Donnerstag, 22.04.2021
 
StartseiteUmwelt und Verbraucher"Bitcoin an sich ist eine sehr klimaschädliche Technologie"11.02.2021

Boom der Kryptowährung"Bitcoin an sich ist eine sehr klimaschädliche Technologie"

Die Kryptowährung Bitcoin boomt - auch durch die Investment-Ankündigung von Tesla-Gründer Elon Musk. Doch das führe dazu, dass überall auf der Welt Computer am Leistungslimit arbeiteten, sagte der Welt-Journalist Benedikt Fuest im Dlf. Dadurch würde die Energiebilanz des Bitcoin immer schlechter.

Benedikt Fuest im Gespräch mit Sandra Pfister

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Bitcoin-Mining-Farm in Russland  (dpa/picture alliance/ Alexei Danichev / Sputnik Foto)
Durch den Boom des Bitcoins könnte noch mehr Kohlestrom verbraucht werden, meint der Journalist Benedikt Fuest (dpa/picture alliance/ Alexei Danichev / Sputnik Foto)
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Der Wert der Kryptowährung Bitcoin ist stark gestiegen. Grund dafür ist auch die Ankündigung von Tesla-Chef Elon Musk, ein Zehntel des Tesla-Barvermögens in Bitcoins zu investieren. Doch mittlerweile ist auch klar: Bitcoins sind eine klimaschädliche Technologie. Welt-Redakteur Benedikt Fuest hat sich intensiv mit Daten der Uni Cambridge beschäftigt, die den Stromverbrauch erfassen und hält fest, dass Elon Musks Bitcoin Investment ein Desaster für den Klimaschutz ist. Damit mache er vieles zunichte, was er mit Elektroautos an CO2 einspare. Beim sogenannten Schürfen, also der Herstellung der Bitcoins, wird sehr viel Energie verbraucht. 

Sandra Pfister: Warum ist Elon Musks Bitcoin-Investment ein Desaster für den Klimaschutz?

Benedikt Fuest: Bitcoin an sich ist eine sehr klimaschädliche Technologie. Sie basiert darauf, dass eine Menge Computer überall in der Welt am Leistungslimit arbeiten, um die Bitcoin Blockchain weiterzurechnen. Aktuell verbrauchen die nach Schätzung des Center for Alternative Finance der Universität Cambridge etwa 120 Terrawattstunden pro Jahr. Das entspricht einem Viertel des Stromverbrauchs von Deutschland oder ungefähr dem Stromverbrauch von Norwegen. Wenn nun Elon Musk mit seinem Investment den Kurs nach oben treibt, dann steigt auch der Energieverbrauch des Bitcoin-Netzwerks. Das liegt daran, dass je höher der Kurs steigt desto mehr Menschen ihre Rechner einschalten und am Boom teilhaben wollen.
 
Pfister: Ich verstehe es nicht ganz, denn das, was den Bitcoin ja so attraktiv macht, ist angeblich, dass die Menge der Bitcoins begrenzt ist. Da ist Inflation ausgeschlossen. Warum wird dann mehr Energie verbraucht?
 
Fuest: Das liegt daran, dass sich der Erfinder des Bitcoin – den kennen wir nur unter dem Pseudonym Satoshi – etwas überlegt hat, um eine Inflation zu vermeiden. Da die Technik immer weiter fortschreitet und die Rechner, die sich am Bitcoin-Netzwerk beteiligen, immer schneller rechnen, wird gleichzeitig die mathematische Aufgabe, die zum Errechnen der Bitcoins nötig ist, immer schwieriger. Das heißt, die Computer müssen gleichzeitig immer länger rechnen. Dadurch steigt dann der Energieverbrauch und dementsprechend auch der Klimaeffekt des Bitcoin immer weiter an, je mehr diese 21 Millionen verfügbaren Bitcoins berechnet sind.
 
Pfister: Gibt es da irgendeinen Weg raus aus dieser Falle, oder ist das jetzt einfach so, dass es dazu gar keine Alternative mehr gibt, der Bitcoin wird immer energieintensiver?
 
