefunden.

    Rund 2.000 Teilnehmer zogen unter dem Motto "Solidarität mit Palästina" vom Stadtteil Kreuzberg zum Brandenburger Tor. Sie forderten ein sofortiges Ende der Angriffe und mehr humanitäre Hilfe für das Palästinensergebiet. Die Demonstration verlief nach Angaben der Polizei friedlich. Zu der Veranstaltung hatte die Berliner Linkspartei aufgerufen.

    +++ Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben einen hochrangigen Funktionär der Hamas getötet, der demnach für den Waffennachschub der Terrororganisation verantwortlich war.

    Hassan al-Atrasch sei am Freitag bei einem gezielten Luftangriff in Rafah im südlichen Gazastreifen getötet worden, teilte die israelische Luftwaffe auf X mit. Al-Atrasch habe die Produktion und Verteilung von Waffen im Gazastreifen sowie den Schmuggel von Rüstungsgütern aus dem Ausland organisiert, hieß es in der Mitteilung. Auch militante Palästinenser im israelisch besetzten Westjordanland habe er mit Waffen versorgt. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Palästinensische Medien hatten am Freitag berichtet, dass bei einem Luftschlag in Rafah drei Menschen ums Leben gekommen seien.

    +++ Die iranischen Revolutionsgarden haben mit einer Ausweitung der Angriffe auf internationale Seerouten gedroht.

    Ein Sprecher erklärte in Teheran, sollte die israelische Militäraktion im Gaza-Streifen nicht aufhören, müssten sich die USA und ihre Verbündeten auf eine komplette Blockade des Mittelmeers einstellen. Der Iran unterstützt unter anderen die Hamas im Gaza-Streifen, die Hisbollah im Libanon und die Huthi-Rebellen im Jemen. Letztere hatten sich zu zahlreichen Angriffen auf Handelsschiffe im Roten und im Arabischen Meer bekannt. Die US-Regierung warf dem Iran vor, maßgeblich an der Planung dieser Angriffe beteiligt zu sein.
    Im Arabischen Meer gab es heute eine weitere Attacke: Ein mit Chemikalien beladener Frachter wurde auf dem Weg nach Indien mit einer Drohne angegriffen. Die Besatzung des unter liberianischer Flagge fahrenden Tankers habe ein Feuer an Bord löschen können, hieß es. Verletzt wurde demnach niemand.
    Im Visier der Huthi: Containerschiffe im Roten Meer
    Im Visier der Huthi: Containerschiffe im Roten Meer (IMAGO / ABACAPRESS / IMAGO / Geyres Christophe / ABACA)

    +++ Die Arabische Liga hat die Resolution des UNO-Sicherheitsrates zur humanitären Hilfe für die Menschen im Gazastreifen als ungenügend kritisiert.

    Generalsekretär Aboul Gheit sagte im ägyptischen Fernsehen, die Entschließung reiche nicht aus, um die - so wörtlich - israelische Maschinerie der Aggression zu stoppen. Die Zivilisten im Gaza-Streifen benötigten nicht nur Hilfe, sondern auch Schutz vor den ständigen israelischen Bombardements.

    +++ UNO-Generalsekretär Guterres hat nach der Resolution für die Erweiterung humanitärer Hilfen im Gazastreifen zu einem Waffenstillstand aufgerufen.

    Es sei die einzige Möglichkeit, den dringenden Bedürfnissen der Menschen in Gaza gerecht zu werden, sagte Guterres in New York. Es sei noch viel mehr nötig als in der Resolution stehe.
    Mehrere Staaten sprachen von einer verwässerten Einigung und zeigten sich enttäuscht.

    +++ Israel will ungeachtet der Resolution des UNO-Sicherheitsrates, die eine Aufstockung der Hilfe für die Palästinenser im Gazastreifen fordert, an seinem Vorgehen festhalten.

    Außenminister Cohen schrieb im Onlinedienst X, man werde den Krieg gegen die Hamas fortsetzen, bis alle Geiseln freigelassen seien und die Terrororganisation eliminiert sei. Auch an der Kontrolle der Hilfslieferungen soll sich aus israelischer Sicht nichts ändern. "Israel wird die gesamte humanitäre Hilfe für Gaza weiterhin aus Sicherheitsgründen inspizieren", erklärte Cohen. Die Regierung in Jerusalem befürchtet, dass in den Lastwagen, die humanitäre Hilfe nach Gaza bringen, auch Waffen geschmuggelt werden könnten. Es würden deshalb alle Transportfahrzeuge inspiziert, bevor sie in den Gazastreifen einfahren dürfen.

    +++ Mehr als 1.000 Straftaten mit antisemitistischem Hintergrund hat das Bundeskriminalamt laut Medienberichten seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel registriert.

    Dabei handele es sich vor allem um Schmierereien an Synagogen sowie das Verbrennen von Israel-Flaggen, wie die "Welt am Sonntag" berichtet. Die Zahl der antisemitischen Straftaten liege damit etwa doppelt so hoch wie im letzten Quartal des vergangenen Jahres. Die Behörden gehen für dieses Jahr noch von steigenden Zahlen aus, da Ermittlungen bei den Staatsschutz-Dienststellen noch laufen, wie es hieß. Zudem hätten auch in den Sozialen Medien Hass, Hetze, Gewaltaufrufe und Morddrohungen gegen Israel sowie Jüdinnen und Juden zugenommen.

    +++ Der frühere Außenminister Gabriel hält Deutschlands Einfluss als möglicher Vermittler im Nahen Osten für begrenzt.

    Deutschland und Europa spielten im Nahost-Krieg "praktisch keine Rolle", sagte der SPD-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Man sei nur Zuschauer. Zudem habe das unterschiedliche Abstimmungsverhalten Deutschlands und Frankreichs in der jüngsten UNO-Generalversammlung gezeigt, dass es in Europa keine gemeinsame Linie gebe. Deutschland habe im arabischen Raum einmal einen sehr guten Ruf als fairer Vermittler gehabt. Er habe den Eindruck, dass Deutschland dabei sei, diesen guten Ruf zu verlieren, meinte Gabriel.

    Freitag, 22. Dezember

    +++ Israelische Kampfjets haben nach Angaben der Armee erneut Stellungen der Schiitenmiliz Hisbollah im Südlibanon angegriffen.

