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Brexit-Umfrage
Mehr als Hälfte der Briten will in der EU bleiben

Die Mehrheit der Briten will einer neuen Umfrage zufolge doch in der Europäischen Union bleiben. Ihre Meinung geändert haben vor allem die Nichtwähler bei der Brexit-Abstimmung. Die britische Premierministerin Theresa May verspricht unterdessen, sie werde dafür sorgen, dass der Brexit nicht entgleise.

Von Stephanie Pieper | 17.12.2017

    Die britische Premierministerin Theresa May kommt am 14.12.2017 in Brüssel (Belgien) zum EU-Gipfel. Auf der Agenda des zweitägigen EU-Gipfels stehen unter anderem die Verteidigungsunion, die Migrationspolitik, die Reform der Eurozone und der Fortgang der Brexit-Gespräche.
    Die britische Premierministerin Theresa May beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am 14. Dezember 2017 in Brüssel. (Geert Vanden Wijngaert/dpa)
    51 Prozent der Befragten sprachen sich demnach dafür aus, die Europäische Union nicht zu verlassen, sondern Mitglied zu bleiben. Dagegen halten es 41 Prozent nach wie vor für richtig, den Brexit durchzuziehen. Der Rest ist unentschieden. Dies ist das Ergebnis der Umfrage des Instituts BMG Research im Auftrag der Zeitung "Independent on Sunday". Dem Blatt zufolge ist dies der größte Abstand zwischen Brexit-Gegnern und -Befürwortern seit dem Volksentscheid im Juni 2016.
    Ihre Meinung geändert haben vor allem die damaligen Nichtwähler, die inzwischen ganz überwiegend für den Verbleib in der EU sind – während 90 Prozent derjenigen, die beim Referendum ihre Stimme abgegeben haben, sich wieder so entscheiden würden wie damals.
    Premierministerin Theresa May schreibt heute in zwei britischen Sonntagszeitungen, sie werde dafür sorgen, dass der Brexit nicht entgleist; sie habe die Zweifler an ihrem Kurs eines Besseren belehrt durch die jüngste Einigung mit der EU über die Trennungsmodalitäten, so die konservative Politikerin.
    Boris Johnson erklärt, Großbritannien dürfe nicht zu einem "Vasallen-Staat" der EU werden
    Anfang der Woche will die britische Regierung darüber beraten, was sie in den bald beginnenden Gesprächen über ein Handelsabkommen mit der EU anstrebt. Im Kabinett gibt es zwei Lager: Das eine will zugunsten der Wirtschaft weiter eine enge Anlehnung an EU-Regularien; das andere will eine stärkere Abkopplung davon, um mehr Souveränität zu erreichen. In der "Sunday Times" erklärte etwa Außenminister und Brexit-Vorkämpfer Boris Johnson, Großbritannien dürfe langfristig nicht zu einem "Vasallen-Staat" der EU werden, der europäisches Recht nach wie vor spiegelt.
    Brüssel will zumindest für eine Übergangsphase nach dem Brexit den Status quo festschreiben; demnach würde Großbritannien praktisch im Binnenmarkt und in der Zollunion bleiben – dafür aber auch neues EU-Recht in dieser Zeit weiter übernehmen. Am Freitag haben die 27 Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel grünes Licht dafür gegeben, die zweite Phase der Verhandlungen zu starten.
    Zuvor musste May eine empfindliche Niederlage im Unterhaus hinnehmen: Die Abgeordneten stimmten mehrheitlich für ein größeres Mitspracherecht des Parlaments beim Brexit-Deal. Eine weitere Rebellion aus den eigenen Tory-Reihen in dieser Woche – gegen die Verankerung des Brexit-Termins 29. März 2019 im Austrittsgesetz – will May nun mit einem Kompromiss vermeiden.