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StartseiteWirtschaft und GesellschaftErfolge im Vorjahr ermutigen Neulinge09.01.2015

Börsengänge 2015Erfolge im Vorjahr ermutigen Neulinge

Mit Rocket Internet gab es im vergangenen Jahr seit langem mal wieder einen viel beachteten deutschen Börsengang. Insgesamt haben sich 2014 acht Firmen aufs Parkett gewagt. Experten glauben, dass im neuen Jahr dort deutlich mehr los sein wird.

Von Michael Braun

Die Börse hat ihre Traditionen. Die Chefs neuer börsennotierter Unternehmen dürfen nach dem ersten Kurs die alte Börsenglocke läuten, die, mit deren Klang früher der Frankfurter Börsentag begonnen und abends beendet wurde. Und die meisten – es sind meist Männer – entdecken das Kind in sich und läuten inniglich.

Es bimmelte wieder häufiger im alten Jahr. Der Dachsteinhersteller Braas Monier kam an die Börse, der Gasfederproduzent Stabilus, der 3-D-Drucker SLM Solutions, die Internetfirmen Zalando und Rocket Internet, dazu der Gewerbeimmobilienspezialist TLG und die im Bereich Autoelektronik aktive Hella. Diese sieben deutschen und vier Börsengänge ausländischer Unternehmen, diese elf Neuemissionen holten sich insgesamt 3,4 Milliarden Euro von den Investoren - gut ein Drittel mehr als 2013. Zählt man Kapitalerhöhungen und den Verkauf von Wandelanleihen hinzu, die ja später in Aktien umgetauscht werden, haben aktienaffine Anleger rund 30 Milliarden Euro an die hiesige Börse getragen: Nichts, was an die Übertreibungen des einstigen Neuen Marktes erinnern müsste, meint Jens Voss, Leiter des Kapitalmarktgeschäfts bei der Commerzbank:

"Wenn wir uns insgesamt mal das Neuemissionsvolumen in Deutschland anschauen: Mit knapp über 30 Milliarden ist das weit entfernt von früheren Boomzeiten. Selbst vom Vorkrisenjahr 2007 sind wir noch unterhalb 50 Prozent dieses Wertes. Insofern kann man nur schwer davon sprechen, dass wir jetzt schon einen solchen Boom sehen würden."

Die Sorge vor Übertreibungen kam auf, als Rocket Internet im Oktober an die Börse ging. Oliver Samwer, der Chef des Finanziers und Softwarelieferanten von Internet-Firmen, hatte den Interessenten für seine Aktien aktuell nur rote Zahlen zu bieten – und die Hoffnung, dass der Internethandel seine noch kümmerlichen Marktanteile noch deutlich ausweiten werde.

Keine Blase a la Neuer Markt, meint auch Ralf Darpe, Chef des Kapitalmarktgeschäfts im deutschsprachigen Raum bei der Société Générale.

Viel Barvermögen bei den Firmen - Akquisitionen möglich

"Es gibt für alle IPO-Kandidaten die spezielle Investorenbasis. Es gibt eine ganz große Investorenbasis, die auch nach diesen Wachstumsunternehmen sucht und auch bereit ist, hohe Volatilitäten in diesen Aktien anzunehmen."

Auf internationaler Bühne war der chinesische Onlinehändler Alibaba mit einem Emissionsvolumen von 25 Milliarden Dollar der mit Abstand größte Börsengang weltweit im Jahr 2014.

Für das neue Jahr sieht es ebenfalls nicht schlecht aus. Darpe hat herausgefunden, dass die Unternehmen in Europa einen hohen Kapitalbestand haben, im Schnitt der letzten fünf Jahre fast doppelt so hoch wie in den ersten Jahren des Jahrtausends – jedenfalls mehr als nötig für den Betrieb. Mit dem freien Geld könne man andere Unternehmen kaufen. Auf die eine oder andere Weise werde das Geld wohl auch an die Börse fließen:

"Jetzt werden sie gefragt, diese Liquidität anzulegen, entweder in ihrem eigenen Business oder in Unternehmensakquisitionen. Und wenn das nicht möglich ist, dann in höheren Dividenden oder in Aktienrückkäufe."

Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young rechnet für das neue Jahr mit zehn bis höchstens 15 neuen Börsengängen in Deutschland. Stark vertreten sein dürften Abspaltungen. Gut zehn Milliarden Euro dürfte Bayer einsammeln, wenn der Leverkusener Konzern seine Plastiksparte MaterialScience über die Börse verkauft. Vielleicht kommt Siemens doch noch und will Börsengeld für seine Medizintechnik. Neue Kandidaten könnten die Einzelhandels- und Wohnimmobilienfirmen Acrest und Buwog aus Österreich sein. Der niedrige Zins und nach Rendite hungrige Anleger beleben das Emissionsgeschäft. Und Emittenten locken die hohen Kurse. Die erschweren tendenziell weiteres Wachstum, sobald der erste Kurs gefunden ist.

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