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StartseiteSport am WochenendeNeuer Präsident aus der alten Garde12.12.2020

Boxverband AIBANeuer Präsident aus der alten Garde

Der AIBA-Kongress hat den Russen Umar Kremlev mit großer Mehrheit zum neuen Präsidenten gewählt. Und damit den der fünf Kandidaten, der den nationalen Verbänden das meiste Geld geboten hat. Vor dem Kongress hatte der Deutsche Ramie Al-Masri seine Kandidatur zurückgezogen.

Von Heinz Peter Kreuzer

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Umar Kremlev kandidiert als neuer Präsident für den Box-Weltverband AIBA. (imago images / ITAR-TASS)
Umar Kremlev, der neue Präsident des Amateur-Box-Weltverbands AIBA (imago images / ITAR-TASS)
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Nach vier Wahlgängen steht der Sieger fest: Der Russe Umar Kremlev ist neuer Präsident der AIBA, er bekommt 86 von 150 gültigen Stimmen. Den Niederländer Boris van der Vorst wählen 45 Delegierte und für Interimspräsident Mohammed Moustahsane aus Marokko votieren 19 Nationen. In den vorherigen Wahlgängen waren zuerst der Aserbeidschaner Suleyman Mikayilov und der Anas Al Otaiba aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgeschieden.

Mit Kremlev hat einer aus der alten Garde gewonnen. Die Chance auf einen Neuanfang ohne Altlasten ist damit vertan. Van den Vorst war als einziger der fünf Kandidaten unbelastet. Um seine Chancen zu erhöhen, hatte sich der deutsche Kandidat Ramie Al-Masri vor der Wahl zurückgezogen:

"Umfragen kurz vor dem Kongress zeigten, dass der Bewerber aus Russland deutlich auf Platz eins lag vor dem Aserbeidschaner, auf Platz drei und vier dicht beieinander, der Bewerber aus Holland und ich. So dass klar war, dass ein europäischer Bewerber alleine mit Sicherheit nicht würde gewinnen können. Da es um die Sache geht und nicht um einzelne Personen, beschloss ich, die Kandidatur zurückzuziehen, um zu ermöglichen, dass man vielleicht mit vereinten Kräften gebündelt diese Wahl gewinnen kann."

Ein Boxer sitzt am Boxring, er wird vom Ringrichter für kampfunfähig erklärt. (imago sportfotodienst) (imago sportfotodienst)Präsidentenwahl im Box-Weltverband - Ramie Al-Masri - ein Kandidat ohne Altlasten
Ramie Al-Masri tritt als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen des Box-Weltverbandes an. Der international anerkannte Kampfrichter aus Deutschland hat einen Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten: Er gilt als Kandidat ohne Altlasten.

"Schulden in den ersten sechs Monaten abtragen"

Doch Kremlev war nicht aufzuhalten. Der Russe hatte die größten Versprechungen gemacht, unter anderem die Tilgung der Schulden in Höhe von 19 Millionen US-Dollar.

"Wie ich bei der Ankündigung meiner Kandidatur für die Präsidentschaft versprochen habe, werde ich diese Schulden in den ersten sechs Monaten abtragen. Meine Administration wird darauf abzielen, innerhalb von zwei Jahren 50 Millionen Dollar aufzubringen, die vollständig für den Wiederaufbau der AIBA verwendet werden", schreibt der neue Präsident in einem Pressestatement.

Zudem kündigt er Pläne an, die nationalen Verbände der AIBA mit jährlich zwei Millionen Dollar zu unterstützen und auf jedem Kontinent Box-Akademien einzurichten, um Athleten, Trainer, Kampfrichter und Schiedsrichter auszubilden. Wichtiger wird aber die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Olympischen Komitee sein:

"Der Weg zum Wiederaufbau der AIBA ist nicht einfach. Es wird nicht über Nacht geschehen. Wir müssen uns zusammenschließen und mit einer Mission arbeiten, und nur mit einer Mission: die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen wiederherstellen, das die AIBA einst in den Köpfen der Sportler weltweit hatte, und dazu gehört natürlich auch die Wiederherstellung des olympischen Status der AIBA."

Tokio 2020 ohne AIBA

Kremlev ist zuversichtlich, dass er der AIBA einen klaren Weg aufzeigen kann, um vom IOC rechtzeitig für die Olympischen Spiele in Paris 2024 wieder eingesetzt zu werden.

Zur Erinnerung: Im Mai 2019 suspendiert das IOC den Box-Weltverband. Die Gründe für diese Entscheidung sind das Missmanagement im Finanzbereich, Korruption, Ethikverstöße, die intransparente Verbandsführung und Mängel im Anti-Doping-Kampf. Das IOC entzieht dem Verband die Berechtigung, den Boxwettbewerb bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu organisieren. Und eine IOC-Arbeitsgruppe legt dem Verband dann einen Fahrplan vor, dem er folgen muss, um die Gunst des IOC zurückzugewinnen.

IOC: "Weiterhin sehr besorgt"

Zu den Anforderungen gehört ein umfassender Wechsel in der AIBA-Führung, der die derzeitigen Mitglieder des regierenden Exekutivkomitees ausschließen soll. Ebenfalls auf der "Must-Do"-Liste stehen Reformen der Verfassung und der Regeln des Verbandes, um diese in Einklang mit den besten Praktiken internationaler Sportverbände zu bringen. Getan hat sich in den vergangenen Monaten allerdings wenig. Nach der Wahl Kremlevs erklärt das IOC:

"Das IOC nimmt zur Kenntnis, dass Herr Umar Kremlev zum AIBA-Präsidenten gewählt worden ist. Wie bereits im Oktober zum Ausdruck gebracht, ist die IOC-Exekutive weiterhin sehr besorgt über den mangelnden Fortschritt in Bezug auf die Governance-Reformen der AIBA. Die Frage der Anerkennung der AIBA wird erst nach den Olympischen Spielen in Tokio 2020 überprüft und alle von der IOC-Exekutive und der IOC-Session 2019 aufgelisteten Kriterien werden evaluiert werden, einschließlich der Wahlen."

Die Wahl Kremlevs dürfte nicht die Entwicklung sein, die das IOC erwartet. Und nicht nur das: Kremlev ist in Russland auch ein Spitzenfunktionär im Profiboxen. Deshalb fürchten viele in der Boxwelt, er forciere einen Zusammenschluss zwischen Profis und Amateuren.

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