    Die Attacke erfolgte als Reaktion auf mehrere Raketenangriffe der Miliz auf Ziele im Norden Israels, teilte die Armee mit. Die israelische Artillerie habe zunächst die Stellungen beschossen, aus denen heraus die Raketen abgefeuert worden waren. Anschließend seien israelische Kampfjets aufgestiegen, die die Raketenstellungen angegriffen hätten. Darüber hinaus seien "Terror-Infrastruktur" sowie militärische Einrichtungen der Hisbollah getroffen worden. Die Schiitenmiiliz gab bekannt, dass ihre Angriffe israelischen Kasernen und Truppenkonzentrationen im Norden Israels gegolten hatten.

    +++ Nach tagelangem Ringen hat der UNO-Sicherheitsrat in einer Resolution die Aufstockung der humanitären Hilfe im Gazastreifen gefordert.

    Das Gremium verabschiedete in New York einen deutlich aufgeweichten Kompromisstext. Die USA enthielten sich. Seit Anfang der Woche hatte es danach ausgesehen, dass Washington seine Vetomacht einsetzen würde, um die Interessen des Verbündeten Israel zu schützen. Massive Zugeständnisse der Unterhändler verhinderten ein Scheitern des Beschlusses jedoch in letzter Sekunde. Insgesamt stimmten 13 der 15 Länder für den Text, neben den USA enthielt sich Russland.
    Der völkerrechtlich bindende Beschluss fordert Israel dazu auf, "unverzüglich einen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang" in den Gazastreifen zu ermöglichen. Auch müssten die Voraussetzungen für eine nachhaltige Einstellung der Gewalt geschaffen werden.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    +++ Im Gaza-Krieg sind bislang 68 Medienschaffende ums Leben gekommen.

    Nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten handelt es sich um 61 Palästinenser, vier Israelis und drei Libanesen. Die Organisation sprach von der gefährlichsten Situation für Journalisten, die man bislang gesehen habe. Wie es weiter heißt, hatten die israelischen Streitkräfte den Nachrichtenagenturen Reuters und Agence France Press mitgeteilt, dass sie die Sicherheit ihrer im Gazastreifen tätigen Journalisten nicht garantieren könnten. Drei der getöteten Journalisten sollen für den Hisbollah-nahen Fernsehsender Al-Mayadeen gearbeitet haben, zwei für den Hamas-nahen Al-Quds und mindestens 13 für den Hamas-nahen Fernseh- und Radiosender Al-Aqsa.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    +++ Israels Militär hat die Anwohner von Al-Bureidsch im Zentrum des Gazastreifens zur Flucht aufgerufen.

    Die Menschen sollten Schutzräume in einer Ortschaft rund sechs Kilometer weiter südlich aufsuchen, wie ein Sprecher der Armee mitteilte. Die Aufforderung gilt demnach auch für Menschen aus anderen Vierteln im Norden sowie im Zentrum des Küstengebiets. Israel hatte kürzlich angekündigt, die Bodenoffensive auf weitere Gebiete im Gazastreifen auszudehnen. Der Armee-Sprecher kündigte eine vierstündige humanitäre taktische Kampfpause in einem Viertel Rafahs im Süden des Gazastreifens an.

    +++ Amnesty International hat das israelische Militär aufgefordert, den Aufenthaltsort von zwei verhafteten Journalisten zu nennen.

    Die beiden Männer Nidal al-Waheidi und Haitham Abdelwahed aus dem Gazastreifen seien am 7. Oktober von israelischen Streitkräften festgenommen, als sie am Grenzübergang Beit Hanoun/Erez über den Angriff der Hamas berichteten, heißt es in einer Mitteilung.
    Die Journalisten würden unter Bedingungen festgehalten, die dem Verschwindenlassen gleichkämen. Israelische Sicherheitskräfte hatten mehreren Journalisten, die am 7. Oktober unmittelbar vom Terrorangriff der Hamas auf Israel berichteten, Komplizenschaft vorgeworfen.

    +++ Russland will weiterhin humanitäre Hilfe in den Gazastreifen schicken.

    In einem Telefonat mit dem Präsidenten der palästinensischen Autonomiebehörde, Abbas, habe der russische Staatschef Putin zudem eine Feuerpause für den Gazastreifen angemahnt, teilte der Kreml mit. Putin habe außerdem die "Wiederaufnahme des politischen Prozesses" mit Blick auf eine Zwei-Staaten-Lösung gefordert.

    +++ Die Weltgesundheitsorganisation hat einen sprunghaften Anstieg der Infektionskrankheiten im Gazastreifen vermeldet.

    Nur noch neun von 36 Gesundheitseinrichtungen seien teilweise funktionsfähig, allesamt im Süden des Küstengebiets, teilte die UNO-Organisation mit. Es gebe eine Verfünffachung der Durchfallerkrankungen, insbesondere bei Kleinkindern, im Vergleich zur Zeit vor dem Beginn des Gaza-Kriegs zwischen der militant-islamistischen Hamas und Israel. Auch Infektionen der oberen Atemwege, Hirnhautentzündungen, Hautausschläge, Krätze, Läuse und Windpocken hätten zugenommen.

    +++ UNO-Nothilfekoordinator Griffiths hat die Untätigkeit der Welt mit Blick auf den Krieg zwischen der militant-islamistischen Hamas und Israel im Gazastreifen beklagt.

    "Die Tatsache, dass ein solch brutaler Konflikt so lange andauern durfte - trotz der weit verbreiteten Verurteilung, des physischen und psychischen Tributs und der massiven Zerstörung - ist ein unauslöschlicher Makel für unser kollektives Gewissen", schrieb er.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    +++ Bei Angriffen Israels auf den Gazastreifen sind nach Angaben der dortigen Gesundheitsbehörde inzwischen mehr als 20.000 Menschen getötet worden.

    Seit dem Beginn der Vergeltungsangriffe des israelischen Militärs für den Überfall von Hamas-Kämpfern auf Israel am 7. Oktober seien im Gazastreifen 20.057 Menschen getötet und 53.320 verletzt worden, teilt die Behörde mit.

    +++ Im Gazastreifen leben durch die von Israel angeordneten Räumungen weitreichender Landstriche inzwischen Hunderttausende Menschen auf kleinstem Raum.

    Die Bevölkerungsdichte in der Region Rafah im Süden an der Grenze zu Ägypten liege bei mehr als 12.000 Personen pro Quadratkilometer, berichtete das UNO-Nothilfebüro OCHA. Das entspricht viermal so viel wie vor Beginn der jüngsten Eskalation am 7. Oktober, die mit dem Überfall von Terroristen aus dem Gazastreifen auf Israel begann.

    +++ Der UNO-Sicherheitsrat hat nach Diplomatenangaben die geplante Abstimmung über eine Resolution zum Gaza-Krieg um einen Tag verschoben.