Fuest: Da gibt es tatsächlich, soweit bislang bekannt ist, keine Alternative zu. Eventuell irgendwann Quantencomputer, die das Ganze an sich unwirksam machen würden, aber das ist noch in weiter Zukunft.

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Bitcoin verdrängt Energienachfrage

Pfister: Wenn Ökostrom dafür eingesetzt würde, Bitcoins zu berechnen, wäre das dann eine saubere Sache?
 
Fuest: Es ist schon jetzt so, dass etwa ein Drittel – das ist auch eine Schätzung der Universität Cambridge – des Energiemixes, der für die Bitcoin-Berechnungen benutzt wird, Ökostrom ist. Das liegt daran, dass vor allem Computer des Netzwerks in China stehen, dort wo Wasserkraft sehr günstig Strom produziert. Aber man muss sich das so denken: Diese Energie, die da verbraucht wird, die würde sonst anderweitig genutzt. Das heißt, der Bitcoin verdrängt Energienachfrage, und wenn dann Energie für Bitcoins verwendet wird, dann wird anderswo vielleicht wieder ein Kohlekraftwerk angeschmissen, um diesen Strom, der jetzt nicht mehr verfügbar ist, anderweitig zu erzeugen. Deswegen glaube ich nicht, dass eine Energieumstellung auf Ökostrom dafür sorgen würde, dass die Klimabilanz des Bitcoins besser wird.
 
Pfister: Ist das den Leuten bewusst, die in Bitcoin investieren?
 
Fuest: Ob das denen bewusst ist, das weiß ich nicht. Ich habe jetzt Reaktionen auf Elon Musks Ankündigung in sozialen Netzwerken, auf Twitter, auf Facebook, auf Reddit gesehen, und da waren sehr viele, die sich dadurch jetzt erst bewusst geworden sind, welche Auswirkungen der Bitcoin auf das Klima hat, und die relativ entsetzt waren und auch gesagt haben, sie würden jetzt deinvestieren und Tesla-Aktien verkaufen, weil sie das nicht mittragen wollen. Teslas Aktie ist auch in Folge der Ankündigung tatsächlich ins Minus gerutscht – das erste Mal wieder seit längerer Zeit.

Hotspots des Bitcoin-Minings nutzen wenig Öko-Strom

Pfister: Wenn Sie es noch mal unterm Strich zusammenfassen – warum ist der Bitcoin so energieintensiv?
 
Fuest: Bitcoin ist eine dezentrale Technik. Darin liegt der Clou der Kryptowährung. Niemand kann das kontrollieren. Das Netzwerk, der Computer, auf dem diese Bitcoin Blockchain gerechnet wird, umfasst mehrere Millionen Maschinen. Um eine Inflation des Bitcoin durch die sich weiterentwickelnde Technologie zu verhindern, muss immer mehr Computer-Power dafür eingesetzt werden, je weiter das gerechnet wird. Dadurch wird die Energiebilanz des Bitcoin immer schlechter. Das wird ein Stück weit ausgeglichen durch die sich weiterentwickelnde Technologie, aber gleichzeitig ist es so, dass durch den steigenden Kurs des Bitcoin die Teilnahme an dem Netzwerk immer attraktiver wird, so dass immer mehr Menschen ihre Computer für das Mining, für die Errechnung von Bitcoins verwenden und damit auch relativ ineffiziente Technologien da zum Einsatz kommen, zum Beispiel Computer, wie wir sie hier zuhause stehen haben.
 
Pfister: Weil nämlich die meisten Bitcoins gar nicht in Europa generiert werden, oder?
 
Fuest: Die meisten Bitcoins werden in China generiert. Zurzeit ist die Schätzung, dass 70 Prozent der Maschinen, die am Bitcoin-Netzwerk teilhaben, in China stehen. Weitere stehen im Iran, in Kasachstan - das sind Hotspots des Bitcoin-Minings -, auch in den USA, und überall dort ist der Öko-Strommix im Netz nicht sonderlich gut. Das sorgt dafür, dass sehr viel Kohlestrom eingesetzt werden dürfte für die Berechnung des Bitcoin.
 
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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