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StartseiteCorsoJapanische Metalfans lieben German Metal09.10.2014

"Burrn!"Japanische Metalfans lieben German Metal

"Burrn!" - so heißt die einzige japanische Heavy-Metal- und Hard-Rock-Zeitschrift. Im Oktober 1984 erschien die erste Ausgabe mit kurzen Artikeln zu Ozzy Osborne und anderen amerikanischen Musikern. Heute im 30. Jubiläumsjahr zählt sie mit rund 100.000 verkauften Exemplaren jeden Monat zur festen Größe in Japan.

Von Jörg Albrecht

Hier stellen sich die - naja, sagen wir "Sängerinnen"- einer der zur Zeit erfolgreichsten Heavy-Metal-Bands Japans vor. Die drei jungen Frauen im Alter von 15 bis 17 Jahren sind die Vortänzerinnen von "Baby Metal". Im Hintergrund spielt eine passable, aber gesichtslose Live-Band, im Vordergrund hüpfen die Mädchen in schwarzen Kleidchen über die Bühne. Die dünnen Ärmchen wie zu einer Pommes Gabel hochgereckt.

Eine Band wie "Baby Metal" ist nur ein Teil der japanischen Heavy-Metal- und Hard-Rock-Szene:

"Für japanische Metal- und Hard-Rock-Fans gibt es heutzutage im Prinzip zwei Hauptrichtungen: Yogaku- und Hogaku-Musik. Das erste meint Musik von westlichen Bands aus den USA, Großbritannien oder Deutschland und das andere meint japanische Bands wie Loudness, Anthem oder Earthshaker", sagt Kaz Hirose, Chefredakteur von "Burrn!", der einzigen japanischen Musikzeitschrift, die sich dem Genre Heavy Metal / Hard Rock annimmt.

Sein Büro muss wohl wie jedes Büro in Tokyo sehr klein und vollgestopft sein, weshalb wir uns im eigenen Bandprobenraum seines Verlags "Shinko Music" treffen. Während die typisch japanischen Büroangestellten schwarzen Anzug und weißes Hemd tragen, erscheint Kaz, Anfang 50, mit lila Jeans, gebatiktem Hemd und langen Haaren.

Als er Ende der 1980er den Chefposten von "Burrn!" übernahm, war die Zeitschrift ein Sammelsurium mit zahlreichen kurzen Artikeln vor allem über die US-amerikanische Musik-Szene.

Kaz wagte sich an längere Interviews und monothematische Ausgaben und erreichte in den 90er-Jahren mit rund 200.000 verkauften Exemplaren seine Hochzeiten.

Mittlerweile hat sich das Blatt im Internetzeitalter auf rund 100.000 Zeitschriften monatlich eingependelt

Die mit 300 Seiten etwa doppelt so starke Jubiläumsausgabe bietet neben allerlei Rückblicken zum Beispiel einen Bericht über Aerosmith live in Los Angeles, ein Interview mit einer schwedischen Progressive-Metal-Band und hat als Aufmacher das neue Album von Mr. Big.

Treue japanische Fans

Hirose: "Die japanischen Metalfans lieben traditionellerweise den German Metal. Für uns ist Deutschland ein großes Heavy-Metal-Land. Klar, in den 80er-Jahren waren natürlich zunächst Großbritannien und die USA vorne weg, aber in der Vorstellung der Japaner folgt gleich an dritter Stelle Deutschland. Und das zunächst wegen Bands wie Accept und Scorpions: Später wurde aber auch Helloween ganz groß bei uns, deren Musik uns besonders berührt. Nach diesem Helloween-Boom suchten unsere Fans nach weiteren German-Metal-Bands. Die Nachfrage danach war hier in Japan vielleicht sogar größer als in Deutschland."

Treue japanische Fans sorgen dafür, dass für etablierte, aber in Deutschland vielleicht nicht mehr ganz so angesagte Bands, Japan immer noch ein großer Absatzmarkt ist. Physische CDs verkaufen sich trotz der Konkurrenz durch Download-Alben immer noch besser als in vielen anderen Industrieländer - aus Respekt vor der künstlerischen Arbeit der Musiker, wie Kaz betont.

Dieser Respekt  vor der Arbeit der Musiker sei sogar hörbar, sagt Kaz. Denn Japan sei der perfekte Ort, um Livemitschnitte einzuspielen, weil das Publikum einfach viel ruhiger sei.

Die Vielzahl von "Live in Japan"-Alben scheint seine These zu belegen.

"Ich habe auch im Ausland viele Konzerte gesehen und ich war so wie alle anderen Fans auch dabei ziemlich laut und ausgelassen. Die Atmosphäre dort war immer total locker, die ausländischen Zuschauer wollten einfach nur ihren Spaß haben, gingen während des Konzerts auch mal Bier holen oder zum Klo. In Japan ist das anders. Hier wollen wir unbedingt der Musik folgen und hören, was die Musiker zwischen ihren Songs erzählen. Und indem wir ihnen unsere volle Aufmerksamkeit schenken, bedanken wir uns damit quasi bei den Künstlern."

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