    Der Text war auf Druck der USA abgeschwächt worden. Damit hätten sich einige Mitglieder des Sicherheitsrats unzufrieden gezeigt, hieß es. Gestrichen wurde unter anderem eine Verurteilung von "willkürlichen Angriffen auf Zivilisten" durch die israelische Armee.
    Der Entwurf fordert Israel dazu auf, unverzüglich einen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang in den Gazastreifen zu ermöglichen. Auch müssten die Voraussetzungen für eine nachhaltige Einstellung der Gewalt geschaffen werden. Hilfslieferungen in den Gazastreifen sollen durch einen neu eingesetzten UNO-Koordinator überprüft werden.
    Die Abstimmung war wegen eines zu erwartenden Vetos der USA bereits mehrfach verschoben worden. Laut der amerikanischen UNO-Botschafterin würden die USA den neuen Entwurf aber nicht zurückweisen.

    +++ Der internationalen Militärkoalition zur Sicherung des Seehandels im Roten Meer haben sich nach US-Angaben bereits mehr als 20 Länder angeschlossen.

    Ein Sprecher des Pentagon sagte, die Streitkräfte der Koalition würden Handelsschiffen auf der wichtigen Route bei Gefahr helfen. Die Angriffe der Huthi-Miliz im Jemen richteten sich gegen das wirtschaftliche Wohlergehen von Nationen auf der ganzen Welt. Laut der US-Regierung haben die Huthi in den vergangenen Wochen mehr als hundert Drohnen- und Raketenangriffe auf zehn Handelsschiffe ausgeführt.
    Die Koalition zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer wird von den USA angeführt. Ihr gehören unter anderem Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, die Niederlande, Norwegen und Spanien an. Auch die Bundesregierung erwägt eine Beteiligung.
    Die Karte zeigt den Golf von Aden, das Rote Meeer, den Jemen und ain einem roten Kästchen den Ort der Angriffe: Die Meeresenge Bab al-Mandab.
    Kartenansicht der Region um das Rote Meer und den Golf von Aden mit der Meeresenge Bab al-Madab, an der sich die Angriffe auf Frachtschiffe ereignen. (dpa )

    Donnerstag, 21. Dezember

    +++ Mehr als eine halbe Million Menschen im Gazastreifen leiden nach Angaben eines UNO-Berichts unter Hunger.

    Seit dem Ausbruch des Krieges zwischen der Hamas im Gazastreifen und Israel vor zehn Wochen gelangten nicht mehr genug Lebensmittel in das Küstengebiet, hieß es in einem Bericht von 23 UNO- und Nichtregierungsorganisationen. Der Chefökonom des Welternährungsprogramms, Hussain, warnte vor einer ausgewachsenen Hungersnot innerhalb der nächsten sechs Monate, falls der Krieg andauere und die Lebensmittellieferungen nicht wiederhergestellt würden.

    +++ Die israelische Armee hat ihre Angriffe gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen weiter ausgedehnt.

    Das israelische Militär teilte mit, die Bodentruppen nähmen nun verstärkt auch den mittleren Teil der Küstenregion ins Visier. Weiter hieß es, man habe erneut mehrere Kommandeure der Hamas getötet. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von zahlreichen Explosionen und einem der stärksten israelischen Bombardements seit Beginn des Krieges. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist kein Krankenhaus im Gazastreifen mehr voll funktionstüchtig.

    +++ Der britische Außenminister Cameron drängt auf mehr Hilfslieferungen für den Gazastreifen per Schiff.

    Man arbeite daran, dass künftig britische Schiffe Hilfslieferungen von Zypern aus nach Gaza bringen können, sagte Cameron nach einem Treffen mit dem ägyptischen Außenminister Samih Schukri am Donnerstag. Alles was getan werden könne, müsse auch getan werden, um den Menschen im Gazastreifen zu helfen, betonte Cameron. Israels Außenminister Cohen hatte gestern bei einem Besuch auf Zypern erklärt, dass derzeit die Einzelheiten geklärt würden.

    +++ In Tel Aviv und anderen israelischen Städten hat es erneut Raketenalarm gegeben.

    In Medienberichten war von rund 30 Geschossen die Rede, die aus dem Gazastreifen abgefeuert worden seien. Die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Terrororganisation Hamas, erklärten, sie hätten eine Salve von Raketen in Richtung Israel abgefeuert.

    +++ Nach Angaben der Vereinten Nationen hat Israel im Süden des Gazastreifens weitere Bereiche ausgewiesen, die evakuiert werden sollen.

    Dies geschieht normalerweise im Vorfeld von Angriffen. Laut dem Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten betrifft die geplante Evakuierung rund 20 Prozent des Stadtgebiets von Chan Junis. Darunter fielen auch 32 Notunterkünfte mit rund 140.000 Menschen, die aus anderen Gebieten des Gazastreifens geflohen seien. Chan Junis im Süden gilt als Hochburg der Hamas.

    +++ Eine neue Pipeline versorgt den Gazastreifen aus Ägypten heraus mit Wasser.

    Die Nachrichtenagentur der Vereinigten Arabischen Emirate teilte mit, es sollten täglich mehr als 2.200 Kubikmeter Meerwasser aus dem Mittelmeer durch drei Entsalzungsanlagen aufbereitet werden. Die Anlagen seien von den Emiraten finanziert worden. Dadurch könnten bis zu 300.000 Menschen im Gazastreifen mit Wasser versorgt werden. Zum Vergleich: Der Wasserverbrauch in Berlin liegt bei mehr als 400.000 Kubikmetern pro Tag. Die WAM meldet weiter, die Entsalzungsanlagen seien über eine 900 Meter lange Pipeline mit dem Gazastreifen verbunden. UNO-Organisationen beklagen seit Wochen, dass die Wasserversorgung im Gazastreifen de facto zusammengebrochen ist.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    +++ Im Norden des Gazastreifens gibt es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kein betriebsfähiges Krankenhaus mehr.

    Ein WHO-Vertreter sagte auf einer Online-Pressekonferenz aus Jerusalem, es fehle an Treibstoff, Mitarbeitenden und Materialien. Die Al-Ahli-Klinik sei die letzte gewesen. Inzwischen sei aber auch sie nur noch minimal funktionsfähig.

    +++ Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in den USA, Kirby, bestätigt, dass intensive Gespräche über eine mögliche erneute Waffenruhe und einen Austausch von Geiseln der Hamas gegen palästinensische Häftlinge in Israel laufen.

