Montag, 21.10.2019
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteCorso"Woyzeck ist der Einzige, der noch Herz und Gefühl hat"02.07.2019

Büchners Woyzeck als Comic"Woyzeck ist der Einzige, der noch Herz und Gefühl hat"

Mediziner, Revolutionär, Schriftsteller, nur 23 wurde Georg Büchner. Trotz eines überschaubaren und teilweise fragmentarischen Werks gilt er heute als Klassiker. Jetzt erscheint sein "Woyzeck" als Comic. "Er wird oft zu trocken vermittelt", sagt Illustrator Andreas Eikenroth im Deutschlandfunk.

Andreas Eikenroth im Corsogespräch mit Ulrich Biermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
(Andreas Eikenroth)
Auszug aus Andreas Eikenroths "Woyzeck" (Andreas Eikenroth)
Mehr zum Thema

Graphic Novel Auf den Spuren des Odysseus

Ausstellung über Design und Comics Zeitgeist unterm Zeichenstrich

Neuer Schauraum "Comic+Cartoon" "Der Comic war das erste Massen-Bildtext-Medium"

Der einfache Soldat Woyzeck, arm und ganz unten in der Gesellschaft, muß sich der Wissenschaft verdingen um Freundin und Kind zu unterhalten. Das Fragment bebliebene Drama erzählt die Geschichte einer geschundenen und getretenen Kreatur. "Woyzeck ist das getriebene Opfer, das wollte ich erzählen" sagt der Comiczeichner und Illustrator Andreas Eikenroth.

Grafische Inszenierung

Da der Woyzeck ein Bühnenstück sei, habe er ihn im Comic auch inszenieren wollen. Daher gibt es keine Panels, die aneinandergereiht die Geschichte erzählen, stattdessen ist jede Seite aufgebaut wie ein Bühnenbild: "So dass die Figuren von oben links nach unten rechts durch das Bild fließen, sich bewegen." 

(Andreas Eikenroth)Auszug aus Andreas Eikenroths "Woyzeck" (Andreas Eikenroth)

Opfer Woyzeck

Eikenroth sieht Büchners Protagonisten als eine ausgelieferte Figur: "Woyzeck ist das Opfer gewesen, er wird von allem erschlagen, was um ihn herum ist. Er reagiert, und agiert kaum".

Ursprünglich im 19. Jahrhundert spielend hat Eikenroth seine Interpretation in eine diffuse Version der Weimarer Republik verlagert, die Handlung voller Unterdrückung und Machtmißbrauch passe wunderbar in dieses Setting. Die Handlungszeit wurde aber auch gewählt, weil Eikenroth die geschichtliche Distanz beibehalten wollte, aber gleichzeitig sich grafischer Mittel und Stile der Zwanziger Jahre bedienen konnte. Er habe sich sehr inspirieren lassen duch George Grosz oder Jeanne Mammen.

(Andreas Eikenroth) (Andreas Eikenroth)

Andreas Eikenroth: Woyzeck. 

Edition 52, Wuppertal 2019. 60 Seiten, 15 Euro

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk