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StartseiteEuropa heuteTony Blairs Kampf für ein zweites Referendum12.03.2019

BrexitTony Blairs Kampf für ein zweites Referendum

Die britische Premierministerin Theresa May hofft immer noch auf einen geregelten EU-Austritt. Derweil kämpfen andere Prominente wie Tony Blair für ein zweites Brexit-Referendum. Damit sammelt der umstrittene ehemalige Regierungschef Punkte - vor allem in seiner eigenen Partei.

Von Friedbert Meurer

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Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair hält eine Rede vor dem Edelman Trust zur Debatte um den Brexit am (imago/Thomas Mark)
Tony Blair wird wegen des Irak-Kriegs in der eigenen Partei immer noch von vielen angefeindet, die Vorbehalte ihm gegenüber sind groß (imago/Thomas Mark)
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Beifall für Tony Blair. Der frühere Premierminister hat gerade eine Rede im prachtvollen Carlton House gehalten, gleich oberhalb des St James`s Park. Der Moderator bittet jetzt um Fragen, die sich ausschließlich um Blairs zentrales Anliegen drehen: Großbritannien soll noch einmal über den Austritt aus der EU abstimmen.

Blair sieht nur noch zwei Alternativen: die EU ohne einen Vertrag zu verlassen, genannt "no deal", oder ein zweites Referendum. Blair wird wegen des Irak-Kriegs in der eigenen Partei immer noch von vielen angefeindet. Aber mit seinem Engagement pro EU sammelt er jetzt Punkte.

"Er ist erfolgreich als proeuropäischer Politiker, aber außenpolitisch hat er uns in einen illegalen Krieg geführt."

"Was den Brexit angeht, hat er absolut Recht. Aber wegen des Irak-Kriegs hat er leider alle Glaubwürdigkeit verloren."

Vorbehalte gegenüber Tony Blair sind groß

Der Publizist John Rentoul hat gerade ein Buch über die Zeit der Blair-Regierung geschrieben mit dem Titel "Helden oder Schurken?" Blair sei weder das eine noch das andere, so lautet sein Urteil. Sein Einsatz für die EU imponiere umso mehr, als der heutige Labour-Chef Jeremy Corbyn eher den Brexit gut zu finden scheint. John Rentoul:

"Es ist schon paradox, die meisten Parteimitglieder wollten ja Corbyn als Parteichef. Viele von ihnen sind aber für die EU und wünschen sich verzweifelt, dass Jeremy Corbyn so argumentiert wie Tony Blair das heute tut."

Blair gewinnt also wieder etwas an Statur, aber die Vorbehalte sind schon noch beträchtlich. Mit öffentlichen Auftritten hält er sich immer noch zurück, weil sie jederzeit von Demonstranten gesprengt werden können:

"Der Mann ist ein Kriegsverbrecher", hielt ihm dieser Störer bei einer Anhörung entgegen. Die Labour-Linke, die jetzt die Partei dominiert, wirft Blair außerdem auch vor, er sei als Premierminister viel zu wirtschaftsfreundlich gewesen. Rentoul stellt in seinem Buch aber klar, dass Blair zwar darauf verzichtete, die Privatisierungen Margaret Thatchers rückgängig zu machen. Statt Betriebe zurückzukaufen habe er lieber in Schulen und Krankenhäuser investiert.

Politisches Chaos in Großbritannien hilft Blair

Vor allem eines aber kommt dem lange geschmähten Blair jetzt auch entgegen: Seine Nachfolger in Regierung und Partei schneiden im Urteil der Öffentlichkeit alles andere als gut ab. David Cameron steht bei niemandem mehr hoch im Kurs, Theresa May kämpft ums politische Überleben. Und unter Jeremy Corbyn erlebt Labour gerade eine tiefe Krise - wegen der Antisemitismusaffäre haben schon neun Abgeordnete die Partei verlassen. Tony Blair gibt daran Corbyn die Schuld:

"Das ist eine Schande für Labour. Zu viele mit radikallinken außenpolitischen Ansichten rund um Israel durften in die Partei eintreten. Die heutige Führung kommt ja selbst aus dieser Tradition. Man hat ihnen die Tür weit aufgemacht."

Die Labour-Abgeordneten, die die Partei aus Protest gegen Corbyn verlassen haben, möchten allerdings nicht zu eng mit Tony Blair verbunden werden. Sie wollen mit ihrer neuen Partei einen neuen Aufbruch zur politischen Mitte repräsentieren. Aber letzten Endes stehen sie doch in der Tradition Tony Blairs, der selbst aber Labour die Treue halten will:

"Ich bleibe Mitglied bei Labour. Ich bin sehr besorgt über die Richtung und Politik der Partei heute. Ich empfinde viel Sympathie für das, was die Abgeordneten tun und sagen, die Labour verlassen haben."

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