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StartseiteDeutschland heuteEinst Promi-Hotel, heute Flüchtlingsunterkunft15.08.2017

Bonotel in KölnEinst Promi-Hotel, heute Flüchtlingsunterkunft

Es hat lange gedauert, und war auch um einige Millionen Euro teurer als geplant. Doch nun ist der Umbau des ehemaligen Bonotel in Köln abgeschlossen. Maximal 150 Flüchtlinge - ausschließlich alleinreisende Männer - werden einziehen. Und sie können dort mehr als nur wohnen.

Von Moritz Küpper

Josef Ludwig, Leiter des Amt für Wohnungswesen der Stadt Köln steht an der Rezeption in Köln bei einem Pressetermin zur neuen Flüchtlingsunterkunft Bonotel.  (dpa / Horst Galuschka)
Josef Ludwig, Leiter des Amt für Wohnungswesen der Stadt Köln, fällt ein Stein vom Herzen, weil die Eröffnung des Bonotels doch noch klappt. (dpa / Horst Galuschka)
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Josef Ludwig kennt die Mechanismen: "Das Ding da oben kommt fott. Da will ich nicht danach gefragt werden. Piano Lounge kütt fott."

Der 58-Jährige, Leiter des Amtes für Wohnungswesen der Stadt Köln, steht im Gebäude des ehemaligen Bonotels, über ihm - auf der Holzvertäfelung - ist noch ein Leuchtschriftzug angebracht.

"Aber das was wir hier tun, hat nichts mehr mit einer Piano-Lounge zu tun. Das machen wir weg."

Ehemals Treffpunkt der Prominenz

Zahlreiche Fotografen, Fernsehkameras und Journalisten scharren sich um den grauhaarigen Mann, der sie gerade durch das sanierte Hotel geführt hat. Blitzlichtgewitter ist das Gebäude im Kölner Stadtteil Marienburg, einem der besseren Viertel der Domstadt, gewohnt: Einst gingen hier Prominente wie beispielsweise der Fußball-Trainer Christoph Daum oder auch Stephanie von Monaco ein und aus, wie sich einer der anwesenden Fotografen erinnert. Ab Mittwoch nun, sollen hier Flüchtlinge wohnen, vor allem alleinreisende Männer. Endlich, denkt sich auch Ludwig:

"Ich bin sehr glücklich über diesen Umstand. Es war eine lange Zeit, über drei Jahre, die wie gebraucht haben, um hier dann auch, dieses Hotel der Bestimmung zuzuführen für die wir es gekauft haben und ja: Mir fällt ein Stein vom Herzen."

Ludwig lehnt an der hölzernen Rezeption, hinter sich noch die Schlüsselkästen. Die Beschilderung, teilweise in goldenen Buchstaben und nicht zuletzt der Marmorboden im Eingangsbereich, vieles erinnert noch an die besseren Zeiten, bevor das Gebäude zwangsversteigert wurde.

"Das ist ein Leuchtturmprojekt. Wir haben 2014 hier investiert, in dem Glauben, dass wir dieses Thema relativ schnell abarbeiten können und dieses Haus für Flüchtlinge nutzen können und sind dann eines Besseren belehrt worden."

Hohe Sanierungskosten

Die Geschichte des Bonotels ist auch ein Symbol im Umgang mit der Flüchtlingsherausforderung in den letzten drei Jahren: Als tausende von Menschen kamen und - laut gesetzlicher Verpflichtung - von den Kommunen unterzubringen waren. Turn- und Sporthallen, teilweise Container oder sogar Zelte. Alles Lösungen, die auch Ludwig und sein Team kennen und nutzten. Das Hotel erschien ihnen damals eine gute Lösung: Für 5,8 Millionen Euro schlug die Stadt zu - und stellte erst später fest, dass die Wasserleitungen ersetzt werden mussten, dass der Brandschutz nicht in Ordnung war. Letztendlich stiegen die Kosten auf 9,2 Millionen Euro, die Eröffnung verschob sich um Jahre:

"Aus dem, was wir hier erlebt haben, haben meine Mitarbeiter, habe ich, sehr viel gelernt und hier haben wir zum einen Lehrgeld bezahlt, zum anderen aber auch sehr viel gelernt."

Zumal die Immobilie nun fertig ist und die neue Küche oder eben die renovierten Hotelzimmer guten Anklang finden. Bis zu 150 Menschen finden hier Platz: "Ja, das ist schon ein tolles Haus."

Zusätzliche Zimmer für Unterricht

Marita Bosbach vom Deutschen Roten Kreuz Köln (DRK) steht neben einer dieser schweren Hotelflurtüren, die fortlaufend knallen. Ihr DRK-Kreisverband betreibt die Einrichtung:

"Also, da sind schon sehr optimale Bedingungen, wenn man bedenkt, dass Menschen, Alleinreisende aus großen Unterkünften kommen, die Kojen haben, die vorher in Turnhallen waren, ist das hier schon eine wirklich gute Unterbringung."

Das DRK hat im Erdgeschoss - wo einst die Piano-Bar war - nun ihre eigenen Räume. Dazu gibt es Zimmer, um Unterricht abhalten zu können. Auch die Anbindung mit einem Supermarkt um die Ecke, ist gut. Für Hans-Jürgen Oster, den Flüchtlingskoordinator der Stadt Köln, ist die Eröffnung des neuen Hauses ein weiterer Schritt in einer grundsätzlichen Integrationsentwicklung:

"Ganz wichtig ist natürlich Sprache lernen. Dazu auch in diesem Hotel, gerade für die alleinreisenden Männer, die Möglichkeit, sich auch mal zurückzuziehen, auch mal lernen zu können. Denn gerade die, die in Kursen sind oder einen Arbeitsplatz oder Ausbildungsplatz haben, brauchen mehr Privatsphäre, brauchen mehr Rückzugsmöglichkeiten und die können wir ihnen hier jetzt geben."

"Ja, es war die richtige Entscheidung"

Seit Anfang Juni sind in Köln keine Turn- und Sporthallen mehr belegt. Es war ein großes Problem in der Domstadt - auch und gerade für die Flüchtlings-Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Das weiß auch Ludwig. Das Thema Akzeptanz schwingt natürlich auch beim Kauf und der millionenschweren Herrichtung eines ehemaligen Promi-Hotels mit, aber:

"Zum Zeitpunkt der Entscheidung war es die richtige Entscheidung. Diese Entscheidung ist Anfang Juni 2014 gefallen. Mit absehbar steigenden Flüchtlingszahlen wollte man mit diesem Objekt reagieren. Und: Ja, es war die richtige Entscheidung, wir würden sie, wären wir heute in dieser Situation, wieder so treffen. Ja."

Trotz der höheren Kosten. Denn, so eine Wirtschaftlichkeitsberechnung der Stadt: Wird das Gebäude 20 Jahre genutzt, so ergebe sich ein wirtschaftlicher Vorteil von 6,5 Millionen Euro. Und diese Perspektive hat das Haus nun. Auch wenn sich, so Ludwig, die Herausforderungen verändert haben:

"Der Druck ist nicht mehr da, montags nicht zu wissen, wo ich Dienstags oder Mittwochs dann die zugewiesenen Flüchtlinge unterbringe, aber der Druck hat sich verändert in Richtung jetzt Einrichtungen zu bauen, zu kaufen, zu mieten, die hohes Maß an Privatsphäre bieten, die in den Stadtvierteln vernetzt sind und wo eine Integration in die Stadtgesellschaft dann möglich wird."

Wie eben das ehemalige Bonotel in Köln-Marienburg.

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