    Kirby sagte, es seien sehr ernsthafte Gespräche und Verhandlungen, und man hoffe, dass sie zu etwas führten. Hamas-Führer Hanija war gestern zu Gesprächen nach Kairo gereist, um mit ägyptischen Beamten zu sprechen, die sich um die Vermittlung eines neuen Waffenstillstands bemühen.
    Israel geht davon aus, dass sich noch 129 Geiseln im Gazastreifen befinden. Im November waren im Zuge einer von Katar, Ägypten und den USA vermittelten einwöchigen humanitären Feuerpause insgesamt 105 aus Israel verschleppte Geiseln und 240 in Israel inhaftierte Palästinenser freigekommen.

    +++ Die Präsidentin des israelischen Olympischen Komitees, Arad, hat die Teilnahme ihres Landes an den Sommerspielen 2024 in Paris praktisch garantiert.

    Sie sagte der französischen Zeitung L'Equipe, man gehe die Spiele mit der Überzeugung an, zu 100 Prozent da zu sein und wie jede andere Nation teilnehmen zu können. Arad wörtlich: "Wir stehen immer noch unter dem Schock des 7. Oktobers. Es ist schwer, schlafen zu gehen und am Morgen die Augen zu öffnen. Jeder hat einen Angehörigen verloren. Sie betonte, für Sportler sei es schwer vorstellbar, unter diesen Umständen irgendetwas zu tun, das nicht dazu beitrage, ihren Landsleuten zu helfen. Man wolle durch den Olympiastart aber die Flagge der Nation hochhalten.

    +++ Die israelische Armee hat in den Tunneln im Gazastreifen auch Aufenthaltsorte der Hamas-Führung entdeckt.

    Das Militär veröffentlichte entsprechende Aufnahmen. Sie sollen demnach eine große Anzahl an Tunneln zeigen, die Verstecke, Büros und Wohnungen von Anführern der Terrorgruppe miteinander verbinden. Sie seien von einem Platz im Zentrum von Gaza-Stadt aus zugänglich gewesen. Weiter hieß es, unter anderen die Hamas-Anführer Sinwar und Deif hätten die Tunnel genutzt. Den beiden wirft Israel die Planung des Terrorangriffs am 7. Oktober vor. Die Armee hatte nach eigenen Angaben auch gestern Ziele der Hamas im Süden des Gazastreifens attackiert. Inzwischen deutet sich sowohl auf Seiten Israels als auch der Hamas eine grundsätzliche Bereitschaft zu einer erneuten Feuerpause an.

    Mittwoch, 20. Dezember

    +++ Der UNO-Sicherheitsrat hat Diplomaten zufolge eine Abstimmung über eine neue Gaza-Resolution abermals verschoben.

    Das Votum sei nun auf Donnerstag angesetzt worden. Das von den Vereinigten Arabischen Emiraten vorgelegte Papier fordert unter anderem eine Aussetzung der Gewalt im Gazastreifen, um mehr humanitäre Hilfslieferungen zu ermöglichen. Der 15-köpfige Rat sollte ursprünglich am Montag abstimmen, das Votum wurde bereits mehrfach verschoben.

    +++ Israel und Zypern arbeiten an einem Seekorridor für Hilfsgüter in den Gazastreifen.

    Der Korridor solle einer von Israel koordinierten Sicherheitsinspektion unterzogen werden, heißt es in einer Erklärung des israelischen Außenministeriums. Das übergeordnete Ziel sei die Schaffung eines "schnellen Weges" für die Lieferung humanitärer Hilfe über einen Seekorridor. Technische Teams beider Länder würden das Vorhaben am Mittwoch und Donnerstag weiter erörtern.
    Menschen stehen vor einer Mauer und halten Töpfe und Gefäße darüber, um etwas zu essen zu bekommen. Auf der anderen Seite rühren Männer in großen Töpfen.
    Ein großer Teil der Bevölkerung im Gazastreifen leidet unter Hunger. Heute kam zum ersten Mal eine Hilfsgüter-Lieferung aus Jordanien. (AP / Hatem Ali)

    +++ Zum ersten Mal seit Beginn der Kämpfe im Gazastreifen hat ein Konvoi aus Jordanien Hilfsgüter dorthin gebracht.

    Insgesamt erreichten 46 Lastwagen mit rund 750 Tonnen Lebensmitteln die notleidenden Menschen. Bisher wurden die wenigen Hilfsgüter nur über einen Grenzübergang von Ägypten aus transportiert. Erst vor kurzem hat ganz im Süden auch ein israelischer Grenzübergang für Hilfslieferungen aufgemacht. Nach Angaben der UNO leidet rund die Hälfte der Bevölkerung im Gazastreifen an Hunger. Sie hat nur begrenzten Zugang zu Essen und Wasser und auch kaum Schutz oder medizinische Hilfe.

    +++ Hunderttausenden vertriebenen Menschen im Gazastreifen fehlt es nach Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF an Wasser.

    Kindern stünden pro Tag nur 1,5 bis 2 Liter Wasser zur Verfügung, teilte UNICEF mit. Nach humanitären Standards liege das Minimum in solchen Notsituationen für Trinken, Waschen und Kochen bei 15 Litern. Zum Überleben seien mindestens drei Liter notwendig. Die Wasser- und Hygienesituation im Grenzort Rafah, wo hunderttausende Menschen Zuflucht gesucht haben, sei in einem extrem kritischen Zustand, berichtete das Kinderhilfswerk.
    Ein Mädchen im südlichen Gazastreifen holt in einem Eimer Wasser. Im Hintergrund hängt Wäsche auf der Leine.
    Ein Mädchen im südlichen Gazastreifen holt in einem Eimer Wasser. (AFP / MOHAMMED ABED)

    +++ Der Anführer der Terror-Organisation Hamas, Hanija, ist zu Gesprächen in Ägypten eingetroffen.

    Eine Delegation sei am Flughafen Kairo angekommen, hieß es. Die Hamas bestätigte auf Telegram den Besuch in Ägypten. Bei den Gesprächen soll es unter anderem um eine mögliche Waffenruhe für den Gazastreifen sowie die Freilassung von Geiseln gehen. Israel hat Berichten zufolge einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Hanija ist eine der wichtigsten Führungsfiguren der Hamas. Er hält sich seit einigen Jahren nicht im Gazastreifen, sondern in Katar auf.

    +++ Seit Beginn des Krieges zwischen der israelischen Armee und der Terror-Organisation Hamas im Gazastreifen sind nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mehr als 66 Prozent der Arbeitsplätze im verschwunden.

    Es seien 192.000 Stellen verloren gegangen. "Heute kann kaum jemand im Gazastreifen ein Einkommen aus Arbeit erzielen", sagte der stellvertretende Regionaldirektor der ILO für die arabischen Staaten, Rademaker. "Es könnte sogar noch schlimmer werden."

