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StartseiteSpielweisenWie eine Raupe, die versucht ein Schmetterling zu werden07.11.2018

Brahms' Violinsonaten ganz andersWie eine Raupe, die versucht ein Schmetterling zu werden

Wie wurde die Musik von Johannes Brahms eigentlich zu seiner Zeit gespielt? Dieser Frage sind die Geigerin Leila Schayegh und der Pianist Jan Schultz nachgegangen. Sie haben sich intensiv mit Quellen aus der Zeit beschäftigt, und kommen zu einem klanglich überraschenden Ergebnis.

Violinistin Leila Schayegh im Gespräch mit Susann El Kassar

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Die Musikerin Leila Schayegh lehnt gegen eine weißen Wand. (Marco Borggreve)
Die Barockviolinistin Leila Schayegh hat sich aus der Musikepoche, in der sie sich sonst bewegt, entfernt und versucht, die Sonaten von Johannes Brahms möglichst so zu spielen, wie es zur Zeit von Brahms klang. (Marco Borggreve)

"Es war für mich überhaupt nicht selbstverständlich", sagt Leila Schayegh, "ich habe mich in eine Metamorphose begeben, monatelang, ich hatte das Gefühl, ich sei eine Raupe, die versucht ein Schmetterling zu werden! Ich musste meine ganze Technik umstellen." Denn eigentlich ist Leila Schayegh Barockviolinistin, spezialisiert auf Barock- und Renaissancemusik. Sie ist gewohnt mit alten Quellen zu arbeiten und mit diesem Wissen möglichst so zu spielen, wie es in der Zeit üblich gewesen sein könnte. Dieses Prinzip hat sie jetzt zusammen mit dem Pianisten Jan Schultz auf die Violinsonaten von Johannes Brahms angewendet.

Das Klangergebnis weicht überraschend stark von der Art ab, wie Brahms üblicherweise heutzutage gespielt wird. Jan Schultz arpeggiert die Akkorde auf dem historischen Flügel von 1879, Leila Schayegh wechselt die Spielpositionen auf der Geige hörbar, weil eben diese "Portamenti" damals zum Stil der Zeit gehörten und weil Fingersätze auch dazu dienten, den musikalischen Sinn einer Phrase zu unterstreichen. Der Geiger und Brahms-Zeitgenosse Joseph Joachim sprach darum auch von "Phrasierungssätzen", erklärt Schayegh. Darüberhinaus nehmen die beiden nehmen sich erstaunlich viele Freiheiten im Zusammenspiel. "Wenn ich mir das anhöre - ich bin ja so gewohnt Musik aus dem 18. Jahrhundert zu spielen! - dann finde ich das immer noch wahnsinnig zusammen gespielt, aber ich weiß, dass Leute, die sich das fast nie anhören, die finden das unglaublich auseinander.", sagt Leila Schayegh, hier beeinflusse Subjektivität sehr stark den Höreindruck.

Wie Leila Schayegh zu diesen stilistischen Erkenntnissen gekommen ist, aber auch wie es sein kann, dass die Art Brahms zu spielen Anfang des 20. Jahrhunderts sich so stark verändert hat, erklärt die Geigerin im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Johannes Brahms
Violin Sonatas
Leila Schayegh, Violine (Daniel Fritsch 2017, Nachbau eines romantischen Models)
Jan Schultz, Klavier (J.B.Streicher & Sohn, Wien 1879)
Glossa

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