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StartseiteWirtschaft am MittagPoker um den Metro-Konzern24.06.2019

BörsengesprächPoker um den Metro-Konzern

Kurz nach ihrer Übernahme-Offerte für Metro haben die osteuropäischen Investoren von EP Global Commerce ihren Anteil an dem Handelsriesen ausgebaut. Unterdessen regt sich Widerstand im Konzernvorstand gegen die vermeintlich niedrige Bewertung. Aktionäre sehen das anders.

Christoph Schalast im Gespräch mit Dorothee Holz

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Metro AG Zentrale Die Metro AG Zentrale hat ihren Hauptsitz in Düsseldorf. Das börsennotierte Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 150.000 Mitarbeiter. *** Metro AG Headquarters the Metro AG Headquarters has theirs Headquarters in Dusseldorf the listed Companies busy worldwide more as 150 000 Employees xJFJPGx  (imago stock&people)
Der Vorstand ist mit der Bewertung des eigenen Konzerns durch den tschechischen Investor unzufrieden. (imago stock&people)
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Potenzieller Metro-Großaktionär Wer ist Daniel Kretinsky?

Christoph Schalast, Experte für Fusionen und Übernahmen an der Frankfurt School of Finance & Management, findet die Lage bei Metro noch völlig normal: "Wir stehen hier vor einem übrlichen Übernahme-Poker: Alle versuchen, ihr Karten bedeckt zu halten. Das jetzige Angebot scheint nicht attraktiv, wenn man es aber vergleicht mit dem Börsenkurs, als Kretinsky eingestiegen ist, ist es höchst attraktiv."

Milliardär will Konzern neu aufstellen

Das war vor rund zehn Monaten. Kretinsky investiere in neue Bereiche, so Schalast. "Er will seine Risiken diversifizieren und wird sich Metro genau angeschaut haben. Er sieht, dass Metro möglicherweise einige Digitalisierungsthemen verschlafen hat und hier sieht er Synnergien, die er heben will." 

Ob der frühe Einstieg plus Optionen auf mehr Aktien - die Kretinsky heute teils eingelöst hat - dafür der richtige Weg war, muss sich laut Schalast noch zeigen. "Hätte er ein Angebot gemacht gleich als er am Anfang eingestiegen ist, wäre der Aufpreis sehr viel höher gewesen. Er hätte sogar an ein Übernahmepflichtangebot denken können." Der Investor verstehe aber sein Handwerk. "Er wird schon wissen, was er da macht."

Großaktionäre müssen abwägen

Den Großaktionär Haniel weiß Kretinsky hinter sich. Die anderen Großinvestoren werden nun wahrscheinlich das Angebot genau prüfen, schätzt Schalast. "Die werden alle darüber nachdenken, ob sie den Gewinn mitnehmen wollen, der sich in den letzten Monaten eingestellt hat." Die Steigerung lag bei mehr als 30 Prozent.

Zusage an Mitarbeiter

Kretinsky hat unterdessen eine Art Jobgarantie für die Metro-Mitarbeiter ausgesprochen. Die Arbeitnehmer-Vertreter müssten nun testen, ob er sich auch auf echte Vereinbarungen einlasse. Schlast glaubt aber: "Bei so etwas kann man nicht die Unwahrheit sagen."

Sehr wohl wird Kretinsky den Konzern aber ganz anders aufstellen wollen als bisher. "Digitalisierung, Fokussierung auf das Geschäft mit Großkunden. Das heißt er will hier einen strategischen Move vollziehen, der aber eigentlich in der Geschichte von Metro schon begründet ist."

Das Management sei aber nicht bedroht, glaubt Schalast. "Das Management macht das, was man erwartet - es versucht den Kurs hoch zu treiben, den Übernahmepreis zu erhöhen, vielleicht auch für sich selbst einen kleinen goldenen Fallschirm ausbreiten zu lassen. Das gehört zu jeder Übernahme dazu."

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