    +++ Im Gazastreifen sind die Telekommunikationsdienste nach Angaben des Anbieters Paltel erneut ausgefallen.

    Alle Kommunikations- und Internetdienste seien wegen der "anhaltenden Aggression" vollständig eingestellt worden, schrieb das im Westjordanland ansässige palästinensische Unternehmen auf Facebook. Die Organisation NetBlocks, die für die Beobachtung von Internetsperren bekannt ist, bestätigte auf der Plattform X den erneuten Zusammenbruch.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    +++ Im Krieg zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas signalisieren beide Seiten eine grundsätzliche Bereitschaft zu einer weiteren humanitären Feuerpause.

    Israels Staatschef Herzog sagte, sein Land sei bereit "zu einer neuen humanitären Pause und zusätzlicher humanitärer Hilfe, um eine Freilassung der Geiseln zu ermöglichen". Hamas-Chef Hanijeh wurde derweil in Ägypten zu Gesprächen über eine Feuerpause und einen Gefangenenaustausch erwartet. Nach Angaben des US-Nachrichtenportals "Axios" hat Israel über Katar eine neue, mindestens einwöchige Feuerpause vorgeschlagen, um Geiseln freizubekommen.

    +++ Israel erwägt nach Ende der derzeitigen intensiven Kampfphase im Norden des Gazastreifens die Errichtung eines humanitären Lagers für palästinensische Zivilisten.

    Wie der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf zwei israelische Beamte sowie einem mit den Plänen vertrauten Vertreter internationaler humanitärer Hilfseinsätze berichtete, seien die Planungen noch im Anfangsstadium. Ob es tatsächlich zur Realisierung eines solchen Lagers komme, sei unklar. Es sei aber der erste Hinweis darauf, dass Israel sich Gedanken darüber mache, wie palästinensische Zivilisten in den nördlichen Gazastreifen zurückkehren könnten, sobald die derzeitige Phase der Militäroperationen dort beendet sei.

    +++ Im Gazakrieg mehren sich die Anzeichen für eine erneute Feuerpause.

    Das US-Nachrichtenportal "Axios" meldet, Israel habe eine Kampfpause von mindestens einer Woche angeboten, um die Freilassung weiterer Geiseln zu ermöglichen. Auch Präsident Herzog stellte eine Kampfpause in Aussicht. Nach israelischen Angaben befinden sich noch 129 Geiseln in der Gewalt der Terror-Organisation Hamas. Der Anführer der Hamas, Hanija, ist unterdessen zu Gesprächen in Ägypten eingetroffen. Mit Regierungsvertretern will er über den Krieg im Gazastreifen sprechen.

    +++ Israels Armee hat nach eigener Darstellung die Stadt Dschabalia im Norden des Gazastreifens erobert.

    Kommandeur Cohen teilte mit, seine Division habe die operative Kontrolle über den Ort erlangt. Soldaten hätten bei Gefechten Hunderte Terroristen getötet. 500 Terrorverdächtige hätten sich ergeben. Einige davon seien an dem Überfall auf Israel am 7. Oktober beteiligt gewesen. Die Armee zerstörte eigenen Angaben zufolge Kommandozentralen und Produktionsstätten für Raketen in der Gegend. Die Stadt Dschabalia ist aus einem 1948 errichteten Flüchtlingslager entstanden. Sie gilt als wichtiger Stützpunkt der Terrororganisation Hamas.

    +++ Der UNO-Sicherheitsrat hat eine Abstimmung über eine neue Gaza-Resolution auf Bitten der Vereinigten Staaten erneut verschoben.

    Das Votum ist nun auf Mittwoch (17 Uhr MEZ) angesetzt, teilten mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur mit. Ein Diplomat eines Ratsmitglieds sagte auf Anfrage, die verlängerte Frist scheine dazu zu dienen, US-Präsident Biden zu überzeugen, nicht vom amerikanischen Vetorecht Gebrauch zu machen. Eine Enthaltung des Israel-Verbündeten USA würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Annahme der Resolution bedeuten. Das von den Vereinigten Arabischen Emiraten vorgelegte Papier fordert unter anderem eine Aussetzung der Gewalt im Gazastreifen, um mehr humanitäre Hilfslieferungen zu ermöglichen.

    Dienstag, 19. Dezember

    +++ Israel und die militant-islamistische Terrororganisation Hamas haben sich erneut heftige Kämpfe geliefert.

    In der israelischen Küstenstadt Tel Aviv wurde nach Angaben des Militärs das erste Mal seit mehreren Tagen Luftalarm ausgelöst. Zu dem Raketenbeschuss bekannten sich die Kassam-Brigaden, der bewaffnete Arm der Hamas. Auch im Norden des Landes wurden Bewohner gewarnt. Derweil flog Israel weitere Luftangriffe auf den Gaza-Streifen; Bodentruppen fanden nach eigenen Angaben weitere Waffen, Sprengstoff und Material zum Bau von Raketen. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben aus dem Kriegsgebiet ist nicht möglich.

    +++ Israels Präsident Jitzchak Herzog hat Bereitschaft seines Landes erkennen lassen, sich auf eine weitere Feuerpause im Gazastreifen einzulassen, um die von der Hamas festgehaltenen Geiseln freizubekommen und mehr Hilfe in die belagerte palästinensische Enklave zu bringen.

    "Israel ist zu einer weiteren humanitären Pause und zu zusätzlicher humanitärer Hilfe bereit, um die Freilassung der Geiseln zu ermöglichen", sagt Herzog nach Angaben seines Büros bei einer Versammlung von Botschaftern. "Und die Verantwortung liegt vollständig bei (Hamas-Chef Jahja) Sinwar und (anderen) Hamas-Führern." Der Präsident spielt in Israel eine weitgehend zeremonielle Rolle.

    +++ Die Hamas lehnt Verhandlungen über einen weiteren Geisel- und Gefangenenaustausch während des Krieges mit Israel "kategorisch" ab.

    Man sei jedoch offen für jede Initiative, den Krieg zu beenden, sagt Hamas-Vertreter Basem Naem.

    +++ Der Gaza-Krieg ist nach den Worten der Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz ein "moralisches Scheitern".

    Beide Seiten seien aufgefordert, wieder in Verhandlungen einzutreten, sagte Mirjana Spoljaric vor Journalisten. Das Leiden der Menschen werde sich noch auf Generationen nicht nur im Gazastreifen auswirken.

    +++ Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge nach Raketenbeschuss Ziele im Nachbarland Libanon angegriffen.

