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"Campus-Küken"Bundeswehr eröffnet erste Kinderkrippe

Die Vereinbarkeit von Dienst und Familie verbessern - mit diesem Ziel ist die Bundesverteidigungsministerin angetreten. Jetzt hat Ursula von der Leyen (CDU) mit den "Campus Küken" die erste Kita der Bundeswehr eröffnet. Von einer Kita-Offensive kann allerdings keine Rede sein.

Von Michael Watzke | 12.05.2014

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU - M) sitzt am 12.05.2014 in einem Raum der Kinderkrippe der Bundeswehruniversität in München (Bayern) neben Oberleutnant Patrick Schumitz (2.v.r.) und seinem Sohn Oskar (r), sowie neben Frau Leutnant Laura Bubl (4.v.r.) und ihrer Tochter Charlotte (l). Von der Leyen eröffnete die erste Kinderkrippe der Bundeswehr, deren 36 Krippenplätze den Studierenden, Angestellten und dem Lehrpersonal zur Verfügung stehen.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eröffnete die erste Kinderkrippe der Bundeswehr. (Nicolas Armer/dpa)
Ursula von der Leyen heute Morgen auf dem Campus der Bundeswehr Universität in Neubiberg. Die Bundesverteidigungsministerin, selbst Mutter von sieben Kindern, enthüllt ein Schild mit der Aufschrift "Campus-Küken".
"Es sendet das Signal aus, dass bei uns Männer und Frauen willkommen sind, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen für ihr Leben, aber auch für das Leben anderer. Zum Beispiel das Leben ihrer Kinder, die sie mit begleiten wollen."
36 Kita-Plätze geschaffen
Das ist gerade für Studenten nicht leicht. Auch Bundeswehr-Studenten in Hamburg und München haben darunter bisher gelitten. Während es an der Bundeswehr-Uni in Hamburg auch weiterhin keine Krippe geben wird, hat die Bundeswehr an der Münchner Uni nun 36 Kita-Plätze geschaffen. Endlich, sagt Studentin und Soldatin Janina Klima:
"Ich weiß, dass, als ich mich damals für die Bundeswehr entschieden habe, das ein großer Punkt war: Wie mache ich das, wenn ich mal eine Familie gründen möchte und irgendwann Familienplanung ansteht? Und ich glaube, das ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung."
"Das entlastet natürlich auch. Wenn Sie gerade frisch ins Studium kommen und alle Hände voll zu tun haben, dann ist es das Beste, wenn Sie die Kinder direkt vor Ort abgeben können, sag ich mal. In Anführungszeichen."
"Es ist sehr praktisch, weil unser Stundenplan nicht voll zeitfüllend ist, also von morgens bis abends. Sondern dass zwischendrin auch immer wieder mal Zeit ist, tagsüber. Sodass man sein Kind holen kann. Das ist ein Riesenvorteil gegenüber Kinderkrippen, die auswärts sind. Wo man das Kind dann von morgens bis abends abgibt."
Bei der feierlichen Einweihung heute auf dem Uni-Campus stand natürlich die Bundesverteidigungsministerin im Blitzlichtgewitter. Allerdings weist Michael Brauns, der Pressesprecher der Bundeswehr-Uni, darauf hin:
"Diese Kinderkrippe wurde schon vor vielen Jahren geplant. Initiatorin war und ist unsere Präsidentin Professor Niehuss. Die hatte das vor acht Jahren in Angriff genommen, als sie hier ihr Amt angenommen hat."
Bedarf an Kita-Plätzen mindestens doppelt so hoch
Unterstützung bekam Präsidentin Niehuss vor allem von den aktiven Soldatinnen und Studentinnen der Universität. Etwa von Oberleutnant Heidi Jören:
"Ich bin die Gleichstellungs-Vertrauensfrau der Universität. Und ich habe in dem Gremium mitgewirkt, das überhaupt zur Eröffnung der Kinderkrippe mitgeführt hat. Wir haben zum Beispiel den Träger ausgewählt, die Johanniter. Ich habe aktuell auch ein Kind im Kindergarten. Deshalb habe ich mich engagiert, auch eine Kinderkrippe zu bekommen. Jetzt sind wir echt stolz."
Heidi Jören ahnt schon jetzt, dass der Bedarf an Kita-Plätzen an der Bundeswehr-Uni mindestens doppelt so hoch ist wie das bisherige Angebot. Von den 3000 Studenten sind rund 300 Eltern von Kleinkindern. Mehr als an anderen Universitäten. Deshalb soll das Platzangebot der "Campus-Küken"-Krippe zügig ausgebaut werden:
"Gerade an der Universität haben wir besondere Arbeitszeiten. In den wenigsten Kinderkrippen in München und Umgebung kann man das mit den Arbeitszeiten vereinbaren. Deshalb ist diese Krippe hier an der Uni speziell so konzipiert, dass die Studierenden, die Professoren, aber auch die Soldaten ihre Kinder betreuen lassen können während der Dienst- und Arbeitszeiten. Und sie sich wirklich auf ihren Dienst konzentrieren können."
Keine flächendeckende Kinderkrippen-Offensive
Dass die Bundeswehr in diesem Jahr knapp 23 Millionen Euro ausgibt, um die Bundeswehr familienfreundlicher zu machen, hat vor allem einen Grund: Die Truppe braucht dringend Personal. Durch dem Wegfall der Wehrpflicht interessieren sich immer weniger junge Menschen für das Leben in der Kaserne. Gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei da ein wichtiger Standortvorteil, sagt Stabs-Unteroffizierin und Mutter Julia Denner:
"Das Gute bei der Bundeswehr ist, dass man drei Jahre zuhause bleiben kann und keine großen Nachteile hat. Ich bin standortnah wieder eingesetzt worden, also in München. Und hatte das Glück, hier auch direkt einen Platz zu bekommen für mein Kind. Und wurde auch versetzt in die Uni, damit ich bei meinem Kind meinen Dienst leisten kann."
Eine große, flächendeckende Kinderkrippen-Offensive plant die Bundeswehr allerdings nicht. In den nächsten Monaten soll es noch Kita-Eröffnungen in zwei Bundeswehr-Krankenhäusern geben. Dann ist erstmal wieder Schluss.