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BRICS-Entwicklungsbank
Auf Projekte der Mitgliedsländer setzen

Umgerechnet 200 Milliarden US-Dollar werfen die BRICS-Länder in die Waagschale, um ihrem großen Ziel näherzukommen. Sie wollen das Gleichgewicht in der Weltwirtschaft verschieben. Vor allem die USA, aber auch die Europäische Union, sollen künftig weniger Einfluss haben. Die Schwellenländer sollen dafür eine größere Rolle spielen, meinen sie.

Von Florian Kellermann | 10.07.2015

    Der russische Präsident Wladimir Putin begrüßt den chinesischen Präsidenten Xi Jinping zum Brics-Gipfel in Ufa.
    Der russische Präsident Wladimir Putin begrüßt den chinesischen Präsidenten Xi Jinping zum Brics-Gipfel in Ufa. (picture alliance / dpa / Ria Novo)
    Bei ihrem Gipfel in Ufa in der Russischen Föderation machten die BRICS-Länder ihre Pläne erstmals konkret. Etwa die Hälfte der 200 Milliarden US-Dollar werden in eine Entwicklungsbank fließen, die andere Hälfte in einen Währungsfonds. Die Entwicklungsbank soll Kredite für Investitionen vergeben, der Fonds dagegen in Not geratenen Ländern aus der Klemme helfen.
    Die Staatenlenker machen kein Hehl daraus, dass ihre Institutionen eine Konkurrenz zu Weltbank und Internationalem Währungsfonds darstellen. Diese beiden Einrichtungen seien zu sehr von den USA dominiert, meinen sie.
    Konkrete Projekte erarbeiten
    Der russische Präsident Vladimir Putin sagte in Ufa:
    "Die beiden neuen Finanzinstitutionen werden schon bald voll ihre Arbeit aufnehmen. Die Entwicklungsbank wird große Projekte in den Bereichen Transport, Energie und Industrieentwicklung finanzieren. Eine Road-Map mit konkreten Projekten werden wir bis Jahresende erarbeiten."
    Kommentatoren aus den BRICS-Ländern äußerten sich zum Teil euphorisch: Mit der neuen Entwicklungsbank breche eine neue finanzielle Weltordnung an, erklärte etwa Brian Molefe, der für Südafrika angereist war.
    Euphorische Aufbruchsstimmung
    Die Staats- und Regierungschefs selbst äußerten sich vorsichtiger und beschreiben ihre Projekte eher als Korrektiv zu bestehenden Institutionen. Dabei geht es ihnen nicht nur um die Investitionen und die Länder, die von Weltbank und Internationalem Währungsfonds unterstützt werden. Sie wollen auch die Vorherrschaft des US-Dollar als globaler Leitwährung in Frage stellen, sagt Jekaterina Scharowa vom Kreml-nahen Wirtschaftsinstitut RISI.
    "Die BRICS-Staaten gehen schrittweise dazu über, den internen Handel in ihren nationalen Währungen abzuwickeln. Schon seit vier Jahren gibt es einen Mechanismus für die Zusammenarbeit der Bankensysteme. Am weitesten hier sind Russland und China - Verträge zwischen Unternehmen können schon in Rubel oder Yuan abgewickelt werden. Im vergangenen Oktober haben die Nationalbanken von China und Russland zudem einen Währungs-Austausch, einen sogenannten SWAP, beschlossen im Umfang von 150 Milliarden Yuan oder 24,5 Milliarden US-Dollar."
    Währungsaustausch beschlossen
    Wenn die BRICS-Staaten tatsächlich die wirtschaftliche Weltordnung infrage stellen wollen, müssen sie in der Zukunft auch andere Länder unterstützen. Auch in Ufa kam dabei immer wieder die Sprache auf Griechenland. Experten könnten sich gegenwärtig jedoch kaum vorstellen, dass die BRICS-Länder Griechenland unter die Arme greifen, so der ehemalige russische Finanzminister Alexej Kudrin.
    "Als Erstes wird die BRICS-Bank doch diejenigen Länder unterstützen, die sie auch gegründet haben. Bisher gibt es keine Richtlinien, wie andere Staaten profitieren könnten. Außerdem werden auch die BRICS-Institutionen Forderungen stellen, was etwa Wirtschaftsreformen anbelangt. Auch ihnen wird wichtig sein, dass ein Kreditnehmer seinen Kredit am Ende auch zurückzahlen kann."
    Mit anderen Worten: Auch für die BRICS-Staaten dürfte Griechenland derzeit ein zu riskanter Kreditnehmer sein, so Ex-Wirtschaftsminister Kudrin.