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StartseiteSport am WochenendeWie Donald Trump beim Golf betrügt19.09.2020

Buch von Journalist Rick ReillyWie Donald Trump beim Golf betrügt

US-Präsident Donald Trump verbiegt wahllos wichtige Fakten und verdreht die Realität. Das gilt auch für sein Golfspiel, bei dem er Turniere gewinnt, an denen er gar nicht teilgenommen hat. Für den Journalisten Rick Reilly genug Material für ein ganzes Buch, das nun auf Deutsch erschienen ist.

Von Jürgen Kalwa

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US-Präsident Donald Trump beim Golf. (imago images / ZUMA Press)
Donald Trump hat schon einmal eine Golf-Klubmeisterschaft gewonnen, an der er gar nicht teilgenommen hat. (imago images / ZUMA Press)
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Seit der Amtsübernahme von Donald Trump haben die Fact-Checker der Washington Post über eine seiner Eigenarten beharrlich Buch geführt. Im Juli meldeten sie einen Zwischenstand: der amerikanische Präsident hatte die Marke von insgesamt 20.000 "falschen und irreführenden Behauptungen" übertroffen. Das Etikett klingt milde. Denn bei so vielem, was der Mann im Weißen Haus bei Pressekonferenzen und Wahlkampfreden von sich gibt, verbiegt er einfach wahllos wichtige Fakten und verdreht die Realität.

Für dieses Spiel mit der Wahrheit haben Psychologen einen Begriff geprägt: Sie nennen es eine krankhafte narzisstische Persönlichkeitsstörung. Wie die im Alltag abläuft, kann kaum jemand so gut beschreiben, wie der amerikanische Sportjournalist Rick Reilly. Und zwar in einem Buch, das vor einem Jahr im Original erschien und soeben auf Deutsch herauskam. Titel: "Der Mann, der nicht verlieren kann." Es porträtiert Trump im Umgang mit seiner größten Passion: dem Golfspiel. Einem hervorragenden Gradmesser, um einen Menschen zu beurteilen. Wer hier betrügt, so hat der Golf-Grandseigneur Arnold Palmer mal gesagt, der betrügt auch im richtigen Leben. "Das Buch liefert einen humorvollen und gleichzeitig phantastischen Ansatz um zu erklären, wer Trump ist. So wie er mit Golf umgeht, so geht er mit allem um."

300 Golfspiele seit Amtsantritt

Wozu gehört: Trump besitzt siebzehn Golfplätze weltweit und spielt am liebsten nur dort. Jede Anlage trägt seinen Nachnamen und jede spielt Geld aus der Staatskasse ein, wenn er dort mit einer riesigen Entourage aus Sicherheitspersonal und Adjutanten anreist. Das  passierte seit dem Amtsantritt Januar 2017 übrigens fast 300mal.

Punkt zwei: Trump spielt nicht nach dem Ehrenkodex, an den sich normale Spieler halten. Der besagt: Weil es keine Schiedsrichter gibt, muss sich jeder bei Regelverstößen selbst bestrafen. Das Spiel lebt davon, dass seine Akteure absolut ehrlich sind. Rick Reilly im Gespräch mit dem Deutschlandfunk: "Man nehme die Covid-Pandemie. Das ist für Trump genauso wie Golf. Er will die niedrigsten Zahlen haben. Also schummelt und lügt er und besticht Leute, um das zu erreichen."

US-Präsident Donald Trump empfängt das Tigers Football Team der Louisiana State University im Weißen Haus.  (dpa / picture alliance / Yasin Ozturk) (dpa / picture alliance / Yasin Ozturk)Trumps politische Spielchen
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Was Reilly penibel nachrecherchiert hat, als er sich von Caddies und Gegnern erzählen ließ, wie er das macht. Sein offizielles Handicap? 2,8. Das Niveau von erstklassigen Amateuren. Und ein Wert, der keiner kritischen Überprüfung standhalten würde. Noch grotesker: Auf einigen seiner Plätze hat Trump sogar Klubmeisterschaften "gewonnen", an denen er gar nicht teilgenommen hat.

Der Journalist, der mehrere Jahrzehnte lang Reportagen und Essays für "Sports Illustrated" schrieb und später für den Fernsehsender ESPN arbeitete, hatte einst selbst das zweifelhafte Vergnügen, mit Trump zu spielen. "Auf der Runde hat er sich bestimmt sieben Mulligans zugestanden. Fehlschläge, die er nicht mitgezählt hat. Er hat vor einem Grün den Ball aufgehoben und behauptet, den Schlag hätte er garantiert eingelocht. Seine Caddies haben extra Holzstifte dabei, sogenannte Tees, mit denen er im tiefen Gras neben dem Fairway den Ball höherlegen kann. Und sie legen Bälle an Stellen aus, von denen er viel besser weiterspielen kann."

Alles klare Regelverstöße übrigens.

Reilly will bei Biden-Sieg feiern

Reillys Buch war vier Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times und hat in den USA mehr als hunderttausend Exemplare verkauft und damit erheblich mehr eingespielt, als die 20 Dollar, die er Trump am Ende der Runde als Wetteinsatz geben musste, weil er gegen einen Gegner, der so intensiv betrügt, nicht gewinnen konnte. Trotzdem würde sich der Journalist im Falle eines neuerlichen Wahlsiegs am liebsten aus Amerika absetzen. Gewinnt Biden im November wird er den Namen Trump möglichst nie wieder zu Papier bringen und ausgelassen feiern, dass ein Albtraum zu Ende ist: "Man wird mir Steine in die Taschen stecken müssen, damit ich nicht abhebe. Ich werde fremde Menschen küssen, auf meinem Dach herumtanzen und das Leben wieder genießen. Denn die letzten Jahre waren wirklich deprimierend. 20.000 Lügen. Und die Leute glauben die auch noch."

Bis dahin empfiehlt sich als Überbrückung die Lektüre seines Buches. Denn Reilly kann hervorragend schreiben. Und verfügt über einen großartigen, oft bissigen Humor.

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