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StartseiteMusikjournal"Lieber Ludwig, die Welt heute wäre so anders ohne Ihre Musik"30.11.2020

Briefe an Beethoven"Lieber Ludwig, die Welt heute wäre so anders ohne Ihre Musik"

Seit früher Kindheit spielt Beethovens Musik eine bedeutende Rolle im Leben der Pianistin Mari Kodama, schreibt sie in ihrem Brief an den Komponisten. Auch nach 40 Jahren in der Auseinandersetzung mit seiner Musik werde sie immer wieder von Entdeckungen überrascht.

Von Mari Kodama

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Eine Statue des Komponisten Ludwig van Beethoven in Bonn. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
Die Pianistin Mari Kodama dankt in ihrem Brief an Beethoven für seine Musik an die Menschheit (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
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Verehrter Maestro, 

ich schreibe Ihnen als Pianistin und mein Name ist Mari Kodama. An meinem Namen können Sie vielleicht erkennen, dass ich ursprünglich Japanerin bin, aber schon mit sechs Jahren nach Deutschland kam und dann von meinem 14. Lebensjahr an in Frankreich studierte.

Seit meiner frühen Kindheit spielt Ihre Musik eine bedeutende Rolle in meinem Leben. Zu Beginn konnte ich natürlich nicht verstehen, warum Ihre Musik bis heute so bedeutend ist, wo Sie uns doch schon vor fast 200 Jahren verlassen haben.

Aber nachdem ich nun Ihre Musik über 40 Jahre studiert und gespielt habe, werde ich noch immer von Entdeckungen überrascht: Ihre Kompositionen sind stets so voller Wärme und so begleiten sie uns durch unser ganzes Leben – durch gute und schlechte Zeiten.

Kent Nagano mit seiner Ehefrau Mari Kodama und Olaf Scholz ( l. Bürgermeister von Hamburg ) Senatsfrühstück für Kent Nagano im Senatsgästehaus aus Anlass des 65. Geburtstags im Jahr 2017  (imago / Lars Berg) (imago / Lars Berg)

Beethoven hat sich nie wiederholt

Das ist vielleicht, weil Sie in der Entwicklung der Musik immer nach vorne geschaut haben, immer für Menschlichkeit, Humanität und die Freiheit Aller gekämpft haben; wir würden heute sagen: für eine demokratische Musik in einer demokratischen Gesellschaft. Und so haben Sie sich nie wiederholt, Ihre 32 Klaviersonaten sind alle so verschieden und haben, jede für sich, einen eigenen Charakter. Ich musste 32 Sprachen lernen, um jede einzelne zu verstehen.

Dabei haben Sie uns auch gezeigt, dass man wachsen kann durch Begrenzung – was für eine Freiheit haben Sie gewonnen in Ihrem Kampf gegen die Taubheit! Was wäre unsere Welt ohne Ihr Vermächtnis!

Beethoven 2020 (Deutschlandradio / imago / Klaus W. Schmidt)Beethoven 2020 (Deutschlandradio / imago / Klaus W. Schmidt)

Nun möchte ich noch eine Frage an Sie stellen: Sie waren selbst immer fasziniert vom Fortschritt der Technik und wie wir diese nutzen könnten, um unsere Möglichkeiten zu erweitern. Würden Sie auch heute ein "klassischer" Musiker sein – was ich hoffe – oder würden Sie sich eher technologisch engagieren, um unserer heutigen Welt in ihren großen Problemen zu helfen? Und auf welchem Wege würden Sie dann mit all Ihrer Kreativität versuchen den Problemen der Menschheit zu begegnen, denen wir immer wieder gegenüber stehen?

Wunsch nach Zeitmaschine

Ich wünschte, ich hätte eine Zeitmaschine um mit Ihnen darüber zu sprechen, über unsere Zukunft im 21. Jahrhundert!

Aber für heute möchte ich Ihnen noch einmal innigst danken für das Geschenk Ihrer Musik an die Menschheit. Die Welt heute wäre so anders ohne Ihre Musik.

In großer Verehrung, 

Ihre Mari Kodama

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