Sport am Wochenende 07.12.2019

Bundesliga-PolizeieinsätzeDebatte um Kosten für RisikospieleVon Thorsten Philipps

Beitrag hören Polizisten stehen am 16.04.2017 am Weserstadion in Bremen. (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)Die Bundesliga erwirtschaftet viel Geld, überlässt aber die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen dem Steuerzahler (picture alliance / dpa / Carmen Jaspersen)

Ein Risikospiel der Fußballbundesliga kostet den Steuerzahler viel Geld: An die 1.000 Polizisten sind im Einsatz. Werder Bremen soll die Rechnung für diese Mehrkosten zahlen, so will es Bremens Innenminister Ulrich Mäurer. Auf der Innenministerkonferenz in Lübeck erhält er Zu- und Widerspruch.

Bremens Innenminister Ulrich Mäurer - seit elf Jahren im Amt – hat schon viele Innenministerkonferenzen erlebt – von dieser in Lübeck sei kein Befreiungsschlag zu erwarten, sagt er:

"Die Innenministerkonferenz ist kein Motor in dieser Sache, sondern steht auf der Bremse. Und das seit vielen Jahren."

Das Foto zeigt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, SPD. (picture-alliance / dpa / Michael Bahlo)Bremens Innensenator Ulrich Mäurer, SPD (picture-alliance / dpa / Michael Bahlo)

Einer von Mäurers härtesten Gegenspielern ist Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius. Hannoveraner Polizeireiterstaffeln helfen den Bremer Kollegen, wenn Werder gegen den HSV im Stadion ran muss. Dafür kassiert Niedersachsen Geld aus Bremen. Pistorius hält gar nichts davon, dass Bundesligavereine bei Risikospielen die Mehrkosten tragen soll und findet, dass sich Bremens Innenminister Mäurer mit seiner exklusiven Entscheidung ein klassisches Eigentor geschossen hat. Pistorius sagt:

"Wir haben schon mehrmals darüber geredet. Die Position der meisten Länder ist unverändert und von daher: Es gibt keinen offiziellen Tagesordnungspunkt dazu, es kann aber immer sein, dass es im Kamingespräch, wo die Minister unter sich sind, nochmal erörtert wird. Aber an der grundlegenden Position hat sich bislang nichts geändert."

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) (dpa-Bildfunk / Holger Hollemann)Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius, SPD (dpa-Bildfunk / Holger Hollemann)

Für Boris Pistorius liegen die Gegenargumente, alles so zu lassen wie es ist, auf der Hand:

"Es ist schwer zu vermitteln, warum Vereine in den ersten beiden Ligen, die praktisch keine Probleme haben mit ihren Fans, in einen Soldarfonds einzahlen sollen, aus dem dann Kosten bezahlt worden für Polizeieinsätze, die nötig werden bei Spielen anderer Vereine. Das Gegenargument ist: Erstens ist es ein Systembruch. Es macht keinen Sinn und ist nicht erklärbar, warum man einem Veranstalter die Kosten für einen Polizeieinsatz in Rechnung stellt, was an Polizeikosten anfällt, dafür, dass er eine Veranstaltung durchführt."

Unterstützung für Pistorius kommt aus Schleswig-Holstein: Innenminister Hans-Joachim Grothe:

"Sicherheit, öffentliche Sicherheit, ist Aufgabe des Staates und das kann nicht privatisiert werden. Insofern können wir auch diese Kosten nicht weiterrechnen und wir wollen es auch nicht. Denn die nächste Frage wäre: Was ist mit Sicherheitsmaßnahmen für die Kieler Woche, was ist bei großen Reittturnieren, etcetera."

"Die Front wird bröckeln"

Bei einem Risikospiel der Fußballbundesliga sind fünf Mal so viele Beamte vor dem Stadion im Einsatz: statt 200 wie üblich sind es 1.000. Dafür reisen teilweise Einsatzkräfte quer durch die Republik und sorgen für zusätzliche Kosten. Doch die DFL lehnt eine Kostenübernahme kategorisch ab, zum Unmut von Bremens Innenminister Ulrich Mäurer

"Ich habe auch von der DFL nichts anderes erwartet: Da kommt alles zusammen, das ist Ignoranz, das ist Hochmut. Das hält mich aber nicht davon ab und auch nicht Bremen, dass wir dennoch weitermachen. Weil wir haben die breite Zustimmung der Bevölkerung dafür und irgendwann wird auch diese Front hier brechen. Ein Land nach dem anderen, denke ich, wird umfallen, und daran arbeiten wir ja auch. 

Werder-Klage gegen DFL läuft

Und zwar zusammen mit Rheinland-Pfalz' Innenminister Roger Leventz: Der hat mit Bremens Innenminister Ulrich Mäurer bereits eine Gebrauchsanweisung für die Länder formuliert, wie sie ihre Vereine zur Kasse bitten können.

Leventz würde dem Beispiel Bremens nach eigenen Angaben folgen, wenn die DFL die Kosten nicht übernimmt. Und danach sieht es aus: Es sei denn es kommt noch Bewegung in die Sache durch eine Klage des SV Werder Bremen. Der Fußballbundesligist will nun gegen die DFL klagen, um nicht alleine auf einer halben Million Euro Mehrkosten sitzenzubleiben.

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