Entscheidung zumutbar?
Bundestag berät über Reform der Organspende - erneuter Anlauf für Widerspruchsregelung

Der Bundestag hat über eine Neuregelung der Organspende beraten. Zwei fraktionsübergreifende Gruppen von Abgeordneten haben ganz unterschiedliche Vorschläge vorgelegt - jeweils mit dem Ziel, die Zahl der Organspenden zu erhöhen. Im Kern geht es um zwei Begriffe: Widerspruch oder Freiwilligkeit.

    Ein Organspendeausweis wird in die Kamera gehalten.
    Mit einem Organspendeausweis lässt sich der eigene Wille zur Organspende festhalten. Im Bundestag wird erneut über eine Widerspruchslösung beraten, nach der als potenzieller Spender gilt, wer nicht ausdrücklich widerspricht. (picture alliance / Caro Kadatz)
    Eine Gruppe von Abgeordneten aus CDU, CSU, SPD, Grünen und Linken brachte einen Entwurf für die sogenannte Widerspruchsregelung ein. Mit dieser würden Erwachsene automatisch zu Spendern, sofern sie zu Lebzeiten nicht aktiv widersprechen. Bislang muss für eine Organspende eine eindeutige Zustimmung vorliegen.

    Laumann: "Entscheidung ist jedem Erwachsenen zuzumuten"

    Die SPD-Abgeordnete Dittmar sagte, der Entwurf sorge dafür, eine mögliche Organspende nicht daran scheitern zu lassen, dass zu Lebzeiten nichts entschieden wurde. Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Laumann warb im Bundestag für die Einführung der Widerspruchsregelung. Jedem erwachsenen Menschen sei zuzumuten, eine solche Entscheidung zu entscheiden, sagte Laumann als Vertreter des Bundesrats. Die Länderkammer hatte auf Initiative Nordrhein-Westfalens vor einem Jahr einen Antrag zur Widerspruchsregelung verabschiedet - dem sich die Abgeordneten nun mit ihrem Entwurf anschlossen. Kritik kam unter anderem von der AfD. Der Abgeordnete Sichert sprach von einem Verstoß gegen Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit.
    Den Gesetzentwurf der fraktionsübergreifenden Gruppe haben nach Angaben des Bundestags 254 der insgesamt 630 Bundestagsabgeordneten mitgezeichnet. Zu den Unterstützern der Widerspruchsregelung gehören auch die früheren Bundesgesundheitsminister Spahn und Lauterbach.

    Kleinere Gruppe für Fortbestand der Zustimmungsregelung

    Eine zweite Abgeordnetengruppe brachte einen Antrag ein, der den Fortbestand der heute geltenden Zustimmungsregelung vorsieht. Vorgeschlagen werden aber mehr Aufklärung und Aufforderungen zum Entscheiden. Der Grünen-Politiker Lehmann sagte, eine so sensible Frage wie eine Organspende sollte eine Entscheidung bleiben, die ein Mensch aktiv bejahen müsse. Aus Schweigen dürfe nicht automatisch Zustimmung werden. Die Widerspruchsregelung bedeute im Kern nichts anderes als eine Vergesellschaftung des Körpers. Der Antrag dieser Gruppe hat deutlich weniger Mitzeichner: 58 Abgeordnete versammeln sich dahinter.

    Widerspruchsregelung scheiterte bereits 2020 im Bundestag

    Ob die Widerspruchsregelung diesmal eine Mehrheit findet, ist dennoch offen. Zu den Initiativen folgen nun zunächst Ausschussberatungen. Zuletzt hatte das Parlament 2020 mehrheitlich entschieden, die Zustimmungsregelung beizubehalten, obwohl der Antrag für einen Wechsel zur Widerspruchsregelung mehr Mitzeichner hatte.
    Der Sozialverband Deutschland begrüßte die Initiative für eine neue Regelung. Die Verbandsvorsitzende Engelmeier sagte der "Rheinischen Post", Tausende Menschen würden auf ein lebensrettendes Organ warten. Es sei gut, dass durch den Impuls der Parlamentarier nun die Debatte wieder Fahrt aufnehme.

    Weiterführende Informationen

    Neue Debatte um Organspende: Schweigen als Zustimmung
    Diese Nachricht wurde am 24.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.