    Der Ursprungsort des Abschusses sei getroffen worden, teilte das Militär mit. Zuvor habe Israels Artillerie "mehrere Gebiete im Libanon" beschossen. Eine Rakete aus dem Libanon ging nach Militärangaben im nordisraelischen Grenzort Metulla auf offenem Gelände nieder. Die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah reklamierte den Angriff für sich.
    Im hügeligen Grenzgebiet zwischen Israel und Libanon steigt Rauch nach einem Luftangriff auf.
    Israel hat Angriffe auf die Hisbollah-Miliz an der Grenze zum Libanon fortgesetzt (Archivbild vom 8.11.23). (IMAGO / Xinhua / IMAGO / Taher Abu Hamdan)

    +++ Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen wollen ungeachtet einer internationalen Militärkoalition zum Schutz der Seefahrt im Roten Meer ihre Angriffe auf Schiffe in der Region fortsetzen.

    "Selbst wenn es den USA gelingt, die gesamte Welt zu mobilisieren, werden unsere Militäreinsätze nicht enden", erklärte der hochrangige Huthi-Vertreter Mohammed al-Buchaiti im Online-Dienst X. Es sei "egal, welche Opfer es uns kostet", betonte er weiter. Ein Huthi-Sprecher erklärte, Ziel der von den USA gebildeten Koalition sei der Schutz Israels und die "Militarisierung der See". Jeder der den Konflikt ausweite, müsse "die Konsequenzen dieser Handlungen tragen".
    Die USA hatten gestern die Bildung der Militärkoalition "Operation Prosperity Guardian" bekannt gegeben, an der zunächst neun weitere Länder beteiligt sind. Eine deutsche Beteiligung wird derzeit geprüft.

    +++ Frankreichs Außenministerin Colonna hat ihren Aufruf zu einer sofortigen Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas bekräftigt.

    "Wir fordern eine sofortige, anhaltende Waffenruhe, um zu einem Waffenstillstand zu kommen", sagte Colonna nach einem Treffen mit ihrem britischen Amtskollegen Cameron in Paris. Sie sprach sich auch dafür aus, die EU-Sanktionen gegen die Hamas und die "Finanzierung des Terrorismus" zu verschärfen. Auf nationaler Ebene kündigte sie Sanktionen gegen gewalttätige israelische Siedler an, die im Westjordanland gegen Palästinenser vorgehen. Frankreich werde die Sanktionen gegen einzelne Siedler "auf der Basis dokumentierter Informationen" verhängen, sagte Colonna.
    Catherine Colonna und David Cameron schütteln Hände in einem prachtvollen Saal
    Die französische Außenministerin Catherine Colonna mit ihrem britischen Amtskollegen David Cameron in Paris - neben der Ukraine ging es auch um Israel. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Christophe Ena)

    +++ Der israelische Oppositionschef Lapid hat vor einer möglichen Ausweitung des Krieges zwischen Israel und der militant-islamistischen Hamas auf weitere Regionen gewarnt.

    "Mehrere Kräfte" wollten Israel in einen "Mehrfrontenkrieg" hineinziehen, sagte Lapid bei einer Veranstaltung der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Berlin. Die "sensibilisierten" Teile der israelischen Gesellschaft bemühten sich zusammen mit den USA und europäischen Ländern, dies zu verhindern. Insbesondere Deutschland nehme dabei eine "wichtige Rolle" ein. Der Konflikt könne aber "jeden Augenblick explodieren".
    Neben täglichem Beschuss der pro-iranischen Hisbollah im Libanon gebe es "massive Spannungen im Westjordanland, die sowohl von der Hamas als auch von extremistischen jüdischen Siedlern angeheizt" würden. Der Hamas sei "sehr daran gelegen, das Westjordanland in den Konflikt hineinzuziehen", sagte Lapid.

    +++ In Chan Junis im Süden des Gazastreifens berichten Anwohner von heftigen Gefechten zwischen israelischen Soldaten und Hamas-Kämpfern.

    In der Stadt seien Gewehrschüsse zu hören. Das israelische Militär greife Gebiete in der Nähe des Zentrums mit Panzern und Flugzeugen an. Über mögliche Opfer ist noch nichts bekannt.
    Palästinensische Gebiete, Chan Junis: Palästinensische Sanitäter inspizieren die Schäden in Patientenzimmern, die durch israelische Angriffe auf die Entbindungsstation des Nasser-Krankenhauses in Chan Junis im südlichen Gazastreifen entstanden sind.
    Nahostkonflikt: Gefechte in Chan Junis (Mohammed Dahman/AP/dpa)

    +++ Bundesentwicklungsministerin Schulze ist zu einer Reise nach Israel und in die palästinensischen Gebiete aufgebrochen.

    Die SPD-Politikerin werde sich mit Vertretern der israelischen Zivilgesellschaft und Betroffenen der Hamas-Attacke vom 7. Oktober austauschen, teilte ihr Ministerium mit. Sie werde dazu unter anderem Gespräche mit Bewohnerinnen eines Kibbuz nahe Gaza führen. Außerdem sei ein Zusammentreffen mit dem dem palästinensischen Ministerpräsidenten Schtaje geplant.
    Beim Besuch des vom UNO-Palästinenserhilfswerk UNRWA betriebenen Al-Amari-Flüchtlingslagers im Westjordanland wolle sich Schulze einen Eindruck von dessen Gesundheits- und Bildungseinrichtungen verschaffen. In der vergangenen Woche hatte die Ministerin ihre zunächst geplante Reise in den Nahen Osten wegen einer Flughafensperrung in Genf absagen müssen.
    Die US-Botschafterin sitzt hinter ihrem Tisch im Halbrund des Kreises aller Mitglieder. Hinter ihr sitzen weitere Vertreter ihres Landes.
    Die UNO-Botschafterin der USA, Linda Thomas-Greenfield (Archivbild, Mitte) (TIMOTHY A. CLARY / AFP)

    +++ Die USA haben den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen aufgefordert, dringend Maßnahmen gegen die anhaltenden Raketenangriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen zu ergreifen, die die zivile Schifffahrt im Roten Meer und der strategisch wichtigen Straße von Bab al-Mandab bedrohen.

    In einem Schreiben an die Mitglieder des Sicherheitsrats, aus dem die Nachrichtenagentur AP zitiert, erklärte die UN-Botschafterin der USA, Linda Thomas-Greenfield, die Huthi-Attacken gefährdeten die Rechte und Freiheiten der Schifffahrt, die internationale Sicherheit auf See und den Welthandel. Die 15 Sicherheitsratsmitglieder diskutierten die Bedrohung durch die Rebellen am Montag hinter verschlossenen Türen. Die vom Iran unterstützten Huthis sehen sich nach eigener Darstellung als Teil einer von Teheran ausgerufenen "Achse des Widerstands" gegen Israel.

