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StartseiteDeutschland heuteDie große Versöhnung27.11.2017

Bonn und Beethoven Die große Versöhnung

In drei Jahren will die Stadt Bonn ihren berühmtesten Sohn, Ludwig van Beethoven, anlässlich seines 250. Geburtstages würdigen. Denn die ganze Welt wird auf seine Geburtsstadt schauen. Endlich sagen viele – doch mit den Vorbereitungen melden sich auch die Mahner zu Wort.

Von Moritz Küpper

Die Beethoven-Statue auf dem Bonner Münsterplatz in der Geburtsstadt des Komponisten (picture alliance / dpa)
Die Beethoven-Statue auf dem Bonner Münsterplatz in der Geburtsstadt des Komponisten (picture alliance / dpa)
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Ein Altbau im schicken Bonner Stadtteil Poppelsdorf. Rund 60 Menschen, vorzugsweise aus der zweiten Lebenshälfte, sind gekommen. Geschwungene Holzstühle, tiefe Sofas, Parkettboden und Bücherregale an der Wand erzeugen Salon-Atmosphäre. Am Klavier sitzt Stephan Eisel. Der 62-Jährige, einst Redenschreiber und stellvertretender Leiter des Kanzler-Büros unter Helmut Kohl, später dann als Nachrücker CDU-Bundestagsabgeordneter, ist seit April 2013 Vorsitzender des Kulturvereins "Bürger für Beethoven".

"Wir erinnern heute an die Abschiedsparty, die Ludwig van Beethoven vor 225 Jahren, auf den Tag genau gegeben hat."

"...niemals geht man so ganz: Wie Beethoven vor 225 Jahren Bonn verließ", so der Titel der Veranstaltung, die – trotz doppelter Aufführung an diesem Tag – beide Mal komplett ausgebucht ist. Am 1. November 1792 verließ der nunmehr bekannteste Sohn der Stadt, Bonn, um nach Wien aufzubrechen. 22 Jahre lang lebte Beethoven in Bonn – und daran erinnert Eisel nun, …

"…, weil in Bonn traditionell das Bürgerengagement für Beethoven immer größer war, als das der offiziellen städtischen Institutionen. Die Bürger realisieren viel mehr, das Beethoven der größte Bonner Sohn ist. Das er länger in Bonn war, als Mozart in Salzburg und vermissen, dass man mehr aus diesen Chancen macht."

Beethovens Elternhaus musste vor dem Abriss bewahrt werden

Beethovens Bonner Geschichte, den Menschen nahe zu bringen, das ist Eisels Ziel – und sei es eben am Klavier:

"Siehst Du den jungen Mann? Der Klavier spielen kann? Das ist doch der Ludwig hier aus Bonn. Da vorne kehrt er ein. Das muss seine Stammkneipe sein. Hier am Markt, fühlt er sich sichtlich wohl. Trink doch eene mit. Stell Dich nitte so an, Du stehst hier die ganze Zick nur rum…"

Am 17. Dezember 1770 eben in Bonn geboren, erhielt Beethoven eine Musikausbildung von seinem Vater, der in der Hofkapelle am kurfürstlichen Hof in Bonn tätig war. Später wurde er Organist und Bratschist an der Bonner Hofkapelle.

"Beethoven selber hat sich immer zu Bonn bekannt, gibt viele Briefe, wo das deutlich geworden ist - und er hat noch in Wien vor seinem Tod unterschrieben mit: Beethoven, Bonnenses - Beethovener der Bonner."

Andersrum galt das nicht immer. Eisel kann genug Beispiele nennen: Beethovens Elternhaus musste einst durch eine Privatinitiative vom Abriss bewahrt werden, der – durch private Gelder finanzierte – Bau eines Festspielhauses, um Beethovens Musik im großen Rahmen spielen zu lassen, scheiterte an Vorgaben der Verwaltung, was dann auch im Abschluss des Liederabends thematisiert wird:

"Überall, auf der Welt, weiß man, wer Beethoven ist. Man kennt ihn und schätzt ihn überall sehr. Nur im Bonner Rathaus, man das gerne vergisst, wann legt sich denn endlich jemand quer? Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind, die Antwort, weiß ganz allein der Wind..."

Professionelles Marketing für den 250. Geburtstag

Und dennoch hat auch Eisel Hoffnung: Denn im Jahr 2020 feiert die Stadt den 250. Geburtstag seines berühmtesten Sohnes. Dafür wurde eigens eine GmbH gegründet – um ein Jahr lang Veranstaltungen zu koordinieren:

"Das ist jetzt schon eine Chance: Jetzt muss man aufpassen, dass das Jubiläumsjahr 2020 nicht ein einmaliges Ereignis ist, sondern dass das ein   Startschuss ist."

"Guten Abend, meine Damen und Herren."

Ein prallgefülltes Auditorium, wenige Wochen zuvor, bei einer Diskussionsveranstaltung:

"Der Abend steht ganz im Zeichen unserer Stadt: Beethoven - und dann? Zukunftsperspektiven der Bundesstadt Bonn."

Neben Vertretern des Bundes und des Landes NRW, sitzt auch Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridahan auf der Bühne. Eine Studie, so der OB, habe ergeben, dass Bonn für zwei Faktoren stehe…

"…, nämlich einmal Beethoven und für die Internationalität."

"Nicht das Allheilmittel jetzt für diese Stadt"

Zustimmendes Nicken im Publikum. Für Sridahan ist klar: Bonn steht als UN-Standort für die Internationalität, hat - auch durch das Bonn-Berlin-Gesetz und trotz der Abwanderung im Zuge des Hauptstadt-Verlustes - eine gute wirtschaftliche Lage und will seinen Beethoven nun würdigen - und nutzen:

"Beethoven ist der größte Sohn unserer Stadt und wir feiern 2020 seinen 250. Geburtstag, sind mitten in den Vorbereitungen, haben mit dem Bund, dem Land und dem Rhein-Sieg-Kreis eine Gesellschaft gegründet, die, dieses Fest ja wirklich hervorragend vorbereitet."

Ist also alles gut, mittlerweile, im Verhältnis Bonn/Beethoven? Professor Claus Wiegandt, ebenfalls auf dem Podium, ist da eher skeptisch:

"Natürlich ist das ein Pfund, mit dem man Wuchern kann, alles klar sozusagen. Nur die Konzentration auf diese Person. Das ist das, was, wo ich glaube, dass man nicht die ganze Stadtgesellschaft mitnimmt."

Der Professor für Stadt- und Regionalgeografie warnt davor, sich zu stark auf die Figur Beethoven zu kaprizieren: Klar, man solle den Geburtstag nun feiern, stolz auf Beethoven sein…

"…, nur: Ich würde sagen, es ist nicht das Allheilmittel jetzt für diese Stadt. Es gibt in dieser Stadt viele andere Probleme – und die löst man nicht mit Beethoven."

Applaus – der auch deutlich macht: Das Verhältnis Beethoven und Bonn bleibt spannend – trotz des Jubiläumsjahrs 2020.

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