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StartseiteWirtschaft am MittagDie unrühmliche Liste der größten Kapitalvernichter13.03.2019

BörseDie unrühmliche Liste der größten Kapitalvernichter

Die Aktie des Berliner Biotech-Konzerns Mologen hat in den vergangenen fünf Jahren 97 Prozent verloren. Damit ist sie unrühmlicher Spitzenreiter der Rangliste der größten Kapitalvernichter, die die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vorgestellt hat. Ein angeschlagener Möbelhersteller liegt auf Platz zwei.

Von Mischa Ehrhardt

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Eine Lupe fokussiert Grafik mit stark fallendem Börsenkurs. (picture alliance / Klaus Ohlenschläger)
Fallender Börsenkurs (picture alliance / Klaus Ohlenschläger)
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Mologen ist bestimmt nicht jedem ein Begriff. Das ändert sich nun, denn das Biopharmazeutische Börsenunternehmen steht an Platz 1 der Schwarzliste der größten Kapitalvernichter.

"Ja, The winner is: Die Mologen AG aus Berlin; ein Unternehmen, das ein hehres Ziel hat, nämlich die Welt zu verbessern, Krankheiten zu bekämpfen. Da geht es um Immunstärke. Aber die Aktie ist überhaupt nicht stark, im Gegenteil - da wurde sehr viel Geld verbrannt. Und man muss sagen: Wer so hohe Verluste, nämlich Plusminus alles, eingefahren hat, da ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass das noch mal auf einen grünen Zweig kommt", sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, kurz DSW.

Modebranche unter den Verlierern

In den letzten fünf Jahren liegt der Verlust der Mologen-Aktien bei fast 97 Prozent, im vergangenen Jahr waren es 85 Prozent. Irreführende Erfolgsmeldungen bei der Krebsforschung und ein Machtkampf unter Großinvestoren haben die Aktien in den Keller rauschen lassen. Der durch einen Bilanzskandal angeschlagene Möbelhersteller Steinhoff findet sich noch immer ganz vorne in der Liste, nämlich auf Platz zwei. Unter die ersten zehn der Schwarzliste sind im vergangenen Jahr die beiden Modekonzerne Tom Tailor und Gerry Weber neu dazugekommen.

"Die Modebranche ist so im Umbruch, und da gibt es einfach auch starke Verlierer. Warum gibt es Verlierer? Weil es gibt den Luxusbereich - Louis Vuitton - da wird sehr viel Geld verdient; es gibt den Billigbereich mit Primark und H&M – auch da wird auch noch Geld verdient. Aber in der Mitte, die Mitte bricht weg. Und Gerry Weber und Tom Tailor sind in der Mitte und deswegen haben die so Probleme."

Auch Großkonzerne unter den Kapitalvernichtern

So musste Gerry Weber im Januar einen Insolvenzantrag stellen. Sind das an der Börse noch kleinere oder mittelschwere Konzerne, gehören auch Großkonzerne zu den 50 größten Kapitalvernichtern. Bayer etwa hat sich durch die Monsanto-Übernahme hohe Risiken eingekauft - Platz 34. Die Commerzbank belegt den 25. Platz und die Deutsche Bank liegt sogar auf Rang 10 der Wertvernichter. Allein im vergangenen Jahr hat die Deutsche Bank Aktie noch einmal 56 Prozent verloren. In Berlin hält man es offensichtlich im Bundesfinanzministerium für eine gute Idee, wenn Commerzbank und Deutschen Bank fusionieren würden. DSW-Aktionärsschützer Klaus Nieding sieht das anders:

"Ich halte diese Fusionsidee für wirtschaftlich völlig unsinnig. Es würde ja kein internationaler Champion entstehen durch diese Fusion, sondern es würde nach wie vor nur ein National Champion bleiben. Beide Banken zusammen wären nach wie vor viel zu klein. Und der einzige, der die Zeche zu bezahlen hat, sind die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Denn 150.000 Beschäftigte braucht eine solche Bank hinterher nicht. Und das ein sozialdemokratischer Bundesfinanzminister sich für so ein Programm hergibt, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen".

Wirecard unter der DSW-Lupe

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz vertritt die Interessen von Aktionären - und besucht deswegen die Hauptversammlungen der Börsenkonzerne, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. In diesem Jahr werden sie beispielsweise bei Wirecard nachfragen, ob das Unternehmen nicht viel früher von einem Verdacht gegen Mitarbeiter in Singapur hätte warnen sollen. Denn in Folge sind die Papiere des Zahlungsdienstleisters in schwere Turbulenzen geraten. Auch an die Autohersteller wie Volkswagen und Daimler hat die DSW wegen des Dieselskandals einige kritische Fragen.

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