    +++ Israels Militär hat nach Raketenbeschuss Stellungen in Syrien angegriffen.

    Ziel sei der Abschussort der Flugkörper sowie ein Militärposten der syrischen Armee gewesen, teilte das israelische Militär mit. Die Raketen aus Syrien landeten demnach auf offener Fläche. An der Grenze hatte es zuvor Raketenalarm gegeben. Welche Gruppierung für den Abschuss aus Syrien verantwortlich war, ist unklar. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien soll eine mit dem Iran verbundene Miliz drei Raketen abgeschossen haben. Seit Beginn des Gaza-Kriegs nach dem Großangriff der militant-islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober kommt es an den nördlichen Grenzen Israels immer wieder zu Konfrontationen.

    Montag, 18. Dezember

    +++ Nach Raketen- und Drohnenangriffen der Huthi auf Frachtschiffe im Roten Meer hat US-Verteidigungsminister Austin die Einrichtung einer multinationalen Operation zum Schutz des Handels angekündigt.

    Zu den teilnehmenden Ländern gehören demnach das Vereinigte Königreich, Bahrain, Kanada, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, die Seychellen und Spanien. Geplant seien gemeinsame Patrouillen im südlichen Roten Meer und im Golf von Aden, sagte Austin. Verteidigungsminister Pistorius hatte am Freitag mitgeteilt, dass die Bundesregierung eine Anfrage der USA über eine deutsche Beteilgung an dem Einsatz prüft. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen drohen damit, Schiffe jeglicher Nationalität auf dem Weg nach Israel an der Durchfahrt im Roten Meer zu hindern. Nur Frachtern, die Hilfsgüter für den Gazastreifen lieferten, würde die Durchfahrt gewährt.

    +++ Israel kündigt einen schrittweisen Übergang zu einer neuen Phase des Einsatzes im Gazastreifen an.

    "Ich kann Ihnen sagen, dass wir bald in der Lage sein werden, zwischen verschiedenen Abschnitten im Gazastreifen zu unterscheiden", sagt Verteidigungsminister Gallant vor der Presse. "In jedem Gebiet, wo wir unseren Auftrag erfüllen, werden wir schrittweise zur nächsten Phase übergehen können", erklärt er weiter. Dann könne damit begonnen werden, die Bevölkerung zurückzuholen. Möglicherweise werde dies im Norden des Gazastreifens eher geschehen als im Süden.

    +++ Die Terrororganisation Hamas hat ein Video veröffentlicht, das drei ältere israelische Geiseln lebend im Gazastreifen zeigt.

    Das von der Essedin al-Kassam-Brigade, dem bewaffneten Arm der Hamas, veröffentlichte Video zeigt drei auf Stühlen sitzende bärtige Männer und trägt den Titel "Lasst uns hier nicht alt werden". Eine der Geiseln ruft die israelische Regierung darin auf, alles zu tun, um ihre Freilassung zu erreichen. Unter welchen Umständen das Video entstanden ist und wann es gedreht wurde, war zunächst unklar. Israelischen Medienberichten zufolge waren die drei Männer im Alter zwischen 79 und 84 Jahren aus einem Kibbutz im Grenzgebiet in den Gazastreifen verschleppt worden. Ein Sprecher des israelischen Militärs bezeichnete die Aufnahmen als "grausamen Terror". Es zeige die Grausamkeit der Hamas gegen ältere Zivilisten, die medizinische Hilfe benötigten. An die drei Männer gerichtet sagte Sprecher Daniel Hagari: "Wir werden nicht ruhen, bis ihr zurückkehrt".

    +++ Die USA wollen Israel in seinem Kampf gegen die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas weiterhin auch militärisch unterstützen.

    Washington sei "Israels größter Freund" und werde weiter "wichtige Munition, taktische Fahrzeuge und Luftabwehrsysteme" liefern, sagte US-Verteidigungsminister Austin bei einem Besuch in Israel. Zugleich betonte er: "Wir müssen mehr humanitäre Hilfe für die fast zwei Millionen Vertriebenen im Gazastreifen bereitstellen und diese Hilfe besser verteilen." Sein Besuch ziele aber nicht darauf ab, "Zeitpläne oder Bedingungen" für den Krieg zu diktieren, sagte Austin nach einem Treffen mit dem israelischen Verteidigungsminister Gallant.
    Palästinensische Gebiete, Rafah: Palästinenser inspizieren ein Gebäude, nachdem es von einem israelischen Bombardement getroffen wurde.
    Weitere Angriffe auf den Gazastreifen. (Fatima Shbair/AP/dpa)

    +++ Die radikal-islamische Hamas bekräftigt, es werde keine Verhandlungen über einen Austausch von Geiseln und Häftlingen geben, bevor Israel nicht seine Angriffe im Gazastreifen stoppe.

    "Wir sind offen für Initiativen von Katar und Ägypten für einen Geiselaustausch, der den Krieg in Gaza beenden würde", sagt Hamas-Vertreter Hamdan in Beirut.

    +++ Der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Barnea, hat nach einem Medienbericht CIA-Direktor Burns und den katarischen Ministerpräsidenten Al Thani getroffen.

    Die israelische Zeitung "Haaretz" meldet, bei dem Treffen in Warschau sei es um neue Verhandlungen zur Freilassung weiterer Geiseln der Terrororganisation Hamas gegangen. Mehrere israelische Medien hatten zuvor berichtet, dass der Mossad-Chef nach Europa reisen und über ein neues Abkommen sprechen wolle. Das Emirat Katar vermittelt seit Monaten in dem Konflikt. Auch die erste Vereinbarung zur Freilassung von Geiseln, die mit einer Feuerpause einherging, kam Ende November unter katarischer Vermittlung zustande. Während der Waffenruhe ließ die Hamas mehr als 100 Geiseln frei. Israel setzte im Gegenzug 240 palästinensische Häftlinge auf freien Fuß. Derzeit befinden sich noch mehr als 120 Geiseln im Gazastreifen.

    +++ Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hat vor den Folgen des Wassermangels und des Ausfalls sanitärer Einrichtungen im Gazastreifen gewarnt.

    Ihr Logistik-Koordinator Martinez sagte, nach seiner Einschätzung könnte das Problem auf lange Sicht genauso gefährlich sein wie die Bombardierungen und auch ebenso viele Menschen töten. Er betonte, die Menschen hätten meist nur einen Liter Wasser pro Tag zur Verfügung. Die UNO-Flüchtlingshilfe geht von sieben Litern als Überlebensminimum aus. Martinez beklagte, es fehle auch an Treibstoff. Das habe vor allem in Krankenhäusern gravierende Folgen, weil Ärzte nicht mehr in der Lage seien, Menschenleben zu retten. Israel wirft der Terrororganisation Hamas vor, Treibstoff zu horten und der Zivilbevölkerung zu verwehren. Die israelische Armee greift als Reaktion auf den Großangriff der Hamas seit mehr als zwei Monaten Ziele im Gazastreifen an. Die USA, aber auch Deutschland und weitere Länder haben Israel wiederholt aufgefordert, die Zivilisten im Gazastreifen besser vor den Angriffen zu schützen.

    +++ Im Roten Meer hat es einen weiteren Angriff auf ein Frachtschiff gegeben.

    Der mit Chemikalien beladene Tanker "Swan Atlantic" wurde nach Angaben seines norwegischen Reeders von einem unbekannten Objekt getroffen. Es sei niemand zu Schaden gekommen, hieß es. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen kam der Angriff erneut aus dem Jemen. Der Zerstörer "USS Carney" der amerikanischen Marine sei auf dem Weg zu dem Frachtschiff, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Quellen in Washington. Seit dem Beginn des Nahost-Kriegs hat es bereits mehrere Angriffe mit Drohnen und Raketen auf Handelsschiffe im Roten Meer gegeben. Dafür werden die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen verantwortlich gemacht, die sich auch zu einigen der Attacken bekannt haben. Mehrere große Reedereien haben die Schifffahrt durch das Meeresgebiet bereits eingestellt. Die Bundesregierung prüft derzeit eine Bitte der USA, einen Einsatz zur Sicherung des Seegebiets mit der Bundesmarine zu unterstützen.
    Die Karte zeigt den Golf von Aden, das Rote Meeer, den Jemen und ain einem roten Kästchen den Ort der Angriffe: Die Meeresenge Bab al-Mandab.
    Kartenansicht der Region um das Rote Meer und den Golf von Aden mit der Meeresenge Bab al-Madab, an der sich die Angriffe auf Frachtschiffe ereignen. (dpa )

    +++ US-Verteidigungsminister Lloyd Austin ist in Israel eingetroffen.

    Es wird erwartet, dass er bei dem Besuch darauf dringt, die Kampfhandlungen im Gazastreifen zurückzufahren und in eine neue Phase des Krieges mit gezielten Schlägen gegen Hamas-Führer und deren Tunnel-Infrastruktur überzugehen. Die USA hatten sich zuvor stets deutlich hinter Israel gestellt und den Militäreinsatz in dem Küstenstreifen trotz der Folgen für die Zivilbevölkerung unterstützt. Mehrere UNO-Resolutionen zu einem Waffenstillstand scheiterten, weil die USA ihr Veto einlegten.

    +++ Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat Israel beschuldigt, bei seiner Offensive im Gazastreifen absichtlich die Zivilbevölkerung auszuhungern.

    "Die israelische Regierung setzt das Aushungern von Zivilisten als Methode der Kriegsführung im besetzten Gazastreifen ein, was ein Kriegsverbrechen darstellt", erklärte die Organisation mit Sitz in New York. "Israelische Kräfte blockieren vorsätzlich die Lieferung von Wasser, Lebensmitteln und Treibstoff, behindern absichtlich die humanitäre Hilfe, zerstören offenbar landwirtschaftliche Flächen und berauben die Zivilbevölkerung der für ihr Überleben unentbehrlichen Güter", fuhr HRW fort.
    Die israelische Regierung warf Human Rights Watch ihrerseits Antisemitismus vor. HRW sei eine "antisemitische und anti-israelische Organisation", sagte Außenministeriumssprecher Lior Haiat der Nachrichtenagentur AFP. Die Menschenrechtler hätten die Angriffe auf israelische Bürger am 7. Oktober nicht verurteilt. Sie hätten "keine moralische Grundlage, um darüber zu sprechen, was in Gaza passiert, wenn sie die Augen vor dem Leid und den Menschenrechten der Israelis verschließen".

    +++ Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Israel vorgeworfen, ein Krankenhaus im Norden des Gazastreifens de facto zerstört zu haben.

    WHO-Chef Tedros zeigte sich im Kurzbotschaftendienst X "entsetzt". Das Kamal-Adwan-Krankenhaus sei jetzt nicht mehr einsatzfähig. Berichten zufolge seien mindestens acht Patienten wegen unzureichender medizinischer Versorgung gestorben, darunter ein Kind. Zahlreiche Mitarbeiter seien festgenommen worden, erklärte Tedros weiter, nachdem die israelische Armee einen mehrtägigen Einsatz in der Klinik beendet hatte.

    Redaktionell empfohlener externer Inhalt

    Mit Aktivierung des Schalters (Blau) werden externe Inhalte angezeigt und personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige und die damit verbundene Datenübermittlung mit dem Schalter (Grau) jederzeit wieder deaktivieren.

    Israel warf Tedros als Reaktion vor, nicht darauf hingewiesen zu haben, dass sich die militant-islamistische Hamas in dem Krankenhaus verschanzt habe. 90 Terroristen seien auf dem Gelände festgenommen worden. Außerdem hätten die israelischen Streitkräfte vor dem Eindringen in die Klinik mit dem medizinischen Personal Kontakt aufgenommen, erklärte die israelische Vertretung bei den Vereinten Nationen in Genf. Die Armee habe ein "humanitäres Fenster" zugelassen; ein Großteil des Krankenhauses sei evakuiert worden.
    Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
    Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (Archivbild) (dpa /KEYSTONE /Valentin Flauraud)

    +++ US-Verteidigungsminister Austin führt heute Gespräche in Israel.

    Wie sein Ministerium mitteilte, wird Austin der israelischen Militärführung ein Zurückfahren der Bodenoperationen und der Luftangriffe im Gazastreifen nahelegen. Laut Medienberichten ist auch ein Treffen mit Ministerpräsident Netanjahu geplant.

    +++ Über den Grenzübergang Kerem Schalom ist gestern ein erster Hilfskonvoi von Israel aus in den Gazastreifen gelangt.

    Es handele sich um insgesamt 79 Lastwagen, teilte ein Vertreter des ägyptischen Roten Halbmondes mit. Vor dem Krieg waren es täglich rund 500. Am Freitag hatte Israel erklärt, vorübergehend die Lieferung humanitärer Güter über den Grenzposten zuzulassen.

    Die bisherigen Entwicklungen im Konflikt zwischen Israel und der Hamas finden